Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1872)
- Date
- 1872-02-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447551-2447559--10154-2465883- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
136 ick noch einige Jahre ausharre. Ich bin Hofagent bei Prinz Carl Alexander, dem künftigen Herzog von Württemberg. Es kann nicht lange mehr dauern, so kömmt mein Prinz an die Regierung, und dann wird sein Hcrzogthum mein sein, Ich gelte alles bei ihm, und er wird mich schalten und walten lassen."" „„Wenn dieser Fall jemals eintreten sollte, dann benutzet Eure Macht, das Land gut zu verwalten, nicht aber Euch zu bereichern." „„Ha, ha, ha, wo denkt Ihr hin! Wenn mein Prinz Herzog wird, so braucht er Geld, viel Geld, um seine großen Schulden zu bezahlen und noch mehr Geld, um seine kostspieligen Passionen zu befriedigen. Meine Aufgabe wird es sein, all dieses Geld aus den Einkünften des Landes zu ziehen oder vielmehr, die Einkünfte so zu vermehren, daß mein Prinz seine Schulden bezahlen und lustig leben kann. Dabei wird auch Mancherlei für mich abfallen. Ein Narr wäre ich, wenn ich's anders machte. Doch wir halten noch nicht da. Fürs Erste muß ich nach Frankfurt, um dort auf's Neue Geld aufzutreiben. Habe ich in Frankfurt meine Geschäfte beendet, so reise ich nach Oppenheim, um meinem Oheim einen Besuch abznstatten. Ich bitte Euch, vcrrathet bis dahin Niemandem, wer ich bin; ich möchte ungekannt vor den alten Onkel treten und hören ob er mir verziehen hat."" Rabbi Löb gab das gewünschte Versprechen. Süß speiste zu Mittag und zu Nacht bei ihm. Am andern Tage reiste der Hofagent des Prinzen Carl Alexander nach Frankfurt, um dort für feinen Herren Geld zu schaffen. Allein er fand Niemanden bereit, auf seine Pläne einzugehen. „Was!" rief Jakob K. ganz entrüstet aus, „für den Prinzen soll ich mein Geld hergeben? Der hat ja mehr Schulden als Haare auf dem Kopf. Keinen rothen Krenzer!" Als alle Vorstellungen vergeblich, waren, ging Süß zu einem andern reichen Manne, Namens Simon R. „Ihr macht ein gutes Geschäft," sagte er, „es währt nicht lange, so besteigt Carl Alexander den Württembergnchen Thron imb Ihr bekommt Capital und Zinsen reichlich vergütet." „Wer weiß," antwortete Simon R., „ob Euer Prinz überhaupt einmal an die Regierung gelangt. Er ist nicht viel jünger als der regierende Herzog. Außerdem hat man mir erzählt, daß er noch immer an einer Fußwunde leidet, die er einst in der Schlacht bei Cassano erhalten. Und wenn Euer Prinz nicht Herzog wird, io ist mein Geld verloren." Als Süß fad, daß bei den Juden Frankfurts nichts zu machen war, wandte er sich an christliche Banqmers. „Wie," schrie ihn der reiche Gr. an, als er fein. Anliegen vorgebracht hatte, „diesem Prinzen soll ich Geld borgen, der den protestantischen Glauben verleugnet hat, der katholisch geworden ist! Nimmermehr! Mag er zu Grunde gehen in seinen Schulden! Mein Geld soll ihn nicht retten!" Süß begab sich darauf zu einem katholischen Banquier. Er erzählte diesem, was Gr. gesagt hatte und meinte dadurch den Katholiken zu veranlassen, dem fürstlichen. Glaubensgenossen aus seinen Verlegenheiten zu helfen. Banquier I. lachte. „Ist der Gr. ein Narr! sagte er „In Geschäfts- Angelegenheiten frage ich Niemanden nach seinem Glauben. Wenn morgen der Groß-Türke mir Gelegenheit bietet, Geld zu verdienen, so gehe ich mit Freuden darauf ein Ist doch der allerchristliche König von Frankreich der treueste Bundesgenosse des türkischen Sultans! Aber gerade deßhalb irrt Ihr Euch. Herr Fruanzagent, wenn Ihr meint, ich würde Eurem Prinzen Geld borgen» weil er katholisch geworden. Im Gegentheile, das ist ein Grund für mich, das Anlehen nicht abzuschließen. Ich kenne die Württcmbergischen Stände; die sind im Stande, Euren Herrn von der Thronfolge auszu schließen» weil er Katholik ist." „Verzeiht, Herr J.," entgegnete Süß, „diese Angelegenheit ist bereits geordnet. Schon im Jahre 172S hat Prinz Alexander auf Verlangen der Stände Reversallen ausgestellt, in denen er verspricht, sich keinerlei Eingriffe in die protestantische Kirche Württembergs zu erlauben. Die drei mächtigsten protestantischen Höfe: Preußen, England-Hannover und Dänemark-Holstein haben die Garantie übernommen. „„Wenn das ist, so macht dieser Punkt keine Schnnerigleiten weiter. Ich bin bereit, dem Prinzen ein Anlehen zu gewähren. Wie weit gehen Eure Vollmachten?"" „Meine Vollmachten sind die weitgehendsten, die Ihr Euch denken könnt. Hier seht eine Reihe in blanoo vom Prinzen ausgestellten Schuldscheine, mit seiner Namensunterschrift und feinem Jnfigel." Der Banquier betrachtete die Schuldscheine. „Ihr genießt das Vertrauen Eures Herrn," sagte er dann, „in ausgedehntestem Maaße." Das Geschäft wurde zu beiderseitiger Zufriedenheit beendet. Die ausgenommenen Gelder gingen in guten Wechseln auf Amsterdamer und Antwerpener Häuser nach Brüssel ab. Nunmehr machte sich Süß auf den Weg, um seinen Oheim in Oppenheim zu besuchen. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz.