Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1872)
- Date
- 1872-02-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447551-2447559--10151-2465880- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
133 wo sie in UnthLtigkeit blieb; ein anderer Theil schleppte Alles, was an Habseligkeiten des Israeliten zu erwischen war, in die Flammen, selbst die Kutsche, die im Hofe stand, wurde unter Triumphgeschrei in die brennende Scheuer geschoben. Nun aber sollte der Jude selber braten; er wurde im Wohnhause unter Kisten und Betten gesucht, der Ofen wurde zertrümmert, weil man meinte, daß er in demselben sich verkrochen, er wurde aber zum Glück nicht gefunden, und der Gerichtshof, der heute über den Fall zu verhandeln hat, braucht blos wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthatigkeit den Endprozeß durchzusühren. Angeklagt sind die Mehlhändler Franz L epie, der Gemeindeschmied Wenzel Korinek, der Grundbesitzer Johann Friedl, der Schleifsteinhändler Thomas Czerny und dessen Sohn Franz Czerny. Der Eine hatte geschrien: „Ins Feuer mit den Jordanen, schlagt sie tobt, die Schweine von Jordan " Der Andere war unter Jenen, die den Juden suchten; ein Dritter gehörte zu denen, welche Weil's Habseligkeiten ins Feuer trugen. Thomas Czerny, der weißbärtige Steinschleifer, hatte noch Tags darauf über den Juden Gericht halten wollen und warf ihm, als er mit seiner Familie beim Mittagstische saß, einen zweipfündigen Stein durch die Fensterscheibe zu, welcher Stein der Tochter vom Hause den Löffel, gerade als sie ihn zum Munde führte, aus der Hand schlug. Das ist nicht wahr, bemerkte Thomas Czerny gegenüber dieser Anklage: die Zeugen lügen bis an ihr Lebensende. Es sind ja Juden. Soll Einer auftreten und sagen, daß ich je nach einem Hunde einen Stein geworfen, und darum thäte ich's auch einem Juden nicht. Uebrigens war ich besoffen wie eine Getreidegarbe und bin deßhalb sehr hübsch nach Hause gegangen. Präs. (Landesgerichtsrath Walenta): Wenn man so besoffen ist, pflegt das Nachhausegehen nicht gerade sehr hübsch auszusallen. Wie konnten Sie aber schon um die Mittagsstunde so besoffen sein? — Angelt. : Das kam so: Am Morgen waren wir Alle erfreut, daß das Feuer auf die Scheuer des Juden beschränkt geblieben war, darum gingen wir in's Wirthshaus und tranken. Die Verhandlung dauerte bis in die spätere Abendzeit hinein, weil nicht weniger als 16 Zeugen zu vernehmen waren. Gegen den Mehlhändler Lepic und den alten Schleifsteinhändler Thomas Czerny lagen die gravirendsten Aussagen vor. Der Staatsanwalt Brabec beantragte gegen die Beiden achtzehn Monate schweren Kerkers, während der Gerichtshof eine Buße von vier Monaten schweren Kerkers für ausreichend hielt. Franz Czerny und der Nagelschmied Sladyhoudek mußten das Gelüste, einen Juden verbrennen zu wollen, mit zwei Monaten schweren Kerkers büßen. Der Grundbesitzer Johann Friedl und rer Gemeindeschmied Wenzel Korinek gingen straflos aus; man hatte ihnen nicht vollständig beweisen können, daß auch sie zu denjenigen gehörten, die dem Israeliten Weil das Vergnügen des Feuertodes hatten bereiten wollen. Pesth. In einer ung. Stadt fand ein armer Jude einen Geldbeutel mit 1000 fl. Er lieferte die Summe der Polizei ab und erhielt den gesetzlichen Finderlohn. Das Geld gehörte einem Christen, welcher aber ein großer Judenfeind war; es that ihm leid, daß gerade eilt Jude den Fiitderlohn bekommen solle und wollte den Juden der Veruntreuung anklagen, indem er schwur, es wäre mehr Geld im Geldbeutel gewesen. Das Gericht erklärte aber, daß dann das geforderte Geld nicht ihm gehören könne, und die Summe fiel dem Fiscus zu. ' (Libanon). Zenta (llngarn), im Februar. Die neuerlichen Vorgänge innerhalb der isr. Gemeinde zu Wien verfehlen nicht, in der ganzen öst.-ung. Monarchie das größte Aufsehen zu erregen. Kuranda, der einst Amalek so ruhmreich bekämpft hat, ist selbst zum Amalek geworden. So hat die Wiener Kirchenzeitung nicht geschadet, so konnte sie nicht schaden, wie es jetzt der damalige Vertheidiger des Judenthums thut. Das verabscheuungswürdige Gebühren des Herrn K. u. Genossen involvirt eine Verläumdung gegen ganz Israel, das an den Verheißilngen der Propheten festhält. Und Herr Jel linek? In seinem im Jahre 61 erschienenen Predigten eiferte er gegen derartige Reformen. Damals blies der Wind aus einer andern Richtnng, und Herr I. versteht es, den Mantel nach dem Winde zu hängen. — Trennung,Trennung ist das einzige Mittel zur Rettung der bedrohten Religion. Mag die Abtrünnigen der Wind verwehen, nraso enp jn der Stamm Israel bleibt und kann von Stürmen nicht gebrochen werden- Salomon Klein, Bezirksrabbiner. Lemberg. Aus Jesupol schreibt mau dem „Jb. An.": Vor einigen Jahren ließ sich ein Jude taufen, um ein Christenmädchen zu Heiratyen. Vor wenigen Tagen kam nun derselbe zum dortigen Rabbiner und stellte an ihn die Bitte, ihn mit seiner ganzen Familie (er hat zwei Söhne und eine Tochter) wieder in den jüdischen Glauben aufnehmen zu wollen, welchem Wunsche der Rabbiner natürlich gerne nachgekommen ist. An seinen beiden Söhnen wurde die Beschneidung vorgenommen und ist eie Operation glücklich von Statten gegangen: trotz der hierdurch verursachten Schmerzen 'freuen sich diese Kinder, TG sie jetzt Juden ge- '.vorden find.