Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1872-02-14 · Heft 7 (14.2.1872) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 7 (14.2.1872)
Date
1872-02-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2447551-2447559--10150-2465879
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

132 Berlin. Am Sonntag fand in Berlin eine interessante Cermonie und zwar die Trauung zweier Taubstummen statt, welche vom Rabbiner Dr. Hildesheimer unter Assistenz des Herrn Reich, Lehrer am königl. Taubstummen»Jnstitut, vollzogen wurde. Letzterer erläuterte in der Zeichensprache dem Brautpaare die Heiligkeit der Ehe und die Bedeutung der Ceremonien. Braut und Bräutigam waren, was Bildung des Körpers anbelangt, ein schönes Paar zu nennen. (Kramer theilt in seinem Handbuche der Ohrenheilkunde mit, daß 1855 in Berlin 6 Ehen, in denen beide Ehegatten taubstumm waren, fünf vollsinnige Kinder hatten, bei 12 einseitig taubstummen Ehen hatten 11 hörende Kinder. Im Jahre 1851 befanden sich in Boston unter 200 daselbst versammelten Taubstummen 103 Verheirathete: 80 in beiderseitig taubstummer und 23 in einseitig taubstummer Ehe. 72 dieser Ehen hatten 102 Kinder, von denen nur 4 taubstumme, welche nur 2 Ehepaaren angehörten, alle übrigen waren voll» sinnige.) Magdeburg. Der hiesige Gemeindeoorstand hat sich der seiner Zeit ihm zugesandten Philippsohn' schen Petitton (das Judengesetz von 1847 betreffend) aus mancherlei triftigen Gründen nicht angeschlossen. (Jsr. Wchschr.) Breslau. Rach einer der „Volks-Ztg." aus Breslau zugehenden Mittheilung hat die Verwaltung des Breslauer Domes eine disponibel gewordene Summe (angeblich 70,000 Thaler) in Hypotheken auf die dortige Synagoge angelegt. Strasburg. Der Oberprasident von Elsaß und Lothringen hat bei den drei Confistorien die Frage gestellt, ob für diese Provinzen ein Centralconsistorium errichtet werden soll. Die Consistorien von Colmar und Metz haben verneinend geantwortet. Die Antwort vom Consistorium zn Straßburg ist noch unbekannt. ' (Rev. isr.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pest, 14. Januar. Gleichzeitig mit der neuen Gerichtsorganisation ist in unserem Vaterlande auch die Institution der k. Staarsanwaltschast ins Leben getreten. Die diesbezüglichen Ernennungen hat das Amtsblatt vor Kurzem promulgirt. und finden wir unter denselben folgende Glaubensgenossen u. z. Herrn Dr. Alexander Gerstl, Vizesiskal das Neutraer Komilates zum Unteranwalte beim Neutraer Gerichtshöfe, und Herrn Dr. Ignatz Czukor, Vizefiskal des Esongrader Komitates, zum Unteranwalte beim H.-M - Väsärhelyer Gerichtshöfe ernannt. (Ung. jüd. Wschr). Wien. Die hiesige Polizei wurde in Kenntniß gesetzt, daß sich seit einiger Zeit hier zwei Gauner Herumtreiben, welche einer weitverzweigten Gesellschaft angehöreu, die von Verbrechen lebt und in Ungarn ihren Sitz hat. Die zwei Abgesandten dieser Gaunerbande sammeln hier unter falschen Namen und mit gefälschten Urkunden zu einem angeblichen Synagogen- Bau bei Wiener Finanzmännern Gelder, die ihnen in reichlichem Maße zufließen. Es wurden sogleich die nöthigen Maßregeln ergriffen, um die gefährlichen Individuen zu eruiren und schon nach wenigen Stunden waren dieselben in den Händen der Behörde. Ein Zivilwachmann hatte sie nämlich gestern Nachmittags in einem Kasieehause in der Leopoldstadt ausgeforscht und verhaftet. Nach dem ersten Verhöre schon mußten die Verhafteten die Maske fallen lassen und wurden sie als die gerichtsbekannten Diebe Elias Lustig und Moritz Gold reich erkannt, welche in der That einer fast über ganz Ungarn auSgebreiteten Gaunerbande angehören. Das Geschäft muß sehr einträglich gewesen sein, denn es wurden bei Lustig der Betrag von 234 fl., bei Goldreich 47 st. vorgefunden. Eine Hausdurchsuchung bei der Gattin des Letzteren, Fanni Goldreich, Meidling, Kirchengasse Nr. 20, ergab, daß die Gauner das gesammelte Geld dort aufbewahrt hielten und wurden auch da 340 fl. mit Beschlag belegt. Nach einer Mittheilung der Stadchauptmannschaft Oedenburg sind die hier Verhafteten die Führer dieser Gaunerbande und wegen ihrer besonderen Schlauheit sehr gefährlich. Auch dort wurden erst dieser Tage zwei Mitglieder dieser Gesellschaft, Ignatz Heller und Markus Grünhut in ein sicheres Gewahrsam gebracht. Elias Lustig, ein ehemaliger Wirth, und Moriz Goldreich, ein gewesener Hausirer, wurden gestern Nachmittag dem Landesgerichte eingeliefert. Prag. Der N. fr. Pr. wird von hier über die nachstehende Gerichtsverhandlung berichtet: In Praskoles, einer wenigen Stunden von Prag entfernten Ortschaft, ereignete sich Folgendes: Das Osterfest war dort gerade zu Ende gegangen, man labte sich an dem Gesäuerten, das man acht Tage lang hatte entbehren müssen, und räumte beim Kerzenlichte die Extrageschirre hinweg, welche die Festtage über in Verwendung waren. Da erfüllte das Dorf wildes Geschrei, das Sturmglöckchen wimmerte und die Gemeindespritze wurde eilends in den Hof des Juden Weil geschoben, denn dort flogen die Feuerflvcken zum Dache der Scheuer hinaus; aber ein Haufe der Dorf-Insassen war in den Hof bereits eingedrungen, und dort schrien sie wild durcheinander: die Spritze dürfe nicht heran, Alles, was dem Juden gehöre, müsse verbrennen und er selber müsse tu den Flammen untergehen. Ein Theil der Männer schob die Feuerspritze wieder zum Thore hinaus und brachte sie auf den Nachbarhof

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.