Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1872)
- Date
- 1872-02-07
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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123 -an einer goldnen cicadenförmigen Nadel xmiyog, in den vom Scheitel emporragenden Haarflechten, theils diese wohlriechend zu erhalten, theils und besonders hierdurch ihre Autochthonenschaft zu bezeichnen. Nach dieser ausführlichen Schilderung scheint es unzweifelhaft, daß die Mischna hier dieses oder ein ähnliches Gefäß vor Augen hat, welches wahrscheinlich auch bei den Juden namentlich den Frauen als Schmuck im Gebrauch war, und es werden uns die auseinander gehenden Ansichten der beiden Tanaim nunmehr erst recht verständlich. R. Slieser b. Zadok hält die kleinen Löcher als einmal vorhanden np^o djod, welche jedenfalls die Flüssigkeit ausströmen lassen, wenn der obere Verschluß entfernt wird. Es könne daher dies Gefäß für .-wviv nicht empfänglich sein. R. Jose hingegen ist der richtigeren Ansicht, daß die Löcher hier nicht in Betracht kommen können, weil sie von vornherein bestimmt sind, nicht den Inhalt sondern den Wohlgeruch ausströmen zu lassen, dieser aber jenem gegenüber unwesentlich ist. Diese Ansicht ist auch als begründet anerkannt und zur Halacha erhoben worden 'dt 12 na^n. Die Nichtigkeit dieser Auffaffung wird auch vollends -erwiesen durch den von R. Jose selbst hiirzugefügten Grund niüns fc’snoa wnar odd. Alle Commentatoren haben niüns für die bekannten kleinen Münzen gehalten und daher folgerichtig den Satz ganz mißverstanden. Denn die Erklärung, der auch Sie sich anschließen, daß die Flüssigkeit nur langsam fließe, wie wenn Jemand sein Geld langsam, Heller für Heller ausgibt, ist gezwungen und gibt keinen Sinn. Der immer so klar denkende scharfsinnige Tosafift Rabenu Schimschon fühlte das Unpassende sehr wohl und gestehet ein, daß ihm mors n’bid unverständlich bleibe. Allein die richtige Lesart ist rnv'-'v — nsQmog eine in der griechischen Prosa so häufig vorkommende veränderte Mundart für nsgiOGog — das Ueberflüssige, nicht zur Sache Gehörige, und somit hat der Satz den ganz klaren Sinn, daß die kleinen Löcher nur dazu dienen sollen das nicht zum eigentlichen Inhalt Gehörige, also das Ueberflüssige auszuscheiden. Ob aber das Instrument, von welchem in der Stelle Erubin 104, a na*V2 p-wena ps’uo gesprochen wird, mit dem Tittros in der Mischna indentisizirt werden kann, ist mehr als fraglich, weil es ja bei jenem gerade auf die entgegengesetzte Wirkung abgesehen sein soll. Die Stelle ist citirt aus Tosifta na» dort aber ist die Lesart pnxn je. Die von Aruch gegebene unklare Erklärung, der Raschi ohne Weiteres folgt, läßt vielmehr auf ein eigenthümlich construirtes und mit einem besondern Apparat versehenes musikalisches Instrument schließen, welches bestimmt war, ein monotones, schwirrendes, einschläferndes Geräusck hervorzubringen. Ob diese Wirkung aber durch kleine herabfallende Tropfen möglich ist, mag dahin gestellt sein. Vielleicht dürfte hier eher an eine Manuale Spritze, ähnlich unsrer feinconstruirten Gartenspritze zu denken sein, welche beim Gebrauch ein summendes Getön hören läßt. Doch ist dies eine bloße Vermuthung und die Sache bedarf noch sehr einer gründlichen Untersuchung. I. Glück. III. In der jüngsten wissenschaftlichen Beilage hat der gesch. Herr Redactcur die Ansicht ausgesprochen, daß dhed in Mischna Kelim II. 6 aus xexva^sg gebildet sei und heiße so wegen der viereckigen Form. Allein „viereckig" heißt im Griechischen TergayaQog, ein Wort, das dem Talmud gar nicht fremd ist, (vgl. Aruch v. imoö u. v. |un). Jost's (Mischnaübersetzungl Erklärung, daß v. — xirvQog, Rohr sei, scheint mir auch nicht passend. Meiner Meinung nach ist Setros zu lesen. Das Zeitwort aföoa heißt „sieben" und wenngleich das Substantiv davon im Griechischen orjoxQov (Sieb) heißt, so ist ja doch dies Beispiel nicht vereinzelt, daß die Orientalen die griechischen Wörter umgebildet haben. Vielleicht stammt auch in ptKD das Wort pat* von ccQccßGco her, sowie aus demselben Stamme aqocy^a (Geklirr, Getöse) gebildet wird. Doch ist diese Annahme zu gewagt, wenn auch nicht ganz zu verwerfen (vgl. Sachs Beiträge I S. 4 ff.) vr. H—n. Kräh' Hypothese üöer die Entstehung des Kanon. Von vr. A. Sulzbach. (Fortsetzung.) Nun habe es neben den kanonischen Schriften, führt Gr. weiter aus, noch andere Schriften gegeben, die wohl in Achtung gestanden, aber die Dignität der prophetischen nicht erreicht hätten. Aus der vorerilischen Zeit stammen Hiob, zwei Psalmsammlungen, der Grundstock der Sprüche und die Klagelieder. Die Entstehung der übrigen Hagiographen gehöre aber der nachexilischen Zeit an, aber auch diese seien allmählich zu Ansehen gekommen. Grätz läßt uns aber vollständig im Unklaren darüber, warum diese genannten Bücher, namentlich die, welche er selbst der vorerlischen Zeit zuschreibt, die Dignität der prophetischen Schriften nicht erreicht haben sollen? Er läßt uns im Unklaren darüber, warum