Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1872)
- Date
- 1872-02-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447551-2447558--10119-2465847- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
108 Papier darauf und in wenigen Stunden sind Tausende von Exemplaren deines oder eines andern Werkes hergestellt." „„In wenigen Stunden soviel Werke, zu deren Herstellung die Abschreiber ehedem Jahre brauchten?"" „So ist es." sage mir, wer ist auf diesen göttlichen Gedanken gekommen, nenne mir sein Volk und seine Stadt, damit ich sie verehre!" „Der Erfinder der Buchdruckertunst ist Johann Guttenberg aus Moguntia!" "*) „ „Moguntia, wo Cäsar einst eine Brücke über den Rhenus**) schlug. Also auch ein Germane! Wunderbar, wie dieses Volk von Babaren sich entwickelt hat!"" „Wie lange heute die trägen Römer schlafen! Ich werde sie wecken!" Bei diesen Worten zog der Deutsche eine geladene Pistole aus seinem Gürtel und schoß sie ab. Der Geist Ciceros wich erschrocken zurück. „„Bist Du ein Gort,"" rief er, „„daß Du über Donner und Blitz gebietest!"" „Was Du gesehen und gehört." entgegnete lächelnd der Deutsche, „ist nichts als die Wirkung des Schießpulvers, das ebenfalls ein Germane, Namens Berthold Schwarz, erfunden hat." „„Ha,"" rief Ciceros Geist, „in der That, ihr habt es weit gebracht, ihr Germanen! Aus Barbaren seid ihr Halbgötter gewordenUnd wie weit erst mögen es die Italiener, meine Landsleute gebracht haben, die schon vor achtzehnhundert Jahren auf der .Höhe der Cultur standen! Wenn die Barbaren, die Germanen, solche erhabene Dinge zu Tage gefördert, dann haben sicherlich die Italiener noch viel Größeres geleistet!"" „WW Du wiffen, wie weit es deine Landsleute, die Italiener, gebracht haben,?" „„Ich bin sehr begierig, es zu erfahren!"" „So höre und schaue!" In diesem Augenblicke lief ein Savoyardenknabe über die Bühne, mit lauter Stimme rufend: „Kauft Hecheln, Hecheln!" Der Vorhang fiel. Verdutzt schauten sich die venetianischen Nobili an; dann brach ein Sturm des Unwillens gegen den deutschen Prinzen los, der sie also zum Besten gehalten. Sie schwuren ihm Rache und suchten ihn überall. Aber Carl Alexander hatte in Begleitung seiner Cavaliere und seines Hofjuden bereits während der Vorstellung Venedrg verlassen. Sie saßen zusammen im Reisewagen und unterhielten sich lachend von der Wirkung, welche die Vorstellung muthmaßlich Hervorbringen würde. „Das hast Du gut arrangirt, Süß," sagte der Prinz gnädig. „Du bist ein geistvoller Mensch." „Gnädigster Herr," antwortete Süß, die gute Laune des Prinzen benützend, .„ich möchte gern noch etwas Anderes arrangiren." „Ah, ich weiß," lachte Carl Alexander, „Du willst mich alten Landsknecht ins Ehejoch schmieden!" „Und ist das nicht durchaus nothwendig, gnädigster Herr? Müssen Sie nicht für die Erhaltung Ihres. Stammes Sorge tragen? Oder soll dereinst Württembergs Thron Ihren Vettern von Neustadt anheimfallen?" „Du hast wirklich Recht, Süß, und ich wette, Du hast schon eine Gemahlin für mich in petto." „Das nicht, gnädigster Herr." „„Nun, es wäre so übel nicht, wenn Du mir eine Frau aussuchen wolltest. Du hast einen guten Geschmack Meine zukünftige Gemahlin muß nicht allein von fürstlicher Geburt, sie muß auch schön und geistreich sein."" „Kennt nrein gnädigster Herr den Fürsten Anselm Franz von Thum und Taxis? „„Der in Brüssel so prächtig Hof hält?" " „Derselbe." „„Was ist mit ihm?"" „Der Fürst hat eine Tochter von zwanzig Jahren^ die Prinzessin Maria Auguste. Mein Correspondent aus Amsterdam war in Brüssel und hat dort die Prinzessin kennen gelernt. Er schreibt mir, sie sei die schönste junge Dame, die er jemals gesehen, und mit den Vorzügen des Körpers vereinige sie die glänzendsten Eigenschaften des Geistes; sie habe einen sprudelnden Witz und eine unverwüstliche Heiterkeit. Prinzeß Maria Auguste sei die Seele des ebenso glänzenden wie fröhlichen Brüsseler Hofes!" „ „Deine Schilderung reizt mich, Süß. Wir reisen nach Brüssel. Aber wehe Dir, wenn Du gelogen oder übertrieben hast."" „Mein Correspondent ist sehr zuverlässig." „ „Woher aber soll ich die Mittel zu einem glänzenden Brautstände r:ud zu einem noch kostspieligeren Hofhatte nehmen?"" „Dafür lassen Sie mich sorgen, gnädigster Herr!" (Fortsetzung folgt.) *) Mainz. Hierzu vier Beilagen. **) Rbein. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'scdcn Howuchhandlung. I. GottSleben's Buchdruckerei in Mainz.