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Der Israelit · 1872-02-07 · Heft 6 (7.2.1872) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 6 (7.2.1872)
Date
1872-02-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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107 V österreichischer Feldmarschall nicht, um die Kosten einer standesgemäßen Hofhaltung zu bestreiten, und doch war der Prinz aufs Aeußerste darauf bedacht, seine Würde als deutscher Fürst zu bewahren und den Italienern gegenüber, welche die Deutschen stets als Barbaren bezeichnten und über die Achsel ansahen, sich nichts zu vergeben. Jetzt nun war es Süß, der ihn von allen Verlegenheiten befreite und stets und überall Rath zu -schaffen wußte. Er hatte feine Verbindungen mit reichen Glaubensgenossen zu Amsterdam und Wien sorgfältig gepflegt, und diese gingen gern auf die Vorschläge Süß Oppenheimers ein, dem künftigen Herzoge von Württemberg die Gelder vorzuschießen, deren dieser so dringend bedurfte. Aber auch in anderer Weife machte sich Süß dem Prinzen nützlich. Während Carl Alexander in Venedig lebte und mit dem vornehmen und reichen Adel der damaligen Republik viel verkehrte, hatte er sich oft von der Geringschätzung der Nobili gegen die Deutschen überzeugt. Vielmal hatte er voll Unnluth darüber mit Süß gesprochen. Als die Zeit der Abreise herankam, sagte der Prinz zu seinem Hofjuden: „Wenn ich nur wüßte, wie ich es diese Italiener fühlen lassen könnte, daß wir Deutschen eine talentvolle, aufstrebende Nation sind, während sie einzig und allein von dem Ruhnle ihrer Vorfahren zehren!" „Gnädigster Herr," entgegnete Süß, „ich hätte einen Plan. Sie laden alle diese übermüthigen Nobili zu einem Abschiedsfeste ein, und wir lassen dann allegorisch die Vorzüge der Deutscheu vor den Italienern erscheinen." Süß entwickelte darauf einen Plan, auf welchen der Prinz begierig einging. An einem schönen Sonnnerabende war Alles, was in Venedig durch Rang und Reichthum hervorragte, in dem Palaste erschienen, in welchem Carl Alexander Hof hielt. Nachdem Erfrischungen umhergereicht waren, wurden die Gäste in einem großen Saal geführt. Hier war eine Bühne errichtet, und als Alles Platz genommen, wurde der Vorhang auf ein gegebenes Zeichen emporgezogen. Auf der Bühne war es Nacht; nur eine Lampe schimmerte spärlich und ließ bei ihrem trüben Lichte den Piazzo del Popolo zu Rom erkennen. Plötzlich erschien unter Donner und Blitz der Geist Cicero's. Nachdem er länger als siebenzehn Jahrhundert in der Unterwelt verweilt hatte, wollte er sich einmal nach dem gegenwärtigen Zustande seiner geliebten Landsleute, der Römer, umsehen; darauf betrat ein Fremder, ein Deutscher, die Bühne; er will in eins der Häuser cintreten, findet aber die Thüre verschlossen. „Ist es noch so früh?" fragt der Fremde und zieht eine Uhr hervor. „Wahrlich,"sagte er, die Uhr betrachtend, „es ist erst vier Uhr Morgens; da schlafen die trägen Römer noch." Neugierig hat der Geist Cicew's dem zugeschen. Er tritt zu dem Fremden hinan und sagt verwundert: „Was hast Du da für ein sonderbares Instrument, nach welchem Du die Zeit bestimmen kannst?" Der Deutsche zieht die Uhr hervor und zeigt sie dem Geiste. „Kennst Du keine Uhr?" fragte er. „„Nein, ich bin der Geist Cicero's; länger als siebenzehn Jahrhunderte habe ich in der Unterwelt geweilt und komme erst heute auf die Oberwelt, um zu sehen, wie es meinen ehemaligen Mitbürgern ergeht. Auch zu meiner Zeit gab es Uhren, Sonnenuhren; die sind natürlich bei Nacht nicht zu verwenden."" Der Geist betrachtete aufmerksam die ihm dargebotene Uhr und ließ sich die Construction derselben erklären. Ganz hingerissen von Bewundeerung rief er aus: „„Me Hercule!“ Das ist ein Wunderwerk! Und wer ist der große Mann, der dies erfunden? Wie heißt das Land, das ihn geboren, die Stadt, die chn hervorgedracht?"" „Als Erfinder der Taschenuhren," entgegnete der Deutsche, „wird ein Mann aus Nürnberg, einer Stadt in Germania, Namens Peter Hehle, genannt." „„Ein Germane? Dn schertest, Fremdling'. In Germanien wohnen wilde, uncultivirte Menschen, Barbaren, Troglodyten*), die im Kampfe mit Bären und Auerochsen, ihr armseliges Dasein fristen, in die Felle der erlegten Thiere sich hüllen und ein abscheuliches Gebräu aus Gerste trinken. So hat es mir Julius Cäsar, der einen Theil jenes barbarischen Landes eroberte, selbst erzählt."" „Ja, so war es vor siebenzehnhundert Jahren; aber es ist seitdem anders'geworden. O, ich kann'Dir "noch andere Dinge zeigen, die der Geist der Germanen erfunden. Sieh hier, dieses Buch!" „„Ah, meine Abhandlung „De officiis“ **) und wie schön geschrieben! Ein Buchstabe genau wie der andere."" „Dies Buch ist nicht geschrieben, es ist gedruckt." „„Was ist das, gedruckt?"" „Als Du dein Buch herausgabst, mußtest Du es mühsam abschreibcn lassen, und die Beschaffung des Werkes wurde dadurch für Jeden, der es besitzen wollte, sehr kostspielig." „„Allerdings."" „Heutzutage schneidet man die Buchstaben in Erz, setzt daraus jedes beliebige Buch zusammen, bestreicht die Lettern mit einer schwarzen Farbe, preßt das weiße *) Höhlenbewohner. **) Ueber die Pflichten.

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