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Der Israelit · 1872-01-31 · Heft 5 (31.1.1872) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 5 (31.1.1872)
Date
1872-01-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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86 bereichen, schon nach kurzer Zeit so herrliche Früchte ihrer einstigen Saat reifen zu sehen. Ich zweifle nicht, daß die gewiß lobenswerthe Tendenz dieses neuen Jnftitus sich auch außerhalb Berlins lebhafter Sympathie erfreuen wird, und wäre es, sehr wünschenswerth, daß dieselbe, wo nur irgend thünlich, zur Gründung ähnlicher Vereine Veranlassung geben möchte. . Der seit Jahren in Hamburg bestehende Mekor- Chajim - Verein hat bereits herrliche Früchte getragen, der neugegründete hiesige verspricht ebenfalls glänzende Erfolge!^) Möge daher ein Jeder, in dessen Macht es liegt, ein solches Institut ins Leben zu rufen, recht bald und mit Aufbietung aller Kraft die Initiative hierzu ergreifen! Concurrenz auf diesem Gebiete ist sicherlich nur von Nutzen. N. Kattowitz. nie# 's p"»o. Heute fand die feierliche Einführung unseres neuerwählten Rabbiners Herrn vr. Jakob Cohn aus Altona in sein Amt statt. Schon seit Wochen war derselbe von uns Allen sehnlichste erwartet worden, bis uns endlich auf Donnerstag v. W. die Ankunft desselben war zugesagt worden. Der Vorstand war dem jungen Rabbiner zur Begrüßung bis Gleiwitz entgegengefahren, während am Bahnhofe Hieselbst die Repräsentanten, die Honorationen der Stadt und fast die ganze Gemeinde versammelt waren, und den Angekommenen in einer endlosen Wagenreihe in die für ihn bestimmte Wohnung geleiteten, wo der Rabbiner die Anwesenden in einer kurzen inhaltsreichen Ansprache warm begrüßte. Die Feier am Heutigen Sabbat begann um 10 Uhr. Der Vorstand hatte den Rabbiner der benachbarten Gemeinde Beuthen Hrn. vr. Rosenthal, sowie den dortigen auch in Künstlerkreisen weit und breit rühmlichst bekannten Cantor Singer mit seinem wohlgeschulten Chor hierzu eingeladen. Nachdem der Rabbiner von dem Vorstande und Hrn. vr. Nosenthal geleitet, die festlich geschmückte und mit Blumen re. reichlich verzierte Synagoge betreten hatte, begann der Chor das iud no während welcher Zeit der Rabbiner sich an 'seinen ebenfalls reich verzierten Platz degab. Hierauf betrat Herr vr. Rosenthal die Kanzel und wandte sich in einigen warmen und tiefgefühlten Worten an den jungen Amtsgenossen, sowie an die Gemeinde unter besonderen Hinweis auf den Umstand, daß Ersterer ihm seit Jahren schon ein lieber Freund, daß sie schon vor Jahren gemeinschaftlich geforscht, und gestrebt, gemeinsam aus dem Born *) Aum. der Red. Die Vereine in Frankfurt und in Mainz, die beide den Namen führen, haben eine ganz ähnliche Tendenz. Der Mainzer Verein besteht seit ungefähr 12 Jahren, der Frankfurter noch langer. der heiligen Thora geschöpft und aus dem tiefen Schachte der Wissenschaft so manches Resultat zu Tage gefördert. Er habe schon damals Gelegenheit gehabt, des Freundes heißen Wissensdrang, seinen reichen Schatz an allseitigen Kenntnissen, sowie die edlen Eigenschaften seines Herzens kennen und schätzen zu lernen. Ihm wird es gelingen, vermöge dieser Begabung zu wirken und zu schaffen, zur Ehre unserer heiligen Religion die Gegensätze zu versöhnen, wo sich solche etwa zeigen sollten, zu trösten in trüben Stunden, zu rathen, wo man des Rathes bedarf. Nach Beendigung dieser Ansprache wurde vom Chor das ndh i-nj gesungen, während Herr vr. R. j den jungen Rabbiner zur Kanzel geleitete. Derselbe i nahm den Text zu seiner herrlichen begeisterten und! begeisternden Predigt aus dem Wochenabschnitte, zeichj riete treffend einige Charakterzüge unseres aro^m; Lehrers Moses, den auch er sich zum großen 3N " c i nehmen wolle, und hob unter diesen hervorragenden! Eigenschaften Moses namentlich hervor nsv n»o -ilw vnx bx worauf der Midrasch sehr sinnreich bemerkt vriN vx ns’»“? in^na '\“i hg. Er, der erzogen in Pracht und Glanz am königl. Hofe, dessen geheimsten Wünsche zu erfüllen, Hunderte von Sclaven bereit waren, er wollte hinaus zu seinen leidenden Brüdern, er wollte mit ihnen fühlen, und konnte er nicht helfen, so wollte er doch mit ihnen seufzen. Ein zweiter Grundzug des höheren Charakters unsres großen Volkslehrers war seine grenzentosePflichttreue undHingebung für das erkannte Wahre und Gute und schließlich seine große Bescheidenheit von der es beißt »’Nni ixa nj>. Nicht war es die falsche Bescheidenheit, die einen Ruhm darin sucht vor der Welt anspruchlos zu erscheinen, bei ihm war es lediglich die Furcht, seiner Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Als er aber einmal diese Aufgabe übernommen hatte, da galt bei ihm kein Zaudern und kein Zagen, kein Wanken und Weichen, da trat er ein mit der ganzen Kraft und selbstlosen Hingebung, deren nur ein Moses fähig war. So solle das Leben eines jeden wahren Volkslehres beschaffen sein, und so wolle auch er als erster Lehrer und Leiter dieser Gemeinde sich bestreben zu wirken, innig verbunden mit der Gemeinde in strengster Pflichterfüllung und opferwilliger Hingebung. Rachdem Redner daraus dem vr. di. aus dessen Ansprache mit warmen Worten erwicdert hatte, sprach er noch am Schluffe die Hoffnung aus, man möge ihn llicht der Gefahr aussetzen, ausrufen zu müssen ij'GN' xb ’b, man möge ihm vielmehr mit Vertrauen entgcgenkommen, er werde dasselbe zu rechtfertigen wissen. — Die Synagoge war bis auf den letzten Platz gefüllt und auch die Behörden der Stadt, die Geistlichkeit, Gymnasial-Proffefforen u. s. w. waren erschienen. Die Rede machte auf Alle sichtlich einen überaus erhebenden Eindruck. Zum Schluß wurde noch der Psalm

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