Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1872)
- Date
- 1872-01-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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87 84 vorgetragen, worauf n"np und ^did rben folgte. — Abends fand ein glänzendes Gastmahl statt, bei welchem sich die Spitzen der Behörden, Bürgermeister, Stadtverordneter, Kreisrichter, Gymnafialprofesforcn und Geistliche, sowie circa 150 Gemeindemitglieder betheilten, wobei es an finnigen und heiteren Toasten nicht fehlte. Der Bürgermeister begrüßte Herrn Dr. C. mit einer warmen Ansprache, und Letzterer erwiederte auf die vielen Toaste in sehr geistreicher Weife. Das ganze Fest verlief auf das Würdigste und wird allen Theilnehmern unvergeßlich bleiben. Möge der Allgütige unserm jungen Rabbiner Kraft verleihen, nach seinem Wunsche zu wirken zum Wohle der Gemeinde und im Interesse unserer heiligen Thora. tdn. \ 0 e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. b" Wien. Die „Wiener Tagespresse" erzählt folgenden interessanten Fall: Ein Wiener Geldbriefträger hatte das Malheur einen mit 2000 Gulden beschwerten und an die Firma Rothschild gerichteten Brief zu verlieren. Die Post mußte natürlich diese 2000 fl. an Rothschild aus eigner Kasse zahlen, und da der Briefträger seit vielen fahren als ehrlicher und braver Mann bekannt ist, wollte ihn die Postdirection nicht absetzen, sondern faßte den Beschluß, demselben von seinem monatlichen Gehalte so lange abzuziehen bis jene 2000 fl. getilgt sein würden. Natürlich hätten diese Abzüge lange dauern müssen und der arme Briefträger mußte von dem kleinen Gehalte leben; man hatte ihm daher gerathen, den Baron Rothschild um einen Nachlaß zu bitten, welchen Rath er aber durchaus nicht annehmen wollte. Seine Frau ging aber, ohne daß ihr Mann davon wußte, zu Rothschild — und Rothschild gab ihr wirklich 2000 Gulden, damit sie dieselben der Post zurückzahlen sott. Reit größter Freude übergab sie ihrem Manne das Geld; dieser aber trug gleich die 2->00 fl. zu Rothschild zurück und wollte dieselben trotz vielen Zuredens doch nicht annehmen. „Warum find Sie so hartnäckig und wollen das Geld nicht annehmen?" fragte ihn Rothschild. „Weil Sie ein Jude find und ich mir von einem Juden nichts schenken lassen will!" war die kurze Antwort des starren judenseindlichen Briefträgers. Einige Tage später kam Rothschild's Diener zu der Frau des Briefträgers mit dem Aufträge, daß sie zu seinem Herrn auf ein Paar Minuten kommen solle und zwar ohne Wißen ihres Mannes. Die Frau begab sich nun zu Rothschild und derselbe sagte ihr: „Ihr Mann nimmt von mir kein Geld, weil ich em Jude bin. Doch Sie sollen nicht unter der hartnäckigen Judengehässigkeit Ihres Mannes zu leiden haben. Mein Kassirer wird Ihnen daher jeden Monat so viel auszahlen, wieviel man Ihrem Mann von seinem Monatsgehalte auf der Post abziehen wird; aber sagen Sie es ja nicht Ihrem Manne!" Aus Gr.-Mteseritsch (Mähren.) Die Trauerbotschaft von dem Hinscheiden des hochberühmten Oberrabbiners S. W. Schreiber brr"r wurde von dem verehrlichen Vorstände der Preßburger Gemeinde telegraphisch anher gemeldet. Diese die Trauerbotschaft enthaltende Depesche wurde am Sonntag den 31. Dezember v. I. Abends um 10 Uhr in Preßburg aufgegeben und hier erst am Montag den 1. Januar l. I., um die Mittagsstunde abgeliefert. Da nun dieser Ort nicht direkt mit der Eisenbahn in Verbindung steht, indem man erst 6 Meilen zurückzulegen hat, um in Brünn sich derselben bedienen zu können, so wurde es auch in Folge verspäteten Eintretens des Telegrammes zum tiefen Leidwesen der hiesigen Gemeinde nicht möglich, eine Deputation von hier zu dem darauffolgenden Dienstage Morgens um 8 Uhr in Preßburg stattsindenden Leichenbegängnisse zu enffenden. Obwohl nun viele Gemeindeglieder Geschäfte halber abwesend sind, so wurde doch nicht gesäumt, Mittwoch am 10. ds., vor dem p"v"' Gebete eine Trauerfeicrlichkeit zu veranstalten, zu welcher sich sämmtliche eben hier anwesende Gemeindeangehörige, als Männer, Frauen nnd die Schulkinder einfanden. Die zur Andacht herbeigeeilten waren alle durch die das Herz erschütternde Trauerrede des ehrw. Hr. Rabbiners Dr. B. Feilbogen tief bewegt. Die Stimmung aller war eine aufrichtig trauernde und alles empfand, daß man den Verlust, den „ganz Israel" erlitten, an geweihten, heiligen Glätte beklage und beweine. Bei der Schilderung der großen Verdienste des Verewigten um Humanitäts-Anstalten erwähnte der Herr Rabb. die zwei Glieder des Centrals-Comits's für den Bauvon Pilger- und Armenwohnungen in Jerusalem, Oberrabbiner Jacob Ettlinger in Altona und Joseph Hirsch Halberftadt und empfahl dabei der Gemeinde dieser heil. Angelegenheit ihr Wohlwollen zuzuwenden. — Leider! auch der wohlberühmte Juda Borges in Herrmannmestec von wo unser ehrw. Hrn. Rabbiner hieher berufen wurde und der dem Hrn. Rabbiner „Freund und Rathgeber" war, hat das Zeitliche gesegnet.! Dman iPsj "px Das Schluß- und Trosteswort des Hrn. Rabb. hat wahrhaft erhebend auf die Herzen aller Andächtigen gewirkt, indem er, anlehnend an eine paffende Midrasch-Stelle mittheilte, daß die fromme, ehrenwerthe Gemeinde Preßburg das Rabbinat auf den Sohn des Verblichenen übertrug, daß also diese ruhm- und verdienstvolle Seelsorge von Vater auf Sohn und von Sohn auf Enkel überging. Der Hrn. Rabb. nannte Preßburg „unsere treue Muttergemeinde;" er ergoß sich in Lobeserhebungen dieser. dni , erflehete den Segen Gottes auf die-