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Der Israelit · 1872-01-31 · Heft 5 (31.1.1872) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 5 (31.1.1872)
Date
1872-01-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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HH. Jahrgang. Beilage z«Rr. 5 des Israeli t. HeLtungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Knrbach. Vor einiger Zeit ward in Ihrer sehr geschätzten Zeitschrift die isr. Lehrer-Bildungsanstalt Würzburg rühmlichst erwähnt. Im Interesse dieser Anstalt glaube ich zu handeln, wenn ich von einer Thatsache berichte, die genügend bezeugt, wie die in chr gebildeten Lehrer in allen Beziehungen tüchtig ausgebildet werden. Herr Lehrer Efchwege zu Zeitlofs, der in erwähnter Anstalt seine Ausbildung genoß, erfreute vor einigen Wochen seine Eltern dahier durch seinen Besuch und verweilte bei denselben über bwi nans rutp. Sein Herr Vater, Lelrer dahier, der jeden Sabbat zwei Vorträge im Beisein sämmtlicher Gemeindemitglieder hält, war jenen Sabbat durch Katarrh verhindert, den Nachmittagsvortrag abzuhalten und forderte seinen würdigen Sohn auf, statt seiner einen solchen zu halten. Wiewohl unvorbereitet, genügte letzterer dieser Aufforderung, und gelang es ihm, durch einen freien, gediegenen Vortrag religiösen Inhalts die Zuhörer zu fesseln und den ungetheilten Beifall aller Anwesenden zu ernten. Das nun sind die Früchte einer Anstalt, die stets bestrebt war und ist, Lehrer auszubilden, die vermögend sind durch Wort und That zu wirken, um unsere heilige Religion, die unverfälschte, zu kräftigen und zu heben. Solche Thatsachen sind die besten Beweise und Zeugnisse, daß durch genannte Anstalt erzielt wird, was die Welt von ihr verlangen kann, daß der verehrliche Vorstand derselben, der ehrw. Herr Rabbiner Bamberger gerade der Welt sendet, was für's Judenthum und die Jetztzeit so nothwendig: ordentlich und tüchtig gebildete Lehrer; wir können ihm dafür nicht genug Dank zollen. "m. .nc« Karlsruhe. In der „Karlsruher Zeitung" lesen wir Folgendes: Im Jahre 1862 wurden zwar die Israeliten in unserm Lande (im Großherzogthum Baden) emanzipirt, doch sind ihnen noch einige Beschränkungen zurückgeblieben. Jetzt verlangen nun die Israeliten ihre vollständige Emanzipation, denn so wie in Lemberg, so existiren auch noch in Deutschland Städte, welche die Israelitin von ihren Wohlthätigkeitsanstalten ausschließen. Hoffen wir, daß unsere Regierung im Interesse des Friedens eine Verordnug erlasse, daß alle Beschränkungen, die noch zum Schaden der Israeliten in unserm Lande bestehen, gänzlich beseitigt werden. Unsere Israeliten haben bewiesen, daß sie wahrlich nicht die schlechtesten Bürger sind, und in manchen Gemeinden, wo der Haß gegen Andersgläubige bereits erloschen ist, nehmen viele Israeliten die hervorragendsten Ehrenämter ein. Auch bei den unlängst in drei Dörfern stattgefundenen Bürgermeister-Wahlen sind die Israeliten nur durch eine winzige Stimmen- Mehrheit durchgesallen. Berlin. Nicht mit Unrecht betrachtet das Publikum seit einiger Zeit die sog. Gründungen, mit denen wir aus dem Gebiete commerziellen und industriellen Lebens seit Jahresfrist in überaus reichlichem Maße beglückt wurden, mit etwas mißtrauischen Blicken. Der Grund hierfür dürste darin zu suchen sein, . daß das Publikum die Ueberzeugung gewonnen, daß diese neuen Schöpfungen nicht, wie das stets und überall als Grund voxgeschoben wird, einem dringenden Bedürfniß zu genügen erstanden sind, sondern zumeist nicht sehr lobenswerthen Motiven ihre Entstehung verdanken. Ich bestnde mich heute in der angenehmen Lage, den Lesern Ihres geschätzten Blattes von einer neuen Gründung zu berichten, die, ebenfalls von kaufmännischer Seite ausgehend, in der That zum dringenden Bedürfniß geworden, der aber keinerlei unlautere Motive zu Grunde liegen. Am vorigen Sabbat wurde nämlich, aus Anregung einiger jungen Kaufleute ein Verein nrctt pu'N ins Leben gerufen, der sich die Aufgabe gestellt, die hiesige kaufmännische Jugend zu gemeinschaftlichem Studium unserer heiligen Lehre heranzuziehen. Es wurde zu diesem Behufe die Bestimmung getroffen, die Mitglieder des Vereins dreimal wöchentlich zu versammeln, und theils von diesen selbst, theils von speziell dafür gewonnenen Kräften abwechselnd nvjts'D ’"an und «n vortragen zu lassen. Es hat hier ein solcher Verein gleichen Namens und ähnlicher Tendenz in früheren Jahren bereits existirt, doch mußte derselbe feine Thätigkeit leider nach kurzem Bestehen wieder einstellen, nachdem die Männer, deren herrliche Vorträge allsabbatlich ein zahlreiches Publikum um sie versammelt, durch Berufung an Rabbinatsstellen demselben entzogen wurden. Wir begrüßen deßhalb mit Freude den Umstand, daß die Wiederbelebung dieses Vereins in erster Reihe von Schülern der gedachten Ehrenmänner angeregt wurde, und möge es diesen zur lebhaften Genngthuung

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