Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1872)
- Date
- 1872-01-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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- Mohel 1× ep/1006163
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FerrLLlet»«. Süß Hppm-eiwer. I V. I Als das Morgengebet verrichtet war, sollte die Neschneidung vor sich gehen. Zuvor jedoch nahm Rabbi löb den jungen Mann bei Seite und sagte zu ihm: I „Hört einmal, Freundchen, Ihr steht da im Begriffe , Etwas zu thun, was von den übelsten Folgen »ein kann. Die Gesundheit, ja das Leben des Kindes Wehen in Gefahr, wenn Ihr Eurer Sache nicht sicher »eid \*i I „„Seid unbesorgt,"" entgegnete Süß leichtfertig, n,„daS Kunststück ist nicht so groß; übrigens ist dieses lind sehr leicht zu beschneiden, und wenn ich bei meinem Oheim gebüeben wäre, so würde er mir sicherlich »schon bald die Ausübung einer derartigen Funktion anwertraut haben."" „Und warum seid Ihr nichl bei Eurem Oheim geblieben?" ' Süß gerieth in Verlegenheit. Zum Glück kam jetzt der Hausherr herbei und forderte den jungen Mann auf das Kind zu wickeln. Süß that das mit großem Geschick. Rabbi Löb setzte sich nieder, nahm das Kind auf den Schooß, und Süß vollzog die Operation mit solcher Gewandtheit und Unerschrockenheit, wie wenn er ein seit Jahren bewährter Mohel wäre. Die Eltern des Kindes wußten gar nicht, wie sie ihre Dankbarkeit dem unerwarteten Helfer genugsam ausdrücken sollten. Rabbi Löb aber nahm den jungen Menschen bei Seite und sagte zu ihm: „Möge das Sechug^) von der Mizwoh?), die Ihr soeben vollbracht habt, Euch beistehen, daß Ihr Euch niemals schmaddert) lasset." „„Herr,"" brauste Süß auf, „„wie könnt Ihr mir so etwas sagend"" „Sachte, sachte, mein junger Freund, ich bin ein wenig Menschenkenner! Ihr leid gewandt und geschickt, aber Ihr seid ein leichtsinniger Patron! Ein junger Mensch, wie Ihr, der lernen kann, soll keine Tephillin haben!" „„Ich habe Euch ja erzählt — sie sind mir gestohlen worden!"" „Und habe ich's Euch geglaubt? Und wenn auch, hättet Ihr zwischen Deutz unb hier keine haben können? Ich glaube Euch alle Eure Flausen nicht. Ihr habt daheim irgend einen dummen Streich gemacht und seid dann heimlich Euren Angehörigen entlaufen; soviel habe ich schon herausgebracht. Doch, was geht's mich an? Weil Ihr heute die große Mizwoh gethan, svll Euch der Snhar*) nicht ausbleibcn. Ich will Euch mitnehmen nach Amsterdam und will Euch dort ein Unterkommen verschaffen. Aber sagt mir zuvor, ob ich Rechthabe — ich thue mir auf meine Menschenkenntniß etwas zu Gute." Süß lachte. „Ihr habt Recht, Rabbi Löb; verlangt jedoch nicht mehr zu wiffen. Euer Anerbieten nchme ich dankbar an." Die Eltern des durch Süß in den Abrahamsbund eingeführten Kindes wollten den jungen Mann reich belohnen. Rabbi Löb duldete es nicht. „Ihr seid selbst nicht sehr bemittelt," sagte er, „und mir als Gevatter geziemtes, alle Kosten zu tragen. Ich nehme den Jungen mit nach Amsterdam und werde dort für ihn sorgen, indem ich ihm ein Unterkommen schaffe und ihn zuvor mit Geld und Kleidung versehe." Ein festliches Frühmahl wurde eingenommen; dann fuhren Süß und Rabbi Löb, der Pferd und Wagen bei sich hatte, von dannen, begleitet von den Segenswünschen ihrer Witthe. Rabbi Löb fuhr zunächst nach Rotterdam, wo er seine Flöße erwartete und das Holz verkaufte. Süß leistete ihm bei diesem Geschäfte die besten Dienste. Er verstand nicht allein gut deutsch zu lesen, zu schreiben und zu rechnen — die Juden in jener Zeit lernten selten deutsch lesen und schreiben — er begriff und erlernte auch das Holländische wunderbar rasch, und die wenigen Wochen, die er in Rotterdam zubrachte, genügten, ihn mit der holländischen Sprache vollständig vertraut zu machen' „Bleibt bei mir," sagte Rabbi Löb eines Tages zu ihm, „ich kann Euch in meinem Geschäfte gebrauchen; ich will Euch gut belohnen, wenn Ihr mit mir nach Mainz zurückgekehrt." „„Rach Mainz gehe ich nicht."" „Warum nicht?" „„Weil es zu nahe bei Oppenheim ist."" „Was kümmert Euch Oppenheim? Doch halt, da war der Rant) von Oppenheim bei mir kurz vor meiner Abreise. Der suchte seinen entlaufenen Neffen. Wahrlich, Ihr seid kein Anderer als der Gesuchte." „„Ihr habt es errathen, Rabbi Löb."" „Kehret zu Eurem Onkel oder wenigstens mit mir nach Mainz zurück!" „Nimmermehr! Ich sehnte mich schon lange hinaus in die Welt, und nun habe ich die größten Gefahren überstanden! Soll ich etwa deßhalb soviel gelitten haben, um unter das alte Joch zurückzukehren? Nein, ich will meinen Weg durch die Welt machen, will mir Reichchum, Ehre und Ruhm erwerben!"" Verdienst. 2) Gottes gebot. 3) Eineu Religionswechsel begehen. 4) Lohn. 5) Rabbiner.