Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1872)
- Date
- 1872-01-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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78 merhin gut, wenn die Tugend auch in solcher Weise belohnt wird. Für die speciell jüdisch-socialen und religiösen Verhältnisse jedoch hat sich in jüngster Zeit ein Mangel geltend gemacht, der die weitgehendsteu, oftmals höchst unangenehmen ja betrübenden Folgen hat; es ist dies der Mangel an jüdischen weiblichen Dienstboten. In manchen Gegenden Deutschlands sind jüdische Köchinnen kaum mehr zu haben, nnd die Folge ist sehr häufig, daß dadurch gar manche Haushaltung vollständig unjüdisch wird. Viele jüdische Hausfrauen würden, gern eine koschere Haushaltung führen, wenn sie jüdische Köchinnen haben könnten. Welch ein unermeßlicher Schaden der Religiösität aus diesem Mangel erwächst, liegt auf der Hand. Solange die Haushaltung noch jüdisch geführt wird, ist das Haus dem Jüdenthume nicht gänzlich entfremdet; wenn aber einmal erst die Küche mcht-jüdischen Dienstboten überlassen ist, so ist von da bis zur gänzlich „ttepheneu" Haushaltung und bis zur völligen Jrreligiösität nur noch ein kleiner Schritt. Suchen wir nun die Ursachen dieses Mangels zu ergründen, so liegen diese allerdings theilweise in den socialen Verhältnissen. Die zunehmende Wohlhabenheit erspart jetzt mehr den Töchtern das harte Loos des Dienens als früher; andererseits jedoch liegt dieser Mangel darin, daß dre Zukunft der jüdischen weiblichen Dienstboten vielfach völlig aussichtslos ist. Bis ein Mädchen sich so viel erspart hat, daß es im Besitze einiger Hundert Thaler ist und dann Aussicht hätte, einen Mann zu bekommen — das dauert in der Regel so lange, daß dann die Zeit des Heirathens überhaupt vorbei ist. Daher zogen und ziehen so viele arme jüdische Mädchen es vor, nach Amerika auszuwandern, wo eine Verheirathung auch ohne Mitgift nicht außer dem Bereiche der Möglichkeit liegt. Ganz anders würden sich diese Angelegenheiten gestalten, wenn brave, junge, jüdische Mädchen, nachdem sie, wir wollen sagen zehn Jahre, gedient haben, Aussicht hätten, ansgestattet zu werden und einen eigenen Heerd zu gründen. Die Töchter unbemittelter Eltern würden sich dann viel leichter entschließen zu dienen, sie. würden nicht mehr nach Amerika auswandern, sie würden den Beruf der Köchinnen, den der Ladenmammsellen, Nätherinnen, Schneiderinnen, — Berufe die auch ebensogut durch Nichtjüdinnen ausgeführt werden könnten — vorziehen. Es wäre daher unserm Dafürhalten nach ein Unternehmen von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit, Ausstattungsvereine für weibliche, jüdische Dienstboten zu gründen. Einem solchen Vereine würden sich auch sicherlich viele wohlthätige Glaubensgenossen anschließen, die sonst dem practischen Judenthume ganz entfremdet sind, und es wäre dann möglich, eine verhaltnißmäßig große Anzahl von jüdischen Dienstmädchen auszustatten. Welch einen wohlthätigen Einfluß derartige Vereine auf die religiöse und sittliche Führung dieser Mädchen haben würde, ist leicht zu ermessen. Es würde „das Dienen" allmählich aufhören, seinen abschreckenden Character zn verlieren, da es dann nicht mehr als Lebensberuf sondern als Uebergangsperiode von nicht zu langer Dauer aufgefaßt werden wird. Die „Bekanntschaften" mit Nichtjuden, die sich leider gerade in den in Rede stehenden Verhältnissen von Tag zu Tag mehren, würden aufhören, und ganze Familien würden dadurch dem Judenthum erhalten bleiben. Das sind die practischen, guten Folgen! Wie groß aber erst die nmo ist, die große mso von 11-2 nDJDn, von der Gott die Früchte in dieser Welt genießen läßt und das nwp pp für die künftige Welt aufbewahrt, — das Alles brauchen wir wohl den Lesern des „Israelit" nicht erst zu sagen. Es erübrigt nun noch die Grundzüge ernes derartigen Vereins darzulegen, um danach die Statuten festzustellen. Der Verein führe den Namen: »Ausftattnngsverein für jüdische Dienstmädchen." Eine Anzahl von Leuten treten zusammen, verpflichten sich zu einem jährlichen, vierteljährlichen, monatlichen oder wöchentlichen Beittage. Man läßt die Beiträge so lange sich ansammeln, bis sie eine zur Ausstattung genügende Summe, etwa 1000 Gulden oder 600 Thaler betragen; sodann wird der Betrag unter den Mitgliedern des Vereins verloost mit der Bestimmung, daß der Gewinner verpflichtet ist, denselben einem jüdischen Dienstmädchen, das fünf bis zehn Jahre lang rn jüdischen Häusern gedient hat, zuzuweisen', jedoch nur zum Zwecke der Verheirathung; erst am Tage, vor der Hochzeit wird das Geld vom Cassirer des Vereins erhoben- und fällt dem Vereine zu anderweitiger Verwendung zurück, wenn die Heirath der betreffenden Personen innerhalb sechs Jahre nicht stattgefunden hat. Es wäre angemessen, derartige Vereine in größeren Gemeinden zu gründen, und zu gestatten, daß Mitglieder kleinerer Gemeinden aus der Nachbarschaft demselben beitreten. Zum Schlüsse die Mittheilung, daß hier in Mainz ein derartiger Verein s. G. w. nächstens ins Leben treten wird. Es würde uns sehr freuen, auch von anderswo ähnliche Nachrichten zu empfangen. npiun nsyyo rpm! — Der Mldrmgstrieö iw jüdischen Wolke. N Es ist nicht zu verwundern, daß die Bekenner des Rationalismus alle edlen Strebungen, die das Leben nnd Weben in den Anschauungen der Religion in dem menschlichen Herzen hervortreibt, als einzig mögliche