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Der Israelit · 1872-01-24 · Heft 4 (24.1.1872) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 4 (24.1.1872)
Date
1872-01-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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57*522'*' 63 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutsch t a u d. Würzburg. Sie haben durch Veröffentlichung einiger Artikel in den jüngsten ^timtmau ihrer geschätzten Zeitschrift Veranlassung gegeben, darüber uachzudenken, wie dein iurmer mehr umsichgreifeudeu Nebel der Sabbatentweibung seitens israelitischer Jünglinge, die sich dem Geschäfte widmen, zu steuern sei: wollen Sie daher meine wenn auch nicht maßgebende Ansicht über diese Sache zur Veröffentlichung bringen, vielleicht gelingt es dadurch dazu beizutragen, m cy nrnnb. Vor allem wird es nöthig sein, die Frage zu beantworten: Wer ist an dieser Verirrung schuld? Leider ist die Schuld davon — wie im Folgenden begründet — vielfach bei den Eltern jener Jünglinge zu suchen. Gewöhnlich verlässt nämlich der Knabe nach zurückgelegtem 13. oder 14. Lebensjahre das elterliche Hans. Der religiöse Vater sorgt dafür, daß sein hoffnungsvoller Sohn in einem frequenten Geschäft einer größer» Stadt, das o"»i rot? streng geschlossen ist, Unterkunft findet und die Kost bei einem religiösen Restaurateur nimmt. Und nun glaubt der Vater seiner Pflicht, seinen Sohn dem echten Judenthume zu erhalten, Genüge geleistet zu haben. Dem ist aber leider nicht so. Wir wollen von dein Thun und Treiben des Jünglings, für den auf obenstehende Weise gesorgt ist, während der Werktage ganz abgesehen, dieses jedoch ».'ährend des rot”, an dem er frei von aller Arbeit und nur sich überlassen ist, in Betracht ziehen. Wie zu erwarten, bringt der Jüngling den größten Theil dieses heiligen Ruhetages in Gesellschaft von Altersgenossen zu: was aber dort beginnen? Run, man weiß die Zeit zn verkürzen, geht in Kafsehäuser, spielt daselbst, macht nach nahe- — jedoch außerhalb des rate mnn - liegenden Drtschasten Ausflüge. Geld darf natürlicher Weise nicht fehlen; denn was sollte bei Ermangelung desselben begonnen werden? Zwar wird derjenige, der vorn elterlichen Hause aus solches zu unterlassen gewohnt ist, in erster Zeit seinen Grundsätzen treu bleiben, nach kurzer Zeit jedoch wird es seiner verführerischen Gesellschaft, und eine solche ist jetzt überall zu finden, die durch Trugschlüsse und Witze ihn bethörcn, gelingen, ihn zu Sünden zu verleiten und daun moy rmu m'Dy. Wer findet sich nun in solchem Falle, den irrenden Jüngling zurechtzuführeu? Der Prinzipal! was geht es ihn au, wie und wo der ihm zur Ausbildung übergebene Jüngling den Sabbat zubringt; und kümmert er sich auch darum, was wird es fruchten? Und der Restaurateur? dem ist es genug, wenn sein Kostgänger zur rechten Zeit zu Tische geht und mit der Kost zufrieden ist. Die Eltern aber wissen von all diesem nichts, — wer sollte es ihnen auch mittheileu, — und leben in dem Wahne, ihr Sohn sei guten Händen übergeben, lebe in der Fremde, so wie ftüher zu Hause. Werden sie nun später enttäuscht, dann halten sie es für zu spat, ja selbst ihre elterliche Autorität ist meistens nicht mehr hinreichend, den jungen, aufgeklärten Herrn Geschäftsmann eines Bessern zu belehren. Daß es übrigens löbliche Ausnahmen gibt, darf nicht verschwiegen bleiben; diese sind aber klein und verschwindend in der Masse der Bethörten. An euch, ihr frommen Väter, ihr pflichtgetreuen Mütter, ist es also, wenn ihr fiir das Seelenheil eurer Söhne sorgen, wenn ihr euch im Alter keine begründeten Vorwürfe machen wollt, danir gewissenhafte Sorge zu tragen, daß ihr eure Söhne nicht nur in ein Geschäft, das am re» streng geschlossen ist, bringt, sondern daß ihr euch nach frommen Familien umsehet, denen ihr eure Söhne nicht nur in Kost und Logis sondern auch zur Beaufsichtigung ihrer freien Zeit übergebet, und sie verpflichtet, für das religiöse wie sittliche Leben — denn auch dies ist in unserer Zeit vielfach gefährdet — eurer Söhne ein wachsames Auge zu haben. N. e. Berlin. Unter den Auspicien des britischen Naturforschervereins 'st vor einigere Tagen eine aus sechs Personen — darunser Un. Ginsburg — bestehende Expedition von London nach Moab in Palästina abgegangen , um eine Vermessung dieses Landes vorzultehntcit, sowie dessen Raturgeschichte und Alterthümer zu erforschen. In Jerusalem wird sich der Expedition der deutsche Geistliche F. Klein, bekanntlich der ursprüngliche Entdecker des moabitischen Steines, anschließen. (Staatsanzeiger.) Dresden. Einen Tag vor seinem 79. Geburtstag, am Vorabende von Chanukkah, verschied Hierselbst Berend Lehmann, langjähriger Mitvorsteher der Beerdigungsbruderschaft. Derselbe war stets bereit, die Mizwa Gemilus Hacheßed auszuiibeu, ein frounner und talmudkundiger Mann. Mit ihm ist der kleinen Zahl der Conservativen eine Hauptstütze genommen; er suchte wenigstens der Reformation Einhalt zu thun und insbesondere sich gegen die seit einigen Jahren hier beliebte Gebetshinweglapungcn zu erklären. Nun ist er todt, und der Mann, den die Neologen (d. h. der Gemeinderath :c.) in Rücksicht seines hohen Alters respectirten, kann ihnen kein „Halt" mehr gebieten. Möge er sanft ruhen, der Dank der Gemeinde sei sein Lohn. Dresden. Bor Kurzem trat ein vor einigen 30 Jahren zunl Christenthum übergetretener Jude wieder zum Judeuthum zurück. Derselbe lag schwer krank

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