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Der Israelit · 1872-01-24 · Heft 4 (24.1.1872) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 4 (24.1.1872)
Date
1872-01-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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r WWWMMWWMMWWWWWWWW Xm. Iahrg ß n g. . >*Xr^ r'r /' •.•‘T-w1 CI Leitender Artike l. Are Arrfgaöe des Iudentbums. Bon Naphtali S. (Fortsetzung.) Durfte Gott aber ein ewiges Bündniß mit uus schließen und so die freie Wahl, die freie Erkenntuiß, die Selbständigkeit uns von vorn herein hinweg nehmen! Warum nuy nicht allen übrigen Völkern gleichstellen s Weil Gott uns üb:r die Völker stellen, erhalten wollte durch unser Verdienst, die einzigen Bekenner der Wahrheit, der Einheit Gottes zu sein: es ist also ein Beweis der göttlichen Liebe, die uns in diesem Bündnisse ein Mittel an die Hand gab, stets dieser Wahrheit treu bleiben zu können. Itub gleichwie wir zwischen zwei Gesetzübertreteril einen Unterschied machen muffen, zwischen dem, der weiß, daß er ein Gesetz verletzt, oder wenigstens nach dem Grade seines Wissens und seiner Bildung e-s wissen sollte, und zwischen dem, der sich seines Vergehens nicht so klar bewußt ist, ja vielleicht eS nicht einmal für ein Vergehen hält: also macht auch Gott zwischen uns und andern. Völkern einen Unterschied und verlangt genauere Befolgung seiner Gebote, straft strenger jede Üebertretnng, weil bei uns eine Verleugnung Gottes daraus erwächst. Durch die heilige LU)re nun werden wir iit jedem Augenblick an den Ewigen erinnert, durch ihre Vorschriften werden wir erhalten und geführt auf dem Wege, der uns die Gotteserkenntniß bewahrt und wir werden abgehalten von all dem, was dieser Erkenntnis, was dem Beharrerl in ihr schädlich sein könnte. Das ist der Inhalt der ganzen Lehre: all ihre Gebote bezwecken dieses Eine, mögen sich dieselben nun auf den ausschließlich göttlichen Dienst, oder auf die speciell en Lebensoer hältrrisfe, auf die persönlichen Pflichten beziehen; alle, ohne Ausnahme, bezwecken, daß wir uns bilden, veredlen, erheben, daß wir ans dem Wege des Rechtes und der Wahrheit wandeln, daß nur unsere Aufgabe als eine ideale anffasseu, ihr das Leben unterardiren mit seinen profanen, rein irdischen Anforderungen, damit wir stets uns bewußt bleiben, daß es einen Gott gibt, der Himmel und Erde geschaffen und was sie füllet, daß wir Ihm dienen müssen unseretwillen. Dadurch rverderr wir ein «Priesterreich, ein einig Volk," das ausschließlich dem Dienste Gottes sich widmet, das lebt uin allein dem Einigen zu gefallen rrnd strebt, göttliche Eigenschaften sich zn erringen, Wahrheit und Recht überall gegen Jedermann zn üben razy? ‘i 111 dckm np-ü?. Und nun prüft cm Jeder die Lehre des Ewigen, ob ihre Gebote irgend einen; unedlen Zwecke Vorschub leisten, ob irgend etrvas Unrechtes verlangt wird; aber man prüfe mit reiner Vernunft, die nicht von Parteilichkeit und Leidenschaft getrübt ist, und sie wird die Prüfung bestellen. In unserer Zeit freilich prüft man mit dem denkenden Zeitgeist und findet, daß diew Lehre nicht mehr auf unsere Zeit anwendbar sei, weil sie Anforderungen stellt, die man zu erfüllen jetzt nicht mehr für gut findet, dein; das allein, nichts Anderes ist der Grund, der Ailsgalkgspunkt ftin die Ablengnnng der Göttlichkeit der Lehre. "Da man ab.r wohlweislich hütet, diesen Bequemlichkeitsarmw offen und ehrlich herauszusagen, sondern mir m"' uns „Arnkläruug" sich einen Glorienschein m:. die geistvolle, aufgeklärte Stirn zu winden bemmd: so mü'ft.'. wir nur so ernster betonen, daß Zeitgeist um. Aufklärung zu allen Zeiten gleich sind, wenn der Zeitgeist ein edler, hoher, wahrer, wenn die Aufklärung eine wahrhafte sein soll und will. Zu allen Zeiten muß der Geist das höchste Ideal des Menschen anstreben und diese Amklärung muß alle, diesem hohen Ziele entgegeust wenden Hindernisse zu bekämpfen und zu beseitigen Archen. Das höchste Ideal des Menschen besteht aber wahrscheinlich nicht im Materialismus. Nicht der Stoff kann die Wahrheit sein, darum auch kann der Zeitgeist, der nur für' diesen forscht und denkt und müht nur ein vergänglicher sein, der nur für den Augenblick denkt und '.hasse. Ein Geist für einen Moment, das ist nicht da-, ’ was wie. was die Denker und Forscher aller Zeilen, unter Zeitgeist verstehen. Und ein Zeitgeist, der das höchste uegftt, der Alles negirt, was über" die Anfordmuugm und Bedürfnisse dieses vergänglichen, dem Staub und Mod.r verfallenen Lebens geht, das ist nicht Geist. Es w'äre tvöricht. wmn wir unsere wirklich in manchen Bezieh'.ulgen große Zeit verkennen würden: so blind ml;;ei!eu w i r nicht, weil wir unfern Blick nicht durch Leidem.haftlichkeft trüben lassen. Wir wissen wohl zu schätzen, wie Gewaltiges unsere Zeit hervorgebracht, wie Gewaltiges und Hobes sie anstrebt, Reales sowohl als Ideales; aber eberftowenig dürfen wir übersehen und verkennen, wie einseitig man doch wiederum zu Werke geht. Man strebt Freiheit an und glaubt sie nur darin finden, nur dadurch er äugen zu können, wenn man dem Menschen, rcsp. den; uuenschl. Geiste gar keine Schranken mehr fetzt, wenn allen Neigungen und Trie-

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