Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1872)
- Date
- 1872-01-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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- Mohel 2× ep/1006163
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WM WW „ „Ach/' fuhr er in traurigem Tone zu reden fort,;, „ich lache und hin doch in einer so großeil Zoroh. 3.)" " .Was fehlt Euch?“ fragte Süß theilnahmsvoll. „ „Ich hätt^ morgen eine Briß Miloh,^)"" sagte der Hausherr wehmüthig, „„ich habe auch nach Geldern geschickt, um den Mohel von dort kommen zu lassen. Der. hat sein Mohelzeug schon geschickt und wollte heute ÄbW eWeW", 'statt seiner kömmt heute Nachmittag ein' Bote, der .W zu unserm Schrecken meldet, daß der Mohel Plötzlich 'krank geworden; ein anderer ist weit und breit nicht aufzutreiben. Mein Bruder in Geldern, der Gevatter sein sollte, ist nun auch ausgeblieben." " „Wie gejagt," nahm der mit Rabbi Löb angeredete Herr das Wort, „das Gevatterschaft würde ich übernehmen und solüstge hier bleiben, so sehr es mich auch stören würd^ allem ein Mohel bin ich nicht!" „Mei.y Gott, was fange ich an!"" sprach der Hausherr seufzend. „„Jetzt, da mir Gott einen Bechorb) bescheert hat, kann ich ihn nicht aufnehmcn in den Briß?) von Awrohom Owinu4 5 6 7 8) am achten Tage, wie Gottes Gesetz es befiehlt"" „Wenn Ihr mir vertrauen wollet," sagte Sufi, „ich würde Euer Kind mallen.9 10 11)" „„Du, mein Jüngelchen," rief Rabbi Löb, „Du bist doch kein Mohel t‘" „Mein Onkel daheim ist ein geschickter Mohel, und ich.habe ihn immer begleitet, da ich die Absicht hatte, ebenfalls Mohel zu werden. Seht her, ich habe mir Mohel-Nägel l«) stehen lassen." Und er zeigte die großgewachsenen, spitzzulaufenden Nägel an seinen Daumen. „Wer seid Ihr und woher stammt Ihr?" fragte, der Hausherr. Süß erzählte die von ihm ersonnene Geschichte, die ihm auch, von Seiten des Hausherrn wenigstens, bereitwilligst geglaubt wurde. „Ihr seid mir wie ein Mallach nun Haschomajim,ir) rief freudig der Wirth, „wie danke ich Gott, daß er Euch zu mir geschickt hat!" Er ging zu seiner Frau in den Hintergrund des Zimmers, »m ihr die freudige Mittheilung zu machen, daß die Briß Milah am andern Tage stattfinden könüe. Süß folgte ihm und lieg sich das Kino zeigen. Es war ein schönes, gesundes, kräftiges Knäblein. Als sie wieder an den Tisch zurückgekehrt waren; mußte Süß das Tischgebet vortragen; er sprach dasselbe geläufig und correct. Jetzt erinnerte sich Süß, daß er keine Tephillin") besitze. Bon zu Hause hätte er die seinigen nicht mitgenommen; unterweges hatte er oftmals solche von seinen Quartiergebern geborgt; vielmals hatte er gar keine gelegt. „In Deutz," sagte er schüchtern, „sind mir mit meinen übrigen Effecten meine Tephillin in der Herberge gestohlen worden." Rabbi Löb sah ihn mißtrauisch an, sagte aber Nichts. „Ich habe ein Paar übrig," sagte der Hausherr, „die schenke ich Errch!" „„Ich danke Euch;"" entgegnete Süß, „„habt Ihr auch ein Mischnajoß, so gebt es her; denn man muß doch „lernen" heute Nacht!13)"" „Ein Mischnajoß habe ich nicht, aber ein Tikkon Lel Schwuauß.")" „Auch gut " Der Hausherr holte das Buch herbei unb überreichte es Süß. „Seid mochel") unb lernt laut," bat Rabbi Löb, ,ich höre gern lernen." Süß that so; wiewohl bei den Mischnoth kein Commentar beigedruckl war, so erklärte er doch jede einzelne Mischnah und machte sie seinen Zuhörern verständlich. Süß „lernte" bis Mitternacht. Dann wurde Kaffee und Kuchen gereicht; rvährend inan das verzehrte, erfuhr Süß. daß Rabbi Löb ein reicher Holzhändler aus Mainz sei, der seine Flöße, die er nach Holland den Rhein hinunter bringen ließ, begleitete. Den beiden Fremden wurde ein Zimmer mit zwei Betten in den obern Räunren des Hauses angewiesen. Ein so gutes Lager wre dieses hatte Süß lange nicht gehabt. Erschließ bis ihn am andern Morgen der Hausherr zum Frühgebet weckte. (Fortsetzung folgt.) 4) Roth. 4) Beschnridung. 5) Beschneider. 6) Erstgeborenen. 7) Bund. 8) unserm Vater Abraham. 9) beschneiden. 10) die Nägel an den Daumen, um die „Periah" nehmen zu können. 11) rin Engel vom Himmel. 12) Grbetriemen, Philakterien. 13) Rach altjüd. Sitte wird im Zimmer der Wöchnerin in der Nacht vor dem Tage der Beschneidung Mischnajoth „gelernt". 14) ein Gebetbuch für die Nacht des Wochensestes. 15 )Verzeihet. Hierzu zwei Beilagen. Beranlworttiche Redactton: Dr. Lehmann. — Verlag der Le- Roux'schen Hpfbuchhaudlurrg. I. GottSkeben'S Buchdruckerei in Mainz.