Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1872)
- Date
- 1872-01-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2447551-2447556--10066-2465792- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
57 fl.; derBörsen-Unterftützungsyerein 5000 fl.; derEentral- KrisipensD^Derem 1000.; der Frauen-Erwerbbverein 200ik>fl.;derAfyl-Verein 3000 fl.; derBörs.-Gallopins- Verein 2000 fl. In Summe 220,000 fl. Papier- R^nte. NMtber ist eine/ ansehnliche Anzahl von Privat-Legaten bereits erledigt. Ausständig sind noch, aber endgültig festgesetzt, ein Legat von 50,000 fl, für eine größere öffentliche Stiftung, ferner milde Spenden für Frankfurt a.. M„ die Geburtsstadt des Verstorbenen, für Karlsbad und auswärtige wohl- . thätige Vereine. Prag, 11. Januar Die großen Verluste, die die Judenheit diesen Monat durch das Ableben dreier Coryphäen der jüdischen Wissenschaft erlitt, wird auch hier schmerzlich empfunden. Kaum war die Nachricht vom Hinscheiden des seligen Qberrabbiners Ettlinger bekannt, so traf schon der Bericht ein, daß auch unser engeres Vaterland Böhmen mit dem Ableben eines unserer gelehrtesten und wissenschaftlichsten Talmudiflen Herr Juda Löb Porges in Hermannmiestetz so einen unersetzlichen Verlust zu betrauern hat. Noch war diese trübe Stunde nicht verklungen, als von Preßburg die Nachricht vom Hinscheiden des unvergeßlichen dortigen Oberrabbinen eintraf. Der Eindruck, daß die Gesammtjudenheit in diesen Männern, auf welche dieselbe mit Stolz sah, ein Stück ihres Selbstes einbüßte, ist allgemein. Da sich der selige Ober-Rabbiner Ettlinger jeden ieo.T verbeten, so wurde seiner vom Herrn Rabbinatsverweser' Adler, welcher am 7. d. in der Pinkassynagoge einen hielt, nur flüchtig gedacht, und die Aufmerksamkeit her Hörer mehr auf den hingegangenen Gelehrten I. L. Porges gerichtet, dessen Verdienste in Böhmen genau bekannt sind. Gestern als am rno -n"ip fanden nach altem Gebrauch zwei Dcraschoth bei der Beerdigungs-Bruderschaft statt, die Nachmittagsdraschah im Vereinslokale wurde vom Herrn vr. Tauber abgehalten, die Abenddraschah, war wie gewöhnlich dem Herrn vr. Känrp Vorbehalten und fand in der Klaus-Synagoge statt. Diese räumlich größte Synagoge Prag's, war> vollgedrängt. Das Publikum, welches von Herrn vr. Kämpft einen in wissenschaftlicher. und orato risch er Beziehung i ausgezeichneten Dortrag zu hören gewohnt ist, fand seine kühnsten Erwartungen noch übetroffen. Man wußte nicht, sollte man mchr den reichen Jdeenschmuck oder den blühenden Vortrag, den prachtvollen Redeschmuck oder die tiefe Gelehrsamkeit, die zeitgemäßen geistvollen Ermahnungen, die sichtbaren Eindruck machten, bewundern. Am Schluffe trug Herr Professor vr. Kampf auch eilt kkalocrlia-Dkema vor, welches er scharfsinnig erklärte. Ter großen Tobten gedachte auch er in her sinnigsten Weise. Die Bccrdigungsbrüdcrschaft kann sich Glück wünschen einen so ausgezeichneten fern, gefunden zu haben, welcher unstreitig zur Popularisirung derselben viel beitragt. D o n a u f ii tjtentb ü m e r. Rumänien. Oesterrcichijche Blätter melden aus Botlnschan: „Unsere rumänischen Strahenpalrwtyn sind null gar zu lange ruhig gesessen, gar zu lange hat Europa nichts von ihnen gehört, das geht den guten Leuten sehr zu Herzen, und 'wenn nicht alle Zeichen trügen und die Regierung keine Kenntniß von den neueren Umtrieben unserer Demagogen hat, so stehen wir am Vorabende eines neuen großen Judenkrawalles. Die armen Inden haben auch seine Vorboten seit einigen Tagen zu fühlen begonnen. Die Ordnungsliebe unserer gegenwärtigen Regicruug, ihr energisches Einschreiten gegen die Nichtswürdigkeit und Frechheit der rumänischen Presse, ihr neues Preßgefetz zur Vereitlung der abscheulichen Beschlüsse des Journalistentages hat die unruhigen Köpfe wieder in Bewegung gebracht. In der vorigen Woche war ein Matador der Demagogen hier, wobei nicht zu vergessen ist, daß die abscheulichen Judenexccsfe von Anno 1669 ebenfalls unmittelbar nach seiner Abreise von hier in Scene gesetzt wurden. Es ist also nichts evidenter, »rls daß auch diesmal dje erhabene Mission, Judenhetzen in Scene zu setzen, der. Zweck seiner Rundreise ist. Unsere Studenten, wie man die hies. Primarschüler zu nennen pflegt, ziehen bereits in Banden durch die Straßen, und das Schesbenemschlagen, ist an der Tagesordnu ng. Diesem Hann losen Bergungen gibt sich die hoffnungslose studirende Ju^nd seit einigen Tagen hin, und die löbliche Polizei sieht darin nichss weniger als einen Grund, ihnen nach den Schulfhuchen diese Erholung zu mißgönnen. Gestern wurde von den vielversprechenden Söhnen Romania s ein 70jähriger jüdischer Greis im Angesichte der Polizei Präsectnr arg zugerichtet, so daß derselbe an: Kopfe schwer verletzt darniederliegt. Dies unter der Aegide der ueuernannten Profefforen. Wenn also die Regierung nicht die strengsten Maßregeln ergreifen und. die Behörden für die kleinsten Unruhen verantwortlich machen wird, so ist nichts gewisser, als daß sich progrannnäßig an den kommenden Feiertagen die blutigen Gräuel von 1869 wiederholen werden, die damals die ganze gesittete Welt mit edler Entrüstung erfüllten." Rußland. Petersburg, 7. Januar. Die Commission für die Milttär-Reorganisation hat sich in ihren letzten