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Der Israelit · 1872-01-24 · Heft 4 (24.1.1872) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 4 (24.1.1872)
Date
1872-01-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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55 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 23. Januar. Wir schätzen uns glücklich, unsern geehrten Lesern mitthcilen zu können, daß wir heute wiederum dreihundert Pfund Sterling (3600 fl.) an den Board of Deputies zu London (Präsident Sir Moses Montesiore) zum Besten unserer vom Hungertode bedrohten Glaubensgenossen in Persien absenden werden. Tie Summe der von uns zu diesem Zwecke in einem Zeiträume von kaum drei Wochen gesammelten und übermittelten Gelder beträgt nunmehr 70O L. St. oder circa 8400 fl. Es ist wahrhast herzersreuend, zu sehen, wie groß die Mildthätigkeit unserer edlen Glaubensbrüder in Deutschland ist, wie Alles sich beeilt, den von einem schrecklichen Geschicke bedrohten Brüdern in weiter Ferne zu Hilfe zu kommen. Wir geben zn der heutigen Nummer eine Spenoenliste im Umfange von einem ganzen Bogen, bemerken jedoch, daß dieselbe noch nicht die Hälfte der eingegangenen Spenden umfaßt und bitten daher die edlen Spender, deren Gaben noch nicht veröffentlicht werden konnten, sich gütigst zu gedulden. Die neuesten Nachrichten, die Sir Moses empfangen, lauten wiederum sehr traurig; möge daher die Wohlthätigkeit nicht ermüden. So groß die gesammelten Summen auch sind, klein sind sie in dem Verhältnisse zu dem zu lindernden Elende. Möge der allgütige Gott rv a sich der Leidenden und Darbenden annehmen! Stuttgart, den IO. Januar. Die jüngste Nummer des „Correspondenzblattes für Gelehrten- und Realschulwesen in Württemberg" bringt offiziellen Aufschluß über den gegenwärtigen Stand des württ. Realschulwcsens. Hienach ist die Gesammtzahl der Realschüler 5723; nach Confessionen vertheilt sich die Ziffer folgendermaßen: Protestanten 4598, Katholiken 890, Israeliten 218, eigener (?) Eonfession 17. Bringt mau diese Zahlen in Vergleich mit der Gesammtzahl der Bevölkerung und der Zahl der einzelnen Religionsgenossen, so ergibt sich folgender Prozentsatz: V3 % der Gesammtbevölkerung besucht Realschulen : von Protestanten 2/5 %> von Katholiken i/6 %; von Israeliten nahezu 2 %. Unter den 84 Realschulen des Landes sind 23 von Israeliten besucht, am stärksten Stuttgart (65), Heilbronn (42), Ulm (18), Buchau, Horb, Mergentheim, Bopfingen, Göppingen, Eßlingen. Registriren wir mit Befriedigung diese statistische Notiz! Stuttgart. Vermöge höchster Entschließung vom 16. Januar haben Se. Kgl. Maj. dem Regierungsrath, Rechtsanwalt Jordan, Assessor bei der israel. Oberkirchenbehörde bic: nachgesuchte Enthebung von diesem Amte gnädigst bewilligt und zugleich demselben, in Anerkennung der bei der genannten Behörde geleisteten Dienste, den Titel und Rang eines „Regierungsraths" in Gnaden Vorbehalten. Dieser Rücktritt ist zunächst die Folge davon, daß dieser Jurist als Justitiar in die Direc!ion der württ. Notenbank berufen worden ist, was ihm mehr einträgt und seine Zeit ohnehin in Anspruch nimmt. Es ist interessant und prinzipiell wichtig, zu erfahren, welcher Advokat sein Nachfolger werden, oder ob man nicht bis zur baldigen Auslösung dieses oberbehördlichen Instituts die Stelle provisorisch bejorgen lassen wird. Heilbronn, 47. Januar. In dieser Woche waren zwei Architekten, von Carlsruhe Prof. Durm und von Baden Techniker Lang, hier, um als Preisrichter über drei einverlangte Pläne zum Bau einer neuen Synagoge ihr Uriheil abzugeben, welche von den Professoren Grauth und Wolter in Sttrttgart und Baurath Wolf in Nürnberg abverlangt worden waren. Die Entwürfe, von denen der Wolter'sche bevorzugt wnrde, sind ausgezeichnet, deren strikte Ausführung wurde aber die ausgesetzte Bausumme weit übersteigen und sich auf je 100,000 fl. belaufen. Es sollen deßhalb bedeutende Reductionen vorgenommen werden, um die Ausgaben zu vermindern. Straßburg. In dem Schluffe des Artikes im „Courrier du bas“ über die Reorganisation der isr. Angelegenheiten in Elsaß und Lothringen schlägt der Autor vor, den Gemeinden zwar eine größere Autonomie als bisher einzuräumen, aber immerhin die bestehenden Consistorien aufrecht zu erhalten, nur mit dem Unterschiede, daß jedes selbstständig sei (also kein Centralconfistorium mehr). Dem tritt in derselben Zeitung ein Correspondent mit aller Entschiedenheit entgegen. Er sagt — und wir find derselben Meinung — man schaffe die Consistorien ganz und gar ab und gebe den Gemeinden eine vollständige Autonomie. X Berlin. Vor einiger Zeit machte die Nachricht durch die Zeitungen die Runde, Herr Oberrabbiner Löw aus Szegedin im Ungerlande, solle zum Director der seit einigen Jahren ihrer Entstehung harrenden jüdisch-theologischen Facultät ernannt werden. In letzter Zeit hat die geschwätzige Fama hierüber nichts zu

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