Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1872-01-24 · Heft 4 (24.1.1872) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 4 (24.1.1872)
Date
1872-01-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2447551-2447556--10063-2465789
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

54 ren für das jüdische Volk seine drei Ahnväter, waren Moscheh, Pinchas, Elijahu, Esra, waren in nachexilischcr Zeit noch Rabbi Jehuda Hanasi und viele Andere. Sie alle streut der große Säenlann gerade da in den dunklen Schoß der Zeit, wenn sic ihrer Auflösung so nahe war, daß sie nach menschlicher Berechnung dem Untergänge nnrettbar geweiht schien. Wo Aberglaube, Willkür, Lasterhaftigkeit und Unwissenheit, gepaart mit socialem Unglück ihren Höhepunkt erreicht hatten, da trieben diese unscheinbaren Körnlein ihren ersten Keim und sicherten so die Zukunft der ganzen Menschheit. Und diese Zukunft selber, an deren Realisirung all ihres Berufs bewußten Geister sehnsüchtig arbeiteten und arbeiten, dieses Ideal der jüdischen Zukunft w ros nennt das Prophetenwort?) eine Pflanze. Eine Pflanze, die, nachdem sie mit nimmer rastender Triebkraft die Strenge des Winters überdauert, die auf ihr lastende Scholle durchdringt und sich, trotz der feindlich anstürmenden Zeit, zürn Lichte emporgearbeitet, dort sich entfaltet und so Gemeingut der ganzen Menschheit wird, — das ist der messianischen Zukunft schönstes Bild. Sie wird gedeihen — diese Pflanze, sie wird die Ungunst der Zeiten überdauern, ja sie wird gekrästigt aus derselben hervorgeheu Fürchten wir den Umstand nicht daß pnao nsipn an daß die größte Gefahr diesem Sprößling rroch bevorsteht. ros» l’nnnoi iDtp ros, einer Pflanze gleicht die jüdische Zukunft, welche die Garantie ihrer glücklichen Entwickelung in sich selber trägt. Wenn Tausende, wenn Hunderllausende sich von ihr lossagten, sie wird hierdurch nicht nur nicht erschüttert, sie wird vielmehr durch solchen Abfall um so reiner und stärker ihrer Entfaltung entgegensehen. Einen Sohn des Abfalls »Pbj -q nennt ein Wort unserer Weisen denjenigen, an welchen sich diese Zukunft knüpft, vw row id jt'W 'v ,pns» '-6 pru rox *ia rp»3 ,rvffD rox na wo rpp aiax aa naiD rm D»px xinn dio a>naa px rpp ar:x.-.H nnp ^bj nn per -in urm »aa aox »an aox nbsun "in nnjxi )u»a mPa cnu’y axtpm O'vpvno n"n ia so mips ruw xanr» mannro mt?p nn*m maa nnsi .xav mnco rrus' Es sprach Rabbi Nachman zu Rabbi Iizchak: „Hast Du je gehört, wann der „Sohn des Abfalls" kommt? Er erwiederte: Wer ist der Sohn des Abfalls? Jener: der Messias. Den Messias nennst Du den Sohn des Abfalls? fragte Jener. Gewiß, denn es heißt, an jenem Tage werde ich die verfallene Davidshütte wieder errichten. So sagte nämlich Rabbi Jochanan: in der Zeit, in der der Davidssproß exscheineu wird, werden spärlich werden die Weisen und der Blick der übrigen Leute wird durch Kummer und Gram getrübt sein, viele Leiden und schwere Verhängnisse rc. 3) Dem Phönix gleich, der sich nur aus seiner eigenen Asche zu verjüngen vermag, wird aus den eigenen Ruinen die jüdische Zukunft erblühen und wie durch die ganze Geschichte, so wird auch einst ein winziger Kern werden, die O'vpBNv n"n berufen sein, die Sache Gottes zu retten. Denn es ist ja wieder ein Baum, der seine Aeste schützend über seine Treugebliebenen ausbreitet uud sie ungefährdet die verfallene Davidshütte überdauern läßt na cvp'miap ton D”n yy, sie ist ja ein Baum des Lebens, welch herrliches Bild! Fallt ihn, zerstückt ihn, verbrennt ihn, ihr habt ihm seine Lebenskraft nicht geraubt. Ein Samenstäubchen, das ein zufälliger Luftzug auf jüdischen Boden weht, schlägt Wurjel, treibt Aeste, Blatter, Blüthcn und Früchte schöirer als zuvor. Das ist die unverwüstliche Lebenskraft unserer Thora, auf welche unsere Zukunft gegründet ist. So wird uns der 15. Schebat nicht nur der Regenerationstag der Bäume in der Natur, sondern auch zum Verjüngungsfeste all der Hoffnungen und Wünsche, die sich an unsere Zukunft knüpfen. — Es gehört kein kleiner Muth, kein nur gewöhnliches Gottvertraren dazu, um. in allen, auch den traurigsten Erscheinungen den gött- V licheu Finger zu erblicken, wie er alle Ausgeburten einer leichtlebigen Zeitrichtung für seine hohen Zwecke verwerthet. Gottsagt der Weiseste der Weisen, ist ein Meister, der Alles zum Kreisen bringt; er hat Narren und Verbrecher in seinem Dienste, PPiro aa onaiy -outn v'P'va aautn Pa. Der im starren Frost neubelebte Lebenssaft des Baumes mußte ein Opfer der ungünstigen Jahreszeit werden, wenn der nicht wäre, '21 acsa ibv pur» der den kalten Schnee warm wie Wolle, den rauhen Reff wie wärmende Asche wirken lassen kann. Wenn Gott zur Erhaltung einer leblosen Pflanze solche wunderbare Veranstaltu..g^n trifft, so sollte das Volk nie muthlos verzweifeln, welches doch der Allvater seine „Liebliugspflauzc" asj nennt. Rauhe Winter muthig zu überdauern, mit dem erhebenden Bewußtsein zu durchdauern, daß doch ein Frühling folgen müsse, das sollten wir am 15. Schebat von der willenlosen Pflanze lernen, wenn wir das Höchste und Größte, wenn wir unsere jüdischen Zukunftsideale erstreben. „Suchst Du das Höchste, das Größte, die Pflanze kann es Dich lehren. Was sie willenlos ist, sei Du es wolleud, — das ist's!" 3) Synhedrin 96 b. 2) Secharjah VI. 12.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.