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Der Israelit · 1872-01-17 · Heft 3 (17.1.1872) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 3 (17.1.1872)
Date
1872-01-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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46 Räume, leuchtete freundlich der Mond mit dem zahllosen Heer der Sterne. Und aufjubelte des jungen Abraham Herz. Das mußte er sein; das ist der König der Schöpfung, der hoch oben so schön leuchtet, der unter den Tausenden so groß ist. Aber die Nacht wich allmählich dem Tage; Mond und Sterne waren verschwunden. Die Freude Abrahams wich der ängstlichen Ungewißheit, den bangen Zweifeln, die in seiner Brust aufstiegen. Doch lichter und heller wurde es am Rande des Horizontes, und im Strahlenglanze stieg majestätisch die Beherrscherin des Tages herauf, Licht und Wärme und Leben überall verbreitend, erweckend, und Licht und Wonne und Leben kehrte auch in die Brust Abrahams zurück; anbetend fiel er nieder zur Erde, bewältigt von dem entzückend schönen, erhabenen Anblick. Ja, Du bist es, rief er aus, Du allein bist König des Weltalls! Du glänzest, daß der Sterbliche nicht Deinen Anblick zu ertragen vermag! Du, mit Deiner gewaltigen Macht, bringst Leben in die ganze Schöpfung! Du bist Schöpfer, und Dir allein gebührt göttliche Verehrung! Aber auch das Licht der Sonne erblaßte, wieder wurde es Nacht und der Mond kehrte zurück, verdrängte die Sonne. Abrahams Entzücken schwand, er wurde nüchtern und dachte, das sind doch wohl nur bloße Naturerscheinungen, das find nur Geschöpfe, wo mag nun der Schöpfer fcinV Er verfiel in tiefes Sinnen, sah nicht mehr nach dein Monde, nicht mehr nach der Sonne, sondern schaute hinein in sich selbst und sann und dachte und forschte mit aller Kraft seines Geistes und — es wurde hell in ihm, Licht umfloß das bisherige Dunkel. Ein Wesen, das erhaben über alles Geschaffene hoch thront überm Himmelszelt, das sich so unendlich ausspannt; ein Wesen, dem Sonne, Mond und Sterne unterthänig sind; ein Wesen, das überall sein muß, da es überall geschaffen hat, das der Ort (oipv) der von ihm erschaffenen Welt ist; ein solches Wesen muß existiren, das allein kann Gott sein. , Und so dachte er sich Gott als einen unsichtbaren, unkörperlichen. Jnrmer klarer und Heller wurde es in ihm; das entsprach der reinen Vernunft, damit konnte sich der denkende Geist zufrieden geben. Nachdem Abraham zu dieser Ueberzeugung gelangt, suchte er dieselbe auch seiner Umgebung beizubringen,' doch er wurde nur verlacht; weil er nicht verstanden, nicht begriffen wurde. Unverdrossen jedoch ging Abraham seines Weges fort, suchte durch Werke des Friedens und der Liebe die Menschen an sich zu ziehen, sich durch seine Lebensweise Freunde und Anhänger zu verschaffen. Wohl ward er einer der geachtetstcn und geliebteften Männer des Orients, aber zu seinem Glauben konnte sich Niemand erheben, zur Anerkennung eines unsichtbaren, unbegreiflichen Wesens konnte er Niemanden überreden. Unbeirrt blieb aber Abraham bei der einmal erkannten Wahrheit und hatte das erhabene Glück, den Lobn feiner Standhaftigkeit, daß Gott sich endlich ihm zu erkennen gab, mit ihm gleich einem Menschen verkehrte. Umsomehr war sein ganzes Bestreben nur darauf gerichtet, nach dem Willen Gottes zu leben, und zu wirken. Gott gab ihm endlich das Gebot der Beschneidung als Bundeszeichen für ihn und seine Nachkommen für ewige Zeilen. Abrahams Glaube an Gott war nun unerschütterlich und wankte keinen Augenblick, selbst als Gott ihm die schwerste Aufgabe, die es für das Vaterherz, für den Menschen gibt, auferlegte. Er betrachtete sich im wahrsten Sinne des Wortes als Diener Gottes, der jeden Befehl ohne zu fragen, ohne darüber nachzudenken, vollzog. Dieser blinde Glaube, wie man in unserer Zeit es zu benennen beliebt, ist bei Abraham sehr natürlich, da er durch die Kraft feines Geistes seinen Gott erkannt — sicherlich war das kein blinder Glaube — daher die Gewißheit, daß der Schöpfer des Himmels und der Erde, daß der große, gütige Gott nichts verlangt, was nicht billig wäre, bei Abraham felsenfest war. Das ist Glaube, das ist Vernunftglaube in des Wortes höchster und wahrhafter Bedeutung. Dieser Glaube wurde nun fortgepflanzt von Vater auf Sohn und begleitete die Familie Jacobs nach Mizrajim, wo er ihr unter dem Drucke und der Last des Sclavenjoches fast ganz verloren ging. Doch der Allgütige ließ seine einzigen wirklichen Anhänger nicht wieder zurücksinken in den finstern Götzendienst und befreite sie aus ihren Ketten. Die zu einem zahlreichen Volke herangewachsenen Nachkommen Abrahams besaßen aber nicht mehr die Eigenschaften desselben; ein ganzes Volk konnte sich nicht im Ganzen und Großen zu der Stufe des Glaubens Hinaufschwingen, wie es Abraham gethan; ein ganzes Volk zu demselben Glauben zu erziehen und es darin zu erhalten, dazu bedurfte es der Vorschriften, nach denen es sich zu richten hatte. Abraham hatte seine Aufgabe erfaßt und erfüllt; seine Nachkommen sollten an der Hand der Gotteslehre und ihren Vorschriften ihre Aufgabe erfassen, sich heranbilden zu einem Volke Gottes, das nur Seinem Dienste sich weihte und so ein vnp »ui D’jnD werden. Das ist der Zweck der heiligen Lehre; dazu hat Israel sich verpflichtet durch die Uebernahme der Gotteslehre; und seit dem Augenblicke, wo es am Choreb das yotwi n^i/J aussprach für sich und feine Nachkommen, mußte uiib muß dieselbe für uns und unsere Nachkommen Richtschnur sein und bleiben. Wir dürfen uns nicht lossagen, dürfen das Bündniß nicht lösen, weil wir wissen, daß der Ewige, der von unsermStammvater Abraham als das höchste Wesen, als Gott erkannt wurde und der sich ihm als Gott zu erkennen gab, mit uns dieses Bündniß geschlossen. Von Abraham sprach Gott: ros* -wk iviyT üdb'di np-is mtyb *m noun innx im nxi rjd nx. Ich kenne ihn und weiß, daß er befehlen wird seinen Kindern und seinem Hause bis in späte Zeiten, daß sie

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