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Der Israelit · 1872-01-17 · Heft 3 (17.1.1872) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 3 (17.1.1872)
Date
1872-01-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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erlräglichkeit wird ihre Last gesteigert, Unmögliches wird verlangt, so daß jeder andere Sclave sich in wilder Verzweiflung aufgelehnt und um jeden Preis, selbst mit dem Tode, sich die Freiheit verschafft hätte. Es waren sechsmalhnnderttausend Männer. Was wäre natürlicher gewesen als eine Empörung, wie wir ja m der Geschichte öfters ähnliche Beispiele finden! Aber was wäre die Folge gewesen? Israel wäre entweder im verzweifelten, schrecklichen Kampfe der Uebermacht erlegen, oder wäre im anderen Falle den wildesten, schrecklichsten Leidenschaften anheimgefallen, hätte furchtbare Rache genommen an seinen Unterdrückern, hätte das tausendfach erlittene Unrecht mit der Vernichtung der Egypter bestraft, hätte sich berauscht im Blute, im Morde , und hätte vielleicht zuletzt gegen sich selbst gewüthet, sich selbst vernichtet. Aber nicht das Schwert zu führen war Israels Mission, nicht sollte es Rache üben, nicht Sclave seiner Leidenschaften werden, nicht auf die eigene Kraft vertrauen, es sollte seinen Eintritt in den Bund der Völker durch keinen Gewalt- und Racheakt bezeichnen; der Auszug aus Egypten sollte durch keine Gewaltthat getrübt, die Erinnerung daran für alle Zeiten eine frohe, erhebende sein Dnyo pxo in ns dv n« noin jyb1? 'v' bo. Wie war es möglich, all die erregten, empörten Leidenschaften, die noch besonders in den letzten Tagen so sehr gesteigert wurden, ,yi unterdrücken? Wie war es möglich, daß am Tage der Befreiung selbst kein Gedanke an Rache aufkam? Dadurch, daß Gott sie zu befreien versprach, ihnen Vorschriften gab, womit sie in den letzten Tagen derart beschäftigt, daß ihre Gedanken nur darauf gerichtet waren, der Groll und der Haß aber zurückgedrängt wurden. Die Egypter selbst stimmte Er günstig, so daß sie den Israeliten gaben, was sie zur Reise bedurften. Und als nun Gott das Richteramt übernahm, die Widersetzung gegen seinen Willen strafte, da mußten die Egypter selbst, ihrer Selbsterhaltung wegen, die Israeliten antreiben, sich zu befreien. Wahrlich, dieser Umschwung der Gesinnung in einem Augenblicke, diese sonderbare, merkwürdige Erscheinung mußte den Israeliten, wenn auch begreiflich, doch so überraschend Vorkommen, daß unmöglich mehr auch nur der leiseste Gedanke an Rache aufkommen konnte. So trat Israel unter Gottes Schutz, als Gottes Volk unter die Nationen, und so sollte cs fortschreiten Jahrtausende hindurch, sollte durch Erfüllung der göttl. Gebote abgehalten werden, ein Sclave seiner Leidenschaft zu werden. Das ist der Zweck der min, und das hat sie auch bezweckt bis auf unsere Zeit. Die Gesammtheit Israels folgt noch immer ihrer Leitung und wird auch nicht so thöricht sein, gegen sich selbst zu wüthen, sich selbst befreien zu wollen, wo die Freiheit so zweifelhaft ist, wo die Freiheit niemals eine wahre sein kann. onx nty an any mi. Auch damals zog ein Troß von allerhand Leuten mit hinauf, die überall Unruhe und Verwirrung anzustiften suchten, die immer das Volk aufteizen wollten, welche die Leidenschaften der Menge mißbrauchten; doch, rauben konnten sie ihm seine Freiheit nicht mehr, obgleich sie Unheil genug anstifteten. Und auch heute speculirt man auf die Leidenschaften der Menge und will ihr ihr Schönstes und Heiligstes rauben, ihre Freiheit, indem man ihr eine andere Freiheit gegenüberstellt und diese für die wahre, des Menschen allein würdige erklärt; allein, zur ewigen Erinnerung hat Gott den Auszug aus Mizrajim eingesetzt, alle Gebote daran geknüpft, und alle Gebote werden jene doch wahrlich nicht aufheben wollen und können? Die Erinnerung an den Auszug aus Egypten werden sie doch wahrlich nicht vertilgen können? Jahrtausende ist die Erinnerung uns frisch und lebendig geblieben und so wird sie uns auch ferner bleiben. n"'v! Die KungersnotH in Kerfiev. iv. Sir Moses Montefiore hat an den Herausgeber dieser Blätter das nachstehende Schreiben in englischer Sprache gerichtet, das wir hier in deutscher Uebertragung initthcitcu: nEast Cliff Lodge. Ramsgate, 7. Januar 1872. „Mein werther Herr! „Es macht mir Freude, Ihnen den Empfang Ihres Briefes vom 4. d. M. nebst den einliegenden 100 Pfund Sterling auzuzeigen. Es ist dieses Ergebniß in so kurzer Zeit nach Erscheinen unseres Aufrufes im „Israelit" ein sehr erfreuliches, und theile ich mit Ihnen die Hoffnung, daß die Spenden zur Linderung des entsetzlichen Elends unserer unglücklichen Brüder in Persien noch reichlich fließen werden. Empfangen Sie meinen herzlichsten Dank uud haben Sie die Gewogenheit, denselben in meinem Namen den edlen Spendern anszusprechen. „Zugleich erlaube ich mir, Ihnen meine aufrichtige Anerkennung für Ihre mir so schmeichelhafte, in Ihrem rot ich Schreiben ausgesprochene Gesinnung darzulegen und für Ihre Wünsche für mein Wohlergehen, die ich Ihnen mit ganzem Herzen erwiedere. „Das Geld werde ich Herrn Lewis E m a n u e l, dem solioitor und Secretär des »Board-, überge-

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