Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1872)
- Date
- 1872-01-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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- Colmar 1× ep/1047872
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30 derben und -eisten bvsön EÄlfluß auf die Sittenreinheit ausü6en. Rühmet 'euch nicht eurer guten Handlungen, ihr thut bloß eure Pflicht. Gott hat Mitleid mit jedem Geschöpf, seid daher mitleidig mit euren unglücklichen Mitmenschen. Seid nicht stolz, denn der Mensch ist nur ein' Schatten, der anzeigt, daß die Nacht herannaht in dem Maße als er sich verlängert. Der Schatten ist nichts Körperliches; wenn die Sonne untergeht ist der Schatten verschwunden; ebenso ist der Körper ein Nichts, wenn ihm die Seele entschwunden. Je mehr sich der Schatten vergrößert, desto mehr nähert sich die Sonne ihrem Untergänge; ebenso je mehr der Mensch auf seinen Körper achtet, destoweniger achtet er gewöhnlich ans sein Seelenheil. Der Schatten existirt nur, wMr die Sonne leuchtet; ebenso dauert die Existenz des Menschen insolange, als die Seele im Körper ist. Der Schatten ist angenehm und kühlt die Erde ab, wenn die Sonne große Hitze verbreitet; ebenso wenn die Seele groß ist, macht sie das Glück des Menschen aus. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. 9/tT ffltainj, 7. Jan. Wir haben heute zum Besten der Ndthleidenden, Armen, Wittwen, Waisen rc. rc. im heiligen Lande 3087 fl. 57 kr. an das Central-Cömitv in Amsterdam geschickt; die erste Sendung in diesem Jahre. Kylmar. Am 15. Dezember fand die erste Sitzung des neuen Confistoriums statt, in weicher eine Commission gebildet wurde, welche die MelduMN für das Oberrabbinat von Colmar und das Rabbinat Mühlhausen zu prüfen und geeignete Vorschläge zu machen hat. Serbien Belgrad- Das CentralcoMite der „All. Jsr." in Parts hat au den'Fürsten von Sötbien eine Adresse gerichtet, in welcher er um die Emüncipation der Israeliten, welche er bei seiner Abreise von Paris' als' dazu würdig erklärt hat, gebeten wird. (Arch. Jsr.) Frankreich. Paris. Aus der Besprechung des „Un. Jsr." über den vom Consiftorium in Paris veröffentlichten Rechenschaftsberichtes über die Jahre 1866—1871 heben wir folgende Stelle hervor: Der Rechenschaftsbericht spricht über die Organisation des Gottesdienstes bei Jahrzeiten und den Eeremönien bei Gelegenheit der Einsegnung einer Wöchnerin und der Präsentation der Neugebornen in der Synagoge. Die erste dieser Institutionen — wir haben das schon früher bemerkt — ist eine Art Todtenmeffe, die einem fremden Cultus entlehnt ist und welche zur Folge hat, daß in vielen Familien das &np abgeschafft wird. Man spricht in dem Berichte ein Langes und ein Breites über die Erfüllung religiöser Pflichten, aber im Grunde genommen bezwecken diese beredten Empfehlungen weiter nichts als die Erledigung einer Geldfrage. Warum aber vertheilt man die jährlichen Ausgaben nicht, wenn man dazu gezwungen ist, sich anderwettige Hilfsquellen zu verschaffen, um die zahlreichen Bedürfnissen des Cultus zu beftrcitenl, unter alle Mitglieder der Gemeinde d. h. unter alle diejenigen, welche während ihres Lebens und bei ihrem Tode nicht von der Gemeinde ausgeschlossen sein wollen, wie das von jeher in Israel Gebrauch gewesen und noch jetzt in allen Gemeinden der Welt der Fall ist? Dann wäre die Synagogenverwaltung nicht mehr auf die traurige Nothwettdigkeit hingewiesen wie ein Bettler auf die Generosität oder auf die Eitelkeit der Reichen zu warten; dann wären die minderbegütetcn Israeliten, welche meistens die Cultussteuern prompt bezahlen, nicht mehr zur Bestreitung dieses großen Luxus von Vocal- und Instrumentalmusik der Decoration und Illumination, welche bei den Heirathen der Millionäre, die nie in das Haus Gottes kommen und nichts für die Erfüllung des religiösen Gesetzes auszeben, verschwendet werden, genöthigt. Wir haben schon früher bemerkt, schreibt der „Un. Jsr." weiter, daß gegenwärtig, am Rabbiner-Seminar fast eben so viele Professoren unterrichten als Schüler vorhanden sind. Könnte man da nicht eine entsprechende Ersparniß machen, indem man nur die nöthigen Professoren für den rein theologischen und israelitischen Unterricht beibehielte und die Zöglinge zur Erwerbung der profanen Wissenschaften ein Lyceum absolviren ließe? Im Kapitel „Gefangene" wird im Bericht eine kleine Vermehrung in der Zahl der Gefangenen cokftar tirt, und auch die von diesen begangenen Vergehungen sind durchschnittlich gravirenöer als früher; doch fand sich keine Israelitin unter den in Saint-Lazare eingesperrten Flauen, welche an der Jnsurrection Theil genommen; was die in Mazas für dieselbe That eingesperrken Männer betrifft, so belief sich deren Zahl nur. auf 13. Es sind dies Individuen, welche bürgerliche