Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1872)
- Date
- 1872-01-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XIV. Jahrgang. Beilage zu Nr. 2 des Israelit. Leitendem Artikel. Religiöse Belehrung im M. Familienkreise. Nach dem Franzos, des B. Kosmann. XVI. p« "}T1 Die Lebenssitte. Frage: Mein Vater! Was verstebt der Israelit unter dem Ausdruck p« yn, d. h. welche Lebenssitten meint er damit? Antwort: Mein Sohn! Um sämmtliche Einzelheiten des Begriffes von diesem Ausdrucke aufzuführen, würde man Bände voll schreiben können. Doch will ich die wichtigsten hier aufzählen. Für die Jugend: Man muß seinen Eltern und Lehrern gehorchen, liebenswürdig gegen Jedermann sein; alles, was man thut, soll einen nützlichen Zweck verfolgen; selbst wenn man sich blos amüsirt, so geschehe es nur in der Absicht, um seine Gesundheit zu kräftigen, und auch nur so lange, als es für diese nothwendig. Man arbeite nur so viel als die körperlichen und geistigen Kräfte erlauben. Es ist erforderlich, sparsam zu sein und die Ausgaben für Vergnügungen möglichst zu beschränken. Man sei niemals erpicht auf die Nahrung weder auf deren Quantität noch deren Qualität. Man lüge nie, die Lüge führt zu allem Bösen, vom Zorne lasse man sich nicht Hinreißen. Machet euch beliebt bei euren Kameraden und stellt den gestörten Frieden bei ihnen wieder her; gebet überhaupt ein gutes Beispiel für Andere ab. Sprechet nie vor größeren Leuten und unterbrechet Niemanden in seiner Rede- Frühes Schlafengehen und frühes Aufstehen ist für Körper und Geist zuträglich, „Morgenstund hat Gold im Mund." Seid zufrieden mit eurem Theile und beneidet Niemanden. Haltet ans Reinlichkeit bei eurem Körper und euren Kleidern. Mangelt es euch an Etwas, so denket, es gibt keine Person, deren Wünsche alle in Erfüllung gehen. Wer zufrieden ist, ist glücklicher mit einem trockenen Stück Brod, als ein Unzufriedener mit den köstlichsten Speisen. Sprechet nicht zu viel; denn bei vielen Worten werden oft auch Beleidigungen ausgesprochen und das führt zur Verläumdung und zu S reit. Stärket jeden Morgen eure Seele durch eine gute That und durch ein andächtiges Gebet. Denket immer an Gott, wenn ihr esset, arbeitet und euch erholet, wenn ihr euch niederlegt und wieder auffteht. Achtet sehr auf eure Gesundheit. Die Jugend ist gleichsam das Vorzimmer zum gereiften Alter, wie das ganze Leben ein Vorzimmer zum künftigen Leben ist. Suchet nur Gesellschaft mit gut erzogenen Personen, damit ihr euch nicht an schlechte Sitten gewöhnt, für die die Jugend besonders empfänglich ist. Sehet ihr eure Kameraden unrecht handeln, so bemüht euch, dieselben auf den rechten Weg zurückzuführen, durch gute Sitten, sanfte Worte und durch euer Beispiel. Die Zurechtweisung eines jungen Mannes macht auf einen Jüngling einen nachhaltigeren Eindruck, als die eines Greises, denn jener könnte diesem antworten: Sie sind über das Alter hinaus, Leidenschaften zu besitzen wie die Jugend. Damit erwerbt ihr euch ein großes Verdienst vor Gott und um die menschliche Gesellschaft. Die Mission eines jeden Menschen ist es ja, zum Wohle der menschlichen Gesellschaft beizutragen, und nur dadurch rann die Welt bestehen. Darum liebte Gott auch den Abraham, rveil dieser dahin strebte, daß die Welt auf der rechten Bahn wandle, itü' nar« rnj/T i’ja ruv, und das rechnete ihm Gott an, als wenn er gleichsam diese Welt geschaffen ibw rsjn nw pna rwy. Wenn ihr auf das Interesse Anderer achtet, so nehmet ihr auch zugleich das eurige wahr. Suchet euch nicht hervor zu thun, um eine Ehrenstellung in der Gesellschaft einzunehmen, denn die Stellung macht nicht das Individuum, sondern das Individuum erhebt die Stellung. Sprechet nie zuerst, das ist Stolz, und äußeren könnet ihr etwas lernen, wenn ein Anderer spricht. Sprechet nie übel von den Leuten und nehmet keinerlei Verläumdung an, freuet euch nicht, wenn eure Kameraden eine Schwäche oder eine Unfähigkeit gezeigt haben, rühmet euch nicht eurer Talente und eures guten Betragens, ihr thuet ja nur eure Pflicht für euer eigenes Interesse. Bemüht euch, einen euch einmal vorgehaltenen Fehler niemals wieder zu begehen. Leset nie schlechte Bücher, sie führen die Jugend zur Leidenschaft. Sprechet nie von einer unsittlichen Sache, dies würde eure Seele und die eurer Zuhörer ver-