Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1872)
- Date
- 1872-01-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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31 Funktionen oder Aemter, während der Jnsurrctron angenommen hatten. Die Durchschnittszahl der in den Hauptgefängnissen von Paris sitzenden Israeliten ist 193 jährlich. Paris- Bezugnehmend aus den Passus des Leitartikels im „Israelit" über die in der Synagoge zu München eingesührten Reformen, wonach nur 3 o.’Jru den Segensspruch der Priester aussprechen dürfen, bemerkt der „Un. Jsr.", daß in einer Synagoge in Paris cnrD ro-i2 ganz und gar unterdrückt ist und die Orgel, ein katholisches Instrument, daselbst die Stimme der Söhne Aaron's ersetzt. Paris- In Bezug auf die in Berlin stattgehabten Verhandlungen über das Pxrhältniß der Deutschen zur All. Jsr. Un.,gneint „Rev. Jsr.", daß solche Verhandlungen nicht gut schriftlich abgemacht werden könnten, und schlägt daher vor, daß die All. Jsr. Un. bei Gelegenheit der allgemeinen Weltausftellung in Wien, wo fast mit Gewißheit darauf zu rechnen ist, daß Israeliten aus aller Herren Länder Zusammenkommen werden, eine Versammlung des Centralcomites im Vereine mit den Repräsentanten der Localcomites dahin einberufe, um über die weitere Organisation zu berathen. Paris. Wir vernehmen, daß in Folge einer Modifikation der den isr Metzgern anferlegten consistoriellen Taxe diese ihre an sich theueren Waaren bedeutend erhöht haben, so daß dadurch, wie man uns versichert, viele Glaubensgenossen versucht sind, kein->02 Fleisch mehr zu kaufen. Es wäre daher Pflicht der religiösen und consistoriellen Autoritäten denjenigen Metzgern, die unter dem Vorwand einer erhöhten Taxe, dem isr. Publikum unverhältnißmäßige Opfer auferlegen, die Licenz sofort zu entziehen. (Un. Jsr.) Italien. Rom, 30. Dec. In den heftigen Reden, welche der Pabft unlängst gegen den deutschen Kaiser, den König von Italien und Andere gehalten, haben auch die Juden ihren und zwar nicht geringen Antheil bekommen; und doch zeigen sowohl die bedeutenderen von Juden redigirten, italienischen Blätter, als auch die im Parlament sitzenden Juden eine sehr gemäßigte Haltung, sowohl was die kirchlich-politischen Fragen im Besondern, als was die Gesammtpolitik im Allgemeinen betrifft. Diejenigen Juden, welche Mitglieder des P.ivatcomits's der Kammer sind, haben nicht bloß für die Beibehaltung der GeneralatshZuser, sondern auch gegen die Vertreibung der Jesuiten, gestimmt. Bekanntlich haben sich auch im deutschen Reichstage diejenigen Abgeordneten, welche Israeliten sind(Bamberger, Lasker, Sonnemann), gegen das die Jesuiten betreffende Gesek ausgesprochen, wiewohl sie alle drei der liberalen Richtung angehören. Der Jude hat von der Intoleranz zu viel zu leiden gehabt, als daß er nicht tolerant gegen Andersgläubige sein sollte. Wenn auch vom unfehlbaren Pabste Toleranz nicht zu erwarten ist, so sollte doch andrerseits die Klugheit der Curie Ausfälle gegen Diejenigen vermeiden, welche ihr nichts zu Leide gechan. Amerika. Sau Franzisco. Der Direktor des hiesigen deutschen Theaters, Fritsch, wurde unlängst von der Polizei mit einer hohen Geldstrafe belegt, weil er am Sonntag hat Theater spielen lassen. Das Gesetz verbietet nämlich, am „Sabbath" Theater spielen zu lassen. Herr Fritsch weigert sich, die Strafe zu bezahlen, weil nicht der Sonntag, sondern der Samstag (Sonnabend) der eigentliche und rechte, in der Bibel vorgeschriebene Sabbath sei. Das Gericht wird demnächst über diese Frage zu entscheiden haben. Afrika. Maroeeo Ein an die „All. Jsr." gerichtetes Schreiben aus Marocco enthält schreckliche Details über eine echt orientalische That, welche ein trauriges Licht auf den moralischen Zustand dieses Reiches werfen. Eine Empörung war gegen die Autorität des Sultan ausgebrochen, was daselbst nichts weniger als selten ist. Nach dem von den Truppen der Regierung nicht weit von Tanger erfochtenen Siege hat man die 40 Haupträdelsführer umgebracht, und der Pascha hat sich eingebildet, diese 40 Köpfe einsalzen lassen zu müssen, um sie dem Kaiser zu schicken. Dieses fürchterliche Geschäft zu vollziehen, hielt er Niemand für geeigneter, als die isr. Metzger; diese weigerten sich es zu thun, mußten aber der Gewalt nachgeben, wenn sie sich nicht der Gefahr aussetzen wollten, selbst getödtet zu werden, und es war an einem Samstag, an welchem sie dieses infame Geschäft vollbringen mußten. Der italienische Consul, sagt man, war es allein, welcher gegen diese hier bezeichnete Thatsache protestirt hat. (Arch. Jsr.)