Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1872)
- Date
- 1872-01-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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24 Mitwirkung des Synagogen-Chors statt. Die Festrede, welche Herr Lehmann hielt, handelte selbstverständlich von der Tendenz unserer man. Anknüpfend an den Vers ,/ui iD'Q' o'n.rn 'a" und die hierauf bezügliche Stelle im „mai n\>o cx Dn"jD paim *p 'ijp noo» roax," Wenn das fromme Verdienst der Väter zum Schutze nicht mehr ausreicht, bestrebe dich Werktätiger Liebe>" beleuchtete er in klarer Weise, daß unsere Väter, den über Alles emporragenden Bergen gleichend, deßhalb unsere Bewunderung und Verehrung erregen, weil sie lehrten und durch die That bewiesen, daß n"i, wahre Menschenliebe, von rnoyi mir*, von wahrer Gotteserkenntniß und wahrhaftem Gottesdienste unzertrennlich seien, und daß der Geist, der u’.mx o»arnpn in Wort und That beseelte, ganz der der Thora sei, n^a rmm aa nx o'a«p°?,n. Ergreifend war darauf die Auslegung der bekannten Stelle, n"a ns-o nmm mim, dem ersten Menschen habe Gott nach dem Sündenfalle, Kleidung, die erste notwendige Hülle des Neugeborenen, un^ dem ersten und größten Propheten n"y irm nara das Grab, diese letzte Hülle des aus dem Leben scheidenden Menschen, bereitet, eine Lehre für uns, daß auch wir des Menschen uns liebevoll annehmen von seiner Wiege an bis zum Grabe, daß wir Jeden, selbst dem durch seine Sünde Gefallenen, unsere Liebe nicht entziehen, daß wir die Lebenden pflegen, die Tobten ehren; — und wenn man auch so gerne an den Grundvesten unserer erhabenen Religion rüttelt und ein Steinchen nach dem andern äblöst, vtr 2' omn o, so wird doch stets aus der bewährten und bekannten Wohlthätigkeit unverkennbar der Geist der Thora und des JÜdenthums sprechen; sie ist der in uns fortglimmende Funke, aus dem die Entflammung und Begeisterung für rmayi mn sich entwickeln tonne; nun aber thue schon deßhalb der Gegenwart noth, damit wir wieder verstehen lernen unsere Gottesdienstlichen Gebete, und gleich den Alten an ihnen uns erbauen lernen; alsdann wird man nicht mehr so wegwerfend über sie urtheilen, wie das über Alles sich erhaben dünkende lebende Geschlecht leider nur zu oft es thut. Nach der Mahnung, in unserem Vereine und in unserer Gemeinde für moy min stets tatkräftig zu wirken, schloß die Rede mit einem Gebete. Hierauf wurde der verstorbenen Stifter und Mitglieder der.man feierlichst durch nom man gedacht, worauf a’n?o n-sn folgte. Eine solenne Tafel vereinte alsdann die .-mm *:a zum fröhlichen Mahle, welches gewürzt durch Musik, sowie durch ernste und muntere Vorträge dieselben bis in die späte Nacht fesselte. Wie bei allen jüdischen Feierlichkeiten wurde auch hierbei der Armen und gemeinnützigen Zwecke nicht vergessen. Noch lange wird diese erhabene Feier jedem Festtheilnehmer in angenehmer Erinnerung bleiben. I.r. Berlin, im December. An Stelle des nach Brandenburg als Rabbiner berufenen Dr. N. Ehrenfeld (Schülerdes Herrn irr. Hildesheimer) ist der Stiftsrabbiner am Bethamidralch, Herr Zomber, zum Vortragenden des Talmudvereins (o"v rmn) ernannt worden. Oe st er r. -Ungar. Monarchie. Wien. Es ist eben das Schicksal der meisten Menschen, verkannt zu werden, und so werden sich wohl auch die jüdischen Aerzte Wiens darüber zu trösten wissen, daß ihnen dieses allgemeine Menschenschicksal bei einem christlich >n Standescollegen passirt ist — bei dem Stadtphysikus Herrn Dr. Nasser nämlich, der durchaus keinen Juden als Armenarzt anstellen lassen will, „weil er — ipsiasima vei ba — bei einem jüdischen Arzte nicht jenes Mitgefühl voraussetze, "das der Armenarzt für die arme, christliche Bevölkerung haben müsse". Gut gebrüllt, Stadtphysikus! der confessionslle Herzensbefund, den der geistvolle, communale Diagnostiker da aufgestellt hat, wird nicht verfehlen, in Fachkreisen Sensation zu machen, man wird zum Mindesten von jetzt an wiffen, was man von jüdischen Doetorherzen zu halten hat. Bei allem Resvect vor der diesbezüglichen Stadtphysikatsentscheidung, durch die der genannte Artikel als entsch eden gesundheitsschädlich bezeichnet wird, glaube ich doch Voraussagen zu dürfen, daß sich über das in Anregung gebrachte Thema manche interessante Controoerse entspinnen wird. Unter Andere t könnte es wohl dem Einen oder dem Andern einfallen , zu behaupten, er setzte bei dem geehrten Stadtphysikus Herrn Dr. Nusser nicht jene psychologischen Fähigkeiten voraus, die ein Mensch haben muß, um die Bevölkerung verschiedener Confessionen von der Richtigkeit seiner judenfeindlichen Behauptungen zu überzeugen. Wien. Simon Weinfeld, bekannter unter dem Namen „Reb Schie", war im Jahre >859 hier aufgetauckt und hatte sich auf dem jüdischen Friedhofe in Währing installirt Da war er Tag um Tag, ob nun die Sonne glühend niederbrannte oder ein eisiger Wind über die Gräber pfiff.. Er war hier zu Hause und kannte jedes Grab. jeden Todten, ha te er für Alle doch schon Gebete gesprochen, und wer die Stätte nicht kannte, wo seine Lieben ruhten, der fragte Reb Schie, das lebendige