Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1872)
- Date
- 1872-01-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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22 die Mischnah auf, die uns am ros verboten sind. Sie werden sämmlich aus den bei dem Bau der Sti tshütte nothwendig gewesenen Arb iten gefolert. Schon dieser eine Umstand wirft ein Helles icht auf die Bedeutung und Wichtigkeit des ros. Das höchste nationale Anliegen, der Bau eines die mm in sich einschließenden Heiligthums, muß dem ros gegenüber zeitweilig suspendrrt werden Israel soll Gott ein Heiligthum weihen, dieses Heiligthum soll von den Wogen nationaler Begeisterung (rou) getragen werden, und trotzdem, wenn der ros kommt, soll das Geräusch der Werkthätigkeit schweigen, soll der Zimmermann seine Säge, der Schlosser seinen Hammer, der Weber sein Webeschiffchen, der Ackersm nn seinen Pflug, der Jäger seinen Bogen ruhen lassen, und damit bekunden, daß der Saßbatgedanke der allein siegreiche ist und sein soll. ÄZelches ist nun der Inhalt dieses Saboatgedanken? Indem wir am ras sede Werkthätigkeit einstellen, also unsere Herrschaft über die Dinge, die wir mit seder üben, zeitweilig niederlegen , sprechen wir damit aus, daß wir nicht die eigentlichen Herren der Natur, sondern nur Vasallen eines Lehensherrn sind, der uns mit dieser Herrschaft belehnt und wir bringen ihm von Zeit zu Zeit unsere Huldigung dar, um uns stets diese Thatsache zu vergegenwärtigen und um nicht in den verderblichen Wahn zu verfallen, daß wir souverain und von keinem Höheren abhängen. Wer daher am ras eine nr«-o verrichtet, der leugnet damit den Gottesgedanken, der spricht aus, daß die Herrschaft, die er über die Dinge übt, indem er sie zu seinen „Boten" macht ooti .-ox-a), nickt eine von Gott den Menschen verliehene, sondern eine aus der eigenen Machtvollkommenheit fließende ist, der leugnet damit Gott als Herrn und somit auch als Schöpfer der Dinge: er huldigt dem Materialismus. Wir begreifen deßhalb die Strenge, mit welcher das göttliche Gesetz gegen jedeUeberschreitung der Sabbatgesetze einschreitet (r,rrc), wir begreifen daher auch den Satz unserer Welsen: Wer den ros öffentlich entweiht, ist dem Götzendiener gleich zu achten. nam-a ras ^ncn -2 {*"y my; O’to. Es ist die unerbittliche logische Consequenz, die zu solchen Behauptungen führt, die wohl Manchem fanatisch, wenn nicht gar lächerlich erscheinen mögen. Nur dem Denkenden ist es klar, daß in solchen Fällen die That-als Ausdruck des Gedankens, den sie involvirt, verpönt wird, und daß deßhalb derjenige, der etwas für erlaubt bält, weil ihm dasselbe als nicht strafwürdig erscheint, straflos ist ■'dd ') Der Sabbatgedanke hat aber, wie schon erwähnt, noch eine zweite Seite. Während die erste allgemeineren Ursprungs ist und als solche für alle Menschen Bedeutung hat, ist die zweite Seite ausschließlich national und bekommt erst durch Uebertragung oder besser gesagt, als Prototyp allgemeinen Werth. In den 39 noxps wird diese Seite nur durch eine einzige Thätigkeit vertreten, durch n«sm ist das Tragen eines Gegenstandes von einem r-w-) in den andern. Es ist verboten, eine Sache am tos von dem Gebiet des Einzelnen (ivr.-, nien) in ein gemeinsames Gebiet (oa-m tr^) zu tragen, und umgekehrt, das heißt, wir sollen am ros die Gebietsherrlichkeit, die politische Herrschaft Gott zu Füßen legen und damit aussprechen, daß Er es ist, der über Staaten und Völker waltet, der ihre Geschichte und Geschicke lenkt, daß Er es ist, der sich in den Zeitereignissen manifestirt, der sowie er ch uns in Egypten als gewaltig in das Rad der Zeiten eingreifend offenbarte, so auch zu allen Zeiten ihren Gang vorschreibt und — das ist gerade das Prototypische dieser Seite — wie im Großen, so auch im Kleinen uns führt, unsere Bedürfnisse kennt und für sie sorgt. Das ist auch der Sinn des onso rw&b ist, das wir imsvp an die Seite des n-sx-o nsyop;vo? stellen: — die beiden Grundgedanken, die uns der ros stets vergegenwärtigen will. So ergibt sich denn als unmittelbare Folge der am Sabbat * > botenen Werkthätigkeit das Gottvertrauen. Da Gott der Schöpfe.r.und ErhaUer des Alls ist, sowird er auch für uns sorgen, und uns erhalten. Schließen wir deßhalb Mit ros unser Geschäft, stellen wir unsere Werkthätigkeit ein, wir werden dabei nicht verloren gehen, im Gegentheil wird dann erst Sein Segen auf dem inerlaubter Weise Erworbenem ruhen, die Mannaspeise, die am ros a»sfällt, wird Er am Freitage doppelt spenden. Von diesem Geiste waren denn auch unsere Altvordern, die Ghettibewohner, durchweht; wenn der ras kam, warfen sie den Hausirersack und mit ihm alle werktägigen Sorgen von sich, kleideten sich in ihre „Schabboßkleider" und gingen zur „Schul", und wenn sie nach Hause kamen und die freudeglänzenden Gesichter der ihrigen sahen, und die enge Stube im Lampenschein erglänzte, da mochte es sie wohl so recht sabbatlich anheimeln, da fühlten sie wohl die Nähe der himmlischen Gestalten nnd sie riefen: „Tretet ein zum Frieden, ihr Boten des Friedens,»ihr Boten des Höchsten, des Königs aller Könige, des Heiligen, gelobt sei Er!" Und noch jetzt, wenn oer ros kommt, zieht in jedes wahrhafte jüdische Herz der Frieden und die Eintracht ein, die tägliche Sorge, jeder Alltagsgedanke weicht, eine freudigere Stimmung bemächtigt sich des Gemüthes, es fühlt die rm' “dsj, von der unsere Weisen sagen, daß sie am ras in die Ge-