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Der Israelit · 1872-01-03 · Heft 1 (3.1.1872) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 1 (3.1.1872)
Date
1872-01-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Geftändniß: „Das ist mir sehr unangenehm", als er bei einem der jüngsten Sensationsprozeße als Zeuge vorgeladen ward und sich zum Schwören bequemen mußte- Ans der Fülle von Anekdoten, die aus dem Munde Königswartcr's stammen, seien hier noch einige erzählt. Als die große Börsenkrisis im Jahre 1869 Hereinbrach, wurde diese Kalamität an der Börse selbstverständlich lebhaft besprochen und ein Financier warf im Scherze die Phrase hin: „Wenn es so weiter geht, müssen wir alle noch „schnorren" gehen." Bei wem?" siel scharf und bezeichnend der alte Jonas ein. Die Börsen-Coulisse betrachtete er als sein selbstverständliches Opfer und als er an einem kostspieligen Theaterabend, an welchem die Loge 50 fl. kostete, einen plötzlich reichgewordenen Coulissier auf so einem Fünfzigguldenplatze sah, klagte er scherzend: „Der Mensch verschwendet ja mein Geld." Aber so einfach er für seine persönlichen Bedürfnisse auch sorgte, die Wohlthätigkeit hat er in fürstlichem Sinne geübt. Nie ging ein Nothleidender unbeschenkt aus seinem Hause und die Regung seines Herzens war stets eine edle. Als er vor zwei Jahren der Prüfung des Taubftummen-Jr.stitutes beiwohnte, sich lobend über die Leistungen der Schüler aussprach, erwiederte der Direktor: „Ja, man könnte mehr leisten, wenn ein größerer Fonds zur Berfügung stände." „Lassen Sie sich morgen 25,000 fl. bei mir abholen", sagte Königswarter lakonisch, als wenn es sich um eine Bagatelle handeln würde. Königswarter, von dem noch zwei Brüder in Frankfurt leben, starb als Wittwer; seine Frau lebte gleichfalls den Wiener Armen als hochherzige Wohlthäterin, die im Stillen ibre schönsten Thaten vollbrachte, warm im Gedächtnisse. Der Verblichene, welcher noch kurz vor seinem Tode die Stiftung eines israelitischen Blinden - Institutes machte, hinterläßt nebst der verheiratheten Tochter einen Sohn Moritz, der nun an die Spitze des Geschäftes tritt und außer den Millionen seines Vaters sieben Häuser in Wien und einen großen Gutsbesttz in Ungarn erhält. Glücklich, wie Königswarter im Leben gewesen, war er auch im Tode. Er entschlief sanft nach kurzem Krankenlager in der Morgenfrühe, nachdem er noch kurz vorher sich erfreut über sein Besserbefinden ausgesprochen. Ein Herzschlag hatte dem vielbewegten Leben des rührigen Mannes ein Ende gemacht. Die entseelte Hülle des Verblichenen wird heute den 25. Dezember, um 10 Uhr Morgens, von Trauerhause: Kärtnerring Nr. 4, auf den israelitischen Friedhof näMlLähruug überführt und daselbst in der Familiengruft bestattet werden. — n. Peflh, 13. December. Vor zwei Tagen hielten I die hies. orthodoxen Juden ' im Hotel Tiger ihre konstituirende Versammlung. Herr Sam. Abeles eröffnete die Sitzung mit einer höchftgediegenen und sachgemäßen Ansprache die vom Herzem kam und ins Herz Aller drang. Das allg. jüd. orth. Organisationsstätut wurde verlesen und mit freudiger Bereitwilligkeit als Grundlage der Gemeindeorganisation angenommen. Hierauf gelang das Spezialstatut zur Verlesung, welches ebenfalls ohne Debatte angenommen wurde. Herr Sam. Abeles wurde mittels Akklamation zum Präses gewählt. Als Ehrenmitglied wurden gewählt die Herren Sigm. Krauß aus Körös-Ladäny, Em. Eisler aus Waag-Freistadtl und Leo v. Fischer ans Herend. Die Betlieiligung war eine entsprechende, die Stimmung eine freudig gehobene. Pesrb. Das ungarische Amtsblatt bringt im nichtamtlichen Theile hundert Zustimmungs-Adressen an den Kultusminister für Gewährung der Autonomie an die orthodoxen Juden. Unter bcu Gratulanten befinden sich Rothschild (Frankfurt), Hirsch, der Frankfurter Rabbiner, und der Londoner Ober-Rabbiner, Adler. * Italien. Die bürgerliche Gleichstellung feiert in Italien, dem ehemaligen Sitze kirchlicher Ausschließung, herrliche Triumphe. Dort werden Inden an höhere Lehranstalten ohne Weiters angestellt. So wurde jüngst denr jungen Gelehrten Leone Ottoleugi die Professur der lateinischen und griechischen Sprache an dem Lyceum in Casalc, seiner Gcburtsstadt, übertragen. Herr Moses Levi, Sohn des Rabbiners zu Cunco, wurde zum Professor der Geschichte und Geographie am Polytechnikum in Fossano ernannt, und Herr Tobias Latis aus Potigliano. der einzige Jude unter vielen Bewerbern katholischen Glaubens, wurde als Lehrer an der Normalschule in Pisa angestcllt. Ein nachahmuugswerthes Beispiel für Herrn v. Mühler! (Nach Ed. Jsr.) Florenz. Den 6. November verschied' hier Hr. Elias Modigliani, der nach »Ed. Jsr." ein Vermögen von 12 Millionen Lire hinterließ. Wohlthätig wie im Leben zeigte er sich auch in seinem Testamente: 100,000 Lire bestimmte er zu wohlthätigen Zwecken. Atizzn. Baron Adolf v. Rothschild in Genf schenkte vor einiger Zeit der Stadt Nizza, wo er gewöhnlich den Winter verbringt, die ansehnliche Summe von 100,000 Lire zur Gründung einer Armenschule. Der Stadtrath nahm die Summe dankend an und legte dem in einer reizenden Lage gelegenen schönen neuerbauten Schulgebäude, das für 500 Schüler eingerichtet ist und am 1. November in feierlicher Weise seiner Bestimmung über-

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