Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1872)
- Date
- 1872-01-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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nur dahinter gekommen sein mag, daß ich, Abraham Zwickau, sein bester Freund bin." Nachdem er seinem Ehrgeiz genug gethan und seine Mitbürger aller Klassen und Konfessionen zu Zeugen seiner Bevorzugung gemacht hatte, hielt er es für eure Pflicht der Höflichkeit, sich hei dem verabschiedeten Minister für die besondere Rücksicht zu bedanken. Das Herz voll Rührung und Begeisterung schrieb er an einen Handelsfreundin Wien: „Sagen Sie dem Grafen Beust in meinem Namen, daß cs seit Moses keinen größeren Mann gegeben hat, als er ist, und daß er zu jeder Zeit auf meine tiefste Verehrung zählen kann." Ob der Wiener Handelsfreund den Auftrag des Herr Abraham Zwickau besorgt hat, ist bis zur Stunde nicht bekannt. Sollte Herr Abraham Zwickau vielleicht der berühmte „Zwickauer" desKladderadatsch sein? Wien, Vor einigen Tagen wurde in Leipnik ein Mütterchen Namens Fanny Münster in einem Alter von 104 Jahren zu Grabe getragen. Dieselbe erfreute sich bis in die letzten Tage ihres Lebens des besten Wohlseins; jedoch verlor sie im vorigen Jahre das Augenlicht. Wien. Vor den Universitätsprofessoren Tölfy, Vümbery, Riedl, dem Prof. Batlagi und vor einem zahlreichen Auditorium hielt Dr. Ignaz Goldzieher gestern feinen Probevortrag über die Literatur der Geschichte bei den Arabern. Die Beifallsbezeugungen der Herren Professoren und die Gespanntheit, mit der die Zuhörer dem Vortrage folgten, boten genügende Beweise, daß Herr Goldzicher nicht nur über ein enormes Wissen seines Faches (er dozirt die semitischen Sprachen) verfügt; sondern mit demselben auch alle anderen zum Vortrage erforderlichen Eigenschaften, eine fließende Sprache und ein angenehmes Organ verbindet. Wien, 25. Dez. Das Hinscheiden des Freiherrn Jonas von Königswartcr hat in den weitesten Kreisen die lebhafteste Theilnahme hervorgerufen und im Nachstehenden wollen wir eine Biographie dieser Fiuanzgröße liefern, welche eine der hervorragendsten Rollen un Wiener Leben spielte. Der Mann, welche vorgestern mit Hinterlassung von nahezu 20 Millionen verschied, kam in der Mitte der Dreißiger-Jahre nach Wien und das Vermögen, welches er aus seiner Vaterstadt Frankfurt mitbrachte, war nur ein sehr mäßiges. Nicht mehr als dreimalhunderttaufend Gulden soll cs betragen haben und noch, als er seine einzige Tochter an den Bankier I. Pfeifer verheirathete, war er nicht im Stande, ihr mehr als eine im Verhältniß zu dem Heute sehr bescheidene Mitgift zu geben. Aber die Dreimalhunderttausend mehrten sich sehr schnell und wurden sehr fruchtbar, und schon nach etlichen Jahren konnte er wohlgemuth im Kreise von Millionären von den An- 10 fängcrn seines Vermögens erzählen und auf die Frage eines Neugierigen: „Nun, 'Herr v. Königswartcr und jetzt?" mit echtem Mitlionenhumor antworten: „Nun, ich Hab' die 300,000 Gulden noch." Von jener bescheidenen Stellung, mit der sich Königswartcr bei seiner Ankunft in Wien begnügen mußte, schwang er sich bald zu dem höchsten Ehrenstellen empor und mm, da er im 65. Lebensjahre das Zeitliche segnete, hatte er die glänzendsten Ehrenstellen und Würden errungen. Er wurde Ritter des k. österr. Ordens der eisernen Krone 2. Klasse, k. k. Börsen-Rath, Präses des Vorstandes der israel. Kultus-Gemeinde , Präsident des Verwaltungsrathes der Böhmischen Westbahn, Direktor der Kaiser Ferdinands-Nordbahn , Verwaltungsrath der Theiß-Eisenbahn, Ausschuß der DonamDampfschifffahrt-Gesellschaft und selbstverständlich Bürger von Wien. Eine der ersten Würden, die er erhielt, war die eines Mitvorstandes der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde; vor vier Jahren wurde er zum Präses derselben gewählt. Sein religiöser Standpunkt war der des Orthodoxen; in seinem Hause, so luxuriös sich auch die ganze Führung desselben gestaltete, war streng jüdische Observanz bis zum heutigen Tage befohlen. Er gehörte zu den Gegnern der Reform auf religiösem Gebiete. Als Finanzmann zählte er zu den hervorragendsten und befähigtesten Bahnbrechern des modernen Kreditlebens. Er gehört zu den Mitbegründern der hiesigen Kreditanstalt, auf deren Organisation er entscheidenden Einfluß nahm; die Würde eines Bankdirektors lehnte er vor wenigen Jahren aus einem persönlichen Anlasse ab. Den modernen Gründungen/ ging er mit Absichtlichkeit aus dem Wege und um so' höher wurde sein Wort angeschlagen, wenn er in Generalversammmlungen 'der Bahnen und Institute in seiner sarkastischen, epigrammatisch zugespitzten Weise die Situation beleuchtete. Er galt in finanziellen Dingen als klarer Kopf und seine Erfahrungen wurden sehr oft nicht blos im Wiener Finanzministerium, sondern auch im Auslande zu Rath gezogen. Er war kein Meister der Rede, aber von seinen zahlreichen Kernsprüchen, die zu Wien in Umlauf gesetzt wurden, trafen viele den Nagel auf den Kopf. Seine lakonisch-drastische Sperchweise machte ihn zu einem originellen Typus der Wiener Finanzwelt, die jedes neue Witzwort des jovialen Barons wie einen klassischen Ausspruch zu citiren gewohnt war. Als zu den Reaktionszeiten bei anhaltend schlechtem ZZalutastande der humane Vorschlag auftauchte, der Staat solle sämmtliche reichen Residenz-Juden einsperren, meinte Königswartcr, das sei nicht viel gerechter , als wenn man bei ungewöhnlich schlechtem Wetter den Barometer zerschlagen wollte. Sein spitzfindiges : „Was soll ich mir seinen Kopf zerbrechen?" ist ebenso populär geworden, als sein drollig naives