Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1872)
- Date
- 1872-01-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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'•MSJv'WrTW'I ■■^‘-■■^rift^- f-.- 8 Und der Vater wird nicht die ehrvergessene Tochter aus dem Hause treiben?" „„Der Vater und die Mutter verzeihen Dir und öffnen ihre Arme, die reuige Tochter zu empfangen."" „Und mein Kind?" ' „„Sie wissen zwar nichts von diesem Kinde, allein ich werde es zu veranstalten wissen, daß auch Deinem Kinde eine freundliche Ausnahme wird werden."" „Ach, Simchah, wie kann ich nach Hause zurückkehren? Werden die Leute nicht mit Fingern auf mich weisen. „Ich verginge vor Scham!" „Und doch schämst Du Dich nicht, in Sünde, und Schande zu leben! Du schämst Dich vor den Menschen, aber nicht vor Gottes allsehendem Auge!" In diesem Augenblicke wurde die Thüre aufgerissen und der Feldmarschall trat ein. „Viola/' rief er. ohne den Fremden zu bemerken, „wo bleibst Du so lange? Deine lange Abwesenheit wird bereits bemerkt. Was ist das Fest ohne Dich, die Königin desselben?" „„Heinrich,"" sagte Viola, „„mein Bruder ist angekommen." " „Dein Bruder? Ah, der in Prag studirte, als ich in Bunzlau war!" „ „Ercellenz," " sagte Simchah bitter, „„Sie haben meinen! Vater die Ihnen erwiesene Gastfreundschaft schlecht vergolten. Sie haben Schande auf sein Haus gehäuft und haben seine einzige Tochter zur Buhlerin gemacht." " „Ist es meine Schuld? Ich würde Viola zur Gräfin Heidersdorf machen, wenn sie einwilligen und durch den Glaubenswechsel die Heirath ermöglichen würde." „ „Laffen wir das," " sagte Simchah, „ „was geschehen, ist nicht wieder ungeschehen zu machen. Ich bin gekommen, meine Schwester von Ihnen zurückzufordern. Meine Eltern verzeihen ihr und sind bereit, sie wieder bei sich aufzunehmen."" f Der Graf erblaßte. „Wie," sagte er, „ich soll mich trennen von meinem Veilchen? Und was sagt mein holdes Blümchen dazu?" Viola antwortete nicht. „£), thue mir das nicht, Viola," sagte der Graf, „wie könnte ich leben ohne Dich?" „Veilchen," mahnte der Bruder, „denke an den Kummer und den Gram unserer armen, bedauernswerten Eltern, die Du schon so tief betrübt Haft. Komm mit mir und suche Deine große Schuld durch aufrichtige Reue zu sühnen!" „Simchah," sagte der Graf, „bleibt auch Ihr hierbei uns; ich will Euch schützen und stützen, will Euch reich und vornehm machen. Der Hofjude des Kurfürsten ist gestorben, und noch ist kein Anderer mit diesem einträglichen Posten betraut. Ich verspreche Euch die Stelle, die Euch binnen Kurzem zu einem reichen Manne machen wird. Dann laßt Ihr Eure Eltern hierherkommen." „„Da sei Gott vor,"" sagte Simchah, „„daß ich die Schande meiner Schwester mit ansehe oder sie gar für meine eigenen Zwecke benütze. Veilchen, wähle zwischen Deinen Eltern und Deinem Verführer. Gott sieht auf Dich, wähle den Weg der Reue und der Umkehr."" „Könntest Du mich wirklich verlassen, meine Viola?" fragte zärtlich der Gras. „Bedenke die Schmach, die Deiner zu Hause harret und all die Lust und die Freude, die ich Dir biete." „ „„Die Lust und die Freude der Sünde,"" sagte Simchah feierlich. „„£> Viola,"" rief er im ausbrechenden Schmerze, „ „Du mordest Vater und Mutter, wenn Du nicht mit mir gehest!"" „Und Du tödtest mich," schrie der Graf, „wenn Du mich verlässeft! Lebe ich doch nur für Dich, erfülle ich doch alle Deine Wünsche, habe ich doch mein Kind beschneiden lassen. Dir zu Liebe! Was wäre mir das Leben ohne mein holdes Veilchen? Ich würde es von mir werfen, ich würde mich tödten. Geh, Viola, geh mit Deinen! Bruder, und den Grafen Heidersdorf wird eine wohlthätige Kugel von der Last des Lebens befreien!" Da stürzte sich Viola lautweinend in die Arme des Grafen. „Ich bleibe bei Dir," rief sie, „ich verlasse Dich nicht!" „„Du rettest mich vom Tode!" jubelte der Graf; „ich werde Dir das nie vergessen, Viola; ich werde Dir ewig dankbar sein. Mein ganzes Leben sei künfttg nur Dir geweiht: ich will Dich umgeben mit lauter Glanz und Freube!"" Da richtete Simchah sich hoch aus und sprach laut und feierlich die Worte des Propheten Jesaias: „Gott wird umwandeln Eure Freude in Trauer, Eure Feste in Wehklagen! Der Verwesung Dunst wird an die Stelle des Wohlgeruchs tteten, statt Feierklerd Trauergewand, Brandmal statt Schönheit. Die Männer werden durch das Schwert fallen und Du, Verlassene, wirst einsam trauernd, klagend und jammernd auf der Erde sitzen!" Dann verließ er mit festen Schritten das Gemach. (Fortsetzung folgt.) Hierzu eine Beilage Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz.