Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1871)
- Date
- 1871-12-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447499-2447550--09986-2465708- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
So sind and) in Joscph's Leben die verschiedenen Wege angedeutet, vermittelst welcher Gott den Menschen prüft. Es gibt Viele, sehr Viele , welche heimgesücht werden durch Kummer, Elend und Armuth. Heil dem, der all dieses duldet, niemals verzweifelt, und sich stets festklanunert an den Glauben, daß Alles, was Gott uns zusendet, nur für unser Seelenheil geschieht. Haben wir in diesem irdischen Leben mit vielen Leiden zu kämpfen, so dürfen wir noch hoffnungsvoll auf ein besseres Leben schauen, wo aller Jammer ein Ende nimmt, und wo diejenigen, welche hienieden in Thränen säeten, mit Jubel ernten werden. Der Bedrückte findet Trost im Befolgen von Gottes Geboten, und immerfort waren es die Bedürftigen, welche das Gebäude unserer Religion stützten. Daher sagten unsere Rabbinen: a»jp »jaa nnrn min vru'n ono »3, „Gebet Acht auf die Kinder der Armen, denn von ihnen gehet Gottes Lehre aus". In seinem Elend blieb auch Joseph fest im Vertrauen auf Gott und fest in seinem Glauben. Es gibt noch andere Prüfungen. Wenn der;nn iz\ der Versucher, den Menschen zum Laster will verführen, und dieser bleibt standhaft und der Tugend treu, so zeigt er größern Heldenmuth, wie wenn er sein Leben einem tünde gegenüber verteidigt hätte. Der Sieg über das öse ist der schönste Triumph, welchen man im Leben erringen kann. Bei einer derartigen Prüfung zeigt sich Josep's Frömmigkeit. In dem Augenblicke, da die Gattin Potiphar's ihn zur Freveltyat verführen wollte, da sah er i'3K bv uipn msi vor seinem geistigen Auge. Er dachte an seinen gottesfürchrigen Vater, und darin fand er Kraft, seine Leidenschaft zu beherrschen, dem Bösen zu widerstehen. Die schwerste und gewichtigste Prüfung im menschlichen Leben besteht in dem Besitze von Ehren, Würden und Reichthümern. Immer dabei des großen Gebers eingedenk zu sein, niemals zu verfehlen, seinen Dank zu zeigen vermittelst einer nützlichen und wolthatigen Anwendung von Gottes Geschenken ist eine Aufgabe, die leicht zu erfüllen ist, und doch ist es gerade hier so häufig, daß die Menschen von Gottes Wegen abweichen. Sie vergessen, daß sie einst vor Seinen Richterstuhl gerufen werden, daß sie sich einst darob verantworten müssen, wie sie gelebt und gewirkt haben mit.den ihnen von Gott anvertrauten Gaben. Ziehen wir eine Parallele zwischen dem Josepb in Egypten und so manchem Joseph unserer Zeit, namentlich solchen, die auch Würde, Ehre und Reichthum erworben haben und groß geworden sind, dann sehen wir die Letzteren bei dieser Prüfung wanken. Wie viele vielversprechende, in Gottesfurcht erzogene Söhne gibt es doch, welche sich, wenn sie zu Reichthum und Würde gelangen, ganz und gar des väterlichen Glaubens I entledigen, alle Gebote unserer heiligen Religion vernachlässigen , und nicht Gott dienen, sondern bettt! Mammon i j Joseph war Vicekönig von Egypten, und doch blieb - er den väterlichen Sitten treu. Er speiste nicht mit j den Mizriim, und das schadete seiner Würde keineswegs.! Er schämte sich auch seiner Brüder nicht, wiewohl diese nur Viehhirten waren. Kein einziges Wott kam als Vorwurf über das ihm angethane Leid über seine Lippen. In seiner Größe hing er mit unveränderter Liebe an seinem Vater, an seinem Bruder Benjamin, an seinem ganzen Stamm. Bei dem wichtigen Posten, den er besonders in den Jahren der Hungersnoth bekleidete, war die Sorge für die Seinigen doch seine erste Aufgabe. Ja, die Liebe zu seinem Volke war so stark, daß er selbst seinen Gebeinen nach seinem Tode keine Ruhe gönnte, bis die Kinder Israel in das gelobte Land gekommen sein würden, »n "ny a*\ Darum wird Joseph, der in Trübsal und Glück immer der fromme blieb, in segensvollem Andenken bleiben. rrsni aby nbitu no» *)'Di’ Frankfurt a. M., psb abin naa Alexander Duparc. Zeitungsrta«Lrichteu und Gorrefpoudeuzeu. Deutschland. CH München, im Oec. (Statistisches) Wie bekannt, fand am 1. Dec. d. I. eine allgemeine Volkszählung statt. Wir beginnen unfern Bericht hierüber mit Würzvurg. In Würzburg, dessen Bevölkerungszahl um 4364 Personen gestiegen ist, stellt sich die Zunahme nach Cvnfessionen wie folgt: 1867: 29,893 Katholiken, 4621 Protestanten, 1071 I s r a c l i t e n. 1871: 32,020 Katholiten, 6210 Protestanten, 1533 Israeliten. Halberstadt, im Dec. In welch hohem Ansehen der verewigte, unvergeßliche Commerzierrrath Joseph Hirsch auch den der nichtjüdischen Bevölkerung unserer Stadt stand, davon zeugt ein Vor^ll, der auch in weiteren Kreisen Interesse erregen wird^ Vor einigen Wochen hielt Hr. Pastor Spierlingin der stadt-, kirche (Martini-Gemeinde) eine Todtenfeier. „Ich muß," sagte der christl. Geistliche, , hier eines Mannes gedenken, der zwar kein Mitglied dieser Gemeinde war, der sich aber um unsere Stadt in so hohem Grade verdient gemacht hat, daß es als Pflicht der Dankbarkeit erscheint, sein Andenken bei dieser Gelegenheit zu ehren."