Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1871)
- Date
- 1871-12-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XU Jahrgang. ie Beilage z« Rr. 52 des Zsraelit. Leitender Artikel. Joseph. Eine der lehrreichsten Erzählungen der heiligen Schrift ist die von Joseph. So oft man dieselbe auch mit aller Andacht gelesen , so ist doch jede Wiederholung vom höchsten Interesse; denn zu jeder Zeit entdecken wir darin neue Schönheiten , und finden dabei immer Grund zur Erbauung uud Belehrung. Seine liebenswürdigen Eigenschaften, seine edlen Charakterzüge sind es nicht allein, welche Bewunderung erregen, sondern noch viel mehr müfien uns die Duldung der schwersten Leiden, die nimmer wankende Gottesfurcht dieses biblischen Helden auf's Tieftte ergreifen. Wurden seine großen Vorfahren, Abraham, Isaak und Jakob oft von Gott,heimgesucht, blieben auch dieselben bei allen Prüfungen fest in ihrem Glauben an Seine Vorsehung, so war es doch Joseph, der schon im Knabenalter in die Schule der Trübsal einttat, und doch blieb er immer pnsn qdi*, Joseph der Fromme. Es ist nicht unsere Sache, ein Urtheil zu Men über seine kindische Angeberei, ebensowenig wie wir es an dem Vater mißbilligen dürfen, daß er für den p, den non p, den so früh mutterlos gewordenen Sohn, der mehr wie alle seine übrigen Kinder Luft zeigte an der Lehre Gottes, eine Vorliebe hegte. Und kommen uns Jo seph's eigene Worte in's Gedächtniß, mit denen er später seine reuigen Brüder m besänftigen suchte: „Habt ihr die Absicht gehabt, mir Böses zu thun, so hat doch Gott die Absicht gehabt, es zum Besten zu lenken," dann vermögen wir fast das Betragen seiner Brüder nicht zu tadeln, da.wir doch völlig überzeugt find, daß Alles, was geschehen, nur Gottes Witte war. Gewiß hat es Jeder in seinem Leben oft erfahren, daß gerade alles Widerstreben der Menschen nur dazu ftihrte, daß man zum gewünschten Ziele gelangte, und daß das, was uns Anfangs als Unglück, als ein Fehlschlagen erschien, nur das Mittel in Gottes Hand war, unser Wohlsein zu befördern. Der Zeitpunkt des Fremdseins im fremden Lande nach der göttlichen Prophezeiung an Abraham war schon lange herangekommen, und ohne Joseph's Geschichte hätte, wie der Talmud sagt, Jakob vielleicht in eisernen Ketten dorthin geführt werden müssen. Gott hatte aber Joseph auserwählt, daß er in die ht is, ttb nz id ild >ie [t; S il: )i SU :n Fußftapfen der Stammväter einttete, um in Prüfungen verschiedener Att den Nachkommen als Muster zu dienen. In Joseph's Geschichte, darum so ausführlich erzählt, weil sie für Israels ganze Zukunft' von der größten Wichtigkeit war, liegt die Ursache, daß Jakob's Familie nach Egypten verpflanzt wurde, wo sie zum Volk heranwuchs. Darin merken wir Gottes wunderbare Leitung der menschlichen Angelegenheiten; denn die in Egypten herrschende Bildung konnte nur vortheilhaft aus Israel einwirken, das zu dieser Zeit, wie gering auch an Zahl, an einem Wendepunkte seiner Geschichte stand, indem das Familienleben zum Volksleben reifen sollte, damit das Volk Israel weltgeschichtliche Bedeutung erlange. Wie wunderbar sind doch die Wege Gottes. Träume waren es, welche Anfangs den Neid von I o s e p h's Brüdern erweckten. Dieselben veranlaßten, daß sie ihm zu Feinden wurden und ihn als Sklaven verkauften. Es waren aber auch Träume, welche Joseph' zuerst Hoffnung gaben, aus dem Gesängniß, in das er unschuldig geworfen war, erlöst zu werden; und schließlich waren es Träume, durch die er in Freiheit gesetzt wurde, und die seine Erhebung zu der hohen Staatswürde bewirtten. Immer aber gibt Joseph Gott die Ehre. Es ist überflüssig für die werthen Leser des „Israelit", die verschiedenen Begebenheiten von Joseph's Geschichte zu wiederholen. Was jedoch unsere ganze Aufmerksamkeit verdient, das ist die unerschütterliche Frömmigkeit, welche aus dem ganzen Leben Joseph's hervorleuchtet. Zu '"an’ä Commentar bei den Worten: rm-*)DTO n« nynn *jdj» «in her mpiL ... cnsos iDiyi “kD nw’Ji onsKK mner ppr sin , io« j«y ip"ip ((Ex. 1, 5). Um fymjuwäjcn auf die Tugend Joseph's: er war der Joseph, der seines Vaters Heerde weidete; er war der Joseph, welcher in Mizraim zur königlichen Würde gelangte — und doch fromm blieb, fügt hinzu: ob bvv wpp pzib d-n nob’ jndd sber inbn:o jm , ayz' «bi ibsan mvyji lmbna p nism roTi yoj m7t «a-nw , Dn» Daraus kann der Mensch die Lehre ziehen, daß er sich mit ganzem Herzen seinem Schöpfer widmen soll; in Armuth, Elend und Unterdrückung soll er niemals abweichen; auch in seiner Größe soll er nicht stolz und ehrsüchtig sein, sondern bescheiden und demüthig; da sott er sich am meisten mit der Ausführung der Gebote beschäftigen.