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Der Israelit · 1871-12-27 · Heft 52 (27.12.1871) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 52 (27.12.1871)
Date
1871-12-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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960 Frankreich. Der „Temps" theilt einen seltenen Act großartiger Wohlthatigkeit mit. Der Banquier Bischossheim, Chef des großen Bankhauses Bischofsheim Ntld Goldschmidt, hat bei Gelegenheit der Feier seiner goldenen Hochzeit der hiesigen israelit. Gemeinde die Summe von 500,000 Francs zur Gründung eines Asyls für israelitische Mädchen geschenkt. Herr Bischofsheim ist der Schwiegervater des talentvollen Componisten Julius Beer, des Neffen Meyerbeeres, und ein naher Verwandter des geistreichen Parlamentsmitgliedes für Mainz vr. L. Bamberger, der bekanntlich während einer Reihe von Jahren das Haus Bischofsheim und Goldschmidt leitete. Paris. Durch Decret des Präsidenten der Republik ist Herr Ernst Simon zum Bürgermeister- Adjunkt im XI. Arondissement der Stadt Paris ernannt worden. (Rev. Jsr.) England. London. Die Krankheit des Prinzen von Wales drängte in England alles Andere in den Hintergrund. Die englischen Blätter gaben einen Begriff von der Aufregung, welche Allerorten herrscht. Die „Times" brachte einige Tage lang mehrere Leitartikel über den erkrankten Thronerben und die Folgen seines eventuellen Hinscheidens. Sechs und mehr Bulletins erschienen täglich über sein Befinden. Nicht nur aus den größeren Städten, sondern auch aus kleineren Flecken wird telegraphisch gemeldet, mit welcher Angst und Sorge man den Nachrichten über das Befinden des Prinzen entgegensieht. Religiöse und politische Vereinigungen vertagten ihre Sitzungen, „weil die Sorge um das Leben des Sohnes der Königin" alles Interesse absorbirt. Gebete werden zum Himmel geschickt und telegraphisch wurde den Blättern der City davon Kunde gegeben, wo und von wem sie gebetet worden. Mit besonderer Genugthuung theilten die Journale u. A. mit, daß der achtzigjährige Montesiore die Gemeinde von Jerusalem telegraphisch angewiesen habe, an heiliger Stätte heiße Gebete für den Prinzen zu Gott zu senden. — Die Gebete sind erhört worden; der Prinz ist gegenwärtig außer Gefahr! Rußland und Polen. Warschau. Die von uns nach der Pos. Zeit, gebrachte Nachricht, als werden in manchen Gymnasien die israelitischen Schüler am Samstag zum Schreibe gezwungen, ist nicht richtig. Nirgends wird in den russischen Gymnasien ein solcher Zwang ausge- Äbt. Afrika. Algier. Am 15. November hat vor dem Gerichtshöfe zu Algier die Verhandlung gegen 25 eingeborne Araber stattgefunden. Dieselben waren der Rebellion mit bewaffneter Hand gegen die öffentliche Autorität, der Plünderung und Ausschreitung gegen Israeliten, Exceffe, die sie-am verflossenen 1. März begangen, angeklagt. Die Verhandlungen dauerten fünf Tage. 22 UngeUagte wurden sreigesprochen; von den 4 übrigen erhielt einer 6 Monate und die drei andern 4 Jahre Zuchthaus. Alle leugneten die begangenen Verbrechen und wollten das Zeugnitz der Israeliten verwerfen. Der Präsident des Gerichtshofes bemerkte ihnen, datz, da die Israeliten fast allein geplündert worden, es schwer ist, andere Zeugen ihnen gegenübeiHustellen. Die Angeklagten kamen aber immer auf dasselbe System der Verteidigung zurück. Juden können in Gerichtssachen, sagten sie, nicht Zeuge sein, so erklärt es deutlich das muselmännische Gesetz. Welche Intoleranz und welch ein blinder Fanatismus! Aber wir setzen voraus, daß das muselmännische Gesetz Ähnliches nicht behauptet und datz nur Priester von schlechtem Glauben es sind, die aus Hatz gegen die Juden es dem unwiffenden Volke vorgespiegelt haben. Wir haben noch nie gehört, daß ein solch ungeheuerliches Gesetz in der Türkei existirt. (Un. Jsr.) Tlemeen (Algier). In der Nacht vom 14. zum 15. November wurde das Grab eines vor 14 Tagen begrabenen 6 Monate alten israelitischen Kindes von einem Unbekannten geöffnet. Die Familie veranlatzte die Wiederbestaltung der Leiche, allein in der folgenden Nacht wurde das Grab wieder geöffnet. Man verliert sich hierüber in verschiedenen Conjecturen. (Rev. Jsr.) Feuilleton. Agnes. IX. M Bon nun an und weiter wollte Herr Bärwald ein neues Leben beginnen, wollte sich, in großem Style einrichten und Agnes in die vornehmsten Kreise der Londoner Handelswelt, „deren Kaufieute gleich Könige« und deren Krämer reicher als Fürsten find," einführen; aber Agnes duldete es nicht.

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