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Der Israelit · 1871-12-27 · Heft 52 (27.12.1871) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 52 (27.12.1871)
Date
1871-12-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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nodalblattes" zu gesandt, in welchem ein umfangreicher Artikel gegen meine Wenigkeit sich vorfindet. Es wäre tief unter meiner Würde, Herrn Lehrer Kl. die Ehre zu erweisen , und auf den Artikel eines Blattes zu er- . widern, das für sich den Titel des größten Schand- und Schmutzblattes, das die moderne Judenheit besitzt, in Anspruch nehmen darf. Aber tonerei n"o D’p: on»»m will ich meinen verehrten Freunden und Collegen auf diesem öffentlichen Wege die Mittheilung machen: daß der ganze Artikel von Anfang bis zu Ende eine große Lüge ist!!! In meinem ganzen Leben war ich noch nicht am Sabbat in „Kirchheim a. Eck", in meinem ganzen Leben ließ ich mir noch nicht einen „Mantel" am heiligen Sabbat nachtragen, und noch viel weniger ttug ich ihn selber!!! Wie gesagt, die nvanm ipw waa müssen zu Lügen ihre Zuflucht nehmen — und zu Herrn Lehrer Kl. in Ober-Ingelheim!!! Berlin, Leipzig und Dresden flüchten sich nach Ober-Ingelheim, einem hessischen Fleckchen Erde, und ein domo odsouiu« bietet die Ablagerung alles Synodalkehrichts für 10 Kr., sage zehn Kreuzer vierteljährlich als „Gratis-Beilage" zu dem langst nicht mehr ziehen wollenden, sogenannten „Israelitischen (?) Lehrer" an!!! Tiefer hätten.die Herren Synodler nicht sinken können!!! Früher brachte das „unparteiische (??) Organ für alles jüdische (??) Interesse" lämmtliche in dem in . der Pfalz verrufenen „Pfalz. Curier" gegen mich erschienenen und erscheinenden Verdächtigungen, Verleumdungen k. zum Abdrucke. Nunmehr scheinen diese Artikel selbst diesem gewiß nicht sehr wählerischen Blatte zu schmutzig zu sein; für das „Synodalblatt" sind sie noch viel zu gut, und kann man daraus kaum aty ^a- U'vp anwenden! — Und nun schmähet, verdächtigt, verleumdet so viel Ihr wollet: sö fcoprc '«p ttvlvip Dr. Adolf Salvendi, Bezirks-Rabbiner. Berti«, 14. Der. Der aus dem langen Stteit zwischen dem Abgeordnetenhaus und dnn Cultusminister bekannte jüdische Oberlehrer an der Realschule zu Posen, vr. Jutrosinski, ist nach den Posener Zeitungen zum Direktor des von Herrn Reichenheim gegründeten rsrael. Waisenhauses gewählt und diese Wahl vom Repräsentantencollegium genehmigt worden. Schwerin. In Mecklenburg-Schwerin gibt es nach den „Hamburger Nachrichten" 480 Blinde. Nach der Bevölkerungszahl kommt 1 Blinder auf 1168 Bewohner. Bei den Juden, in diesem Lande ist dib Zahl der Blinden verhältnißmäßig am größten, da kommt 1 Blinder schon auf 381 Personen. Straßburg. Die „Revue Jsr." veröffentlicht nachstehendes, dem „Courrier du Bas-Rhin“ entnommenes interessantes Dokument. Daffelbe ist ein Plan zur Reorganisation der israel. Angelegenheiten in den annectirten Provinzen. Das Document lautet im Auszug: Das elsäsfisch-lothringische Jndenthum zählt ungefähr 55,000 Anhänger, die sich aus 160' mehr oder weniger bedeutende Gemeinden vettheilen und die durch drei Confistorien, in Sttaßburg, Colmar und Metz, administrirt werden. Das Consistorium ist in jeder Sy-' nagoge durch eine von ihm ernannte Commission, mit einem Commiffär an der Spitze, repräsentirt. 40 Gemeinde - Rabbiner verkünden unter der Direction dreier Ober-Rabbinen das Wort Gottes. Endlich gibt es noch ungefähr 43 vom Staate und 120 von den Gemein- ' den besoldete Vorsänger. Der Elementarunterricht wird in 66 gemischten Communalschulen und in 10 öffentlichen Mädchenschulen gegeben. Außerdem eristiren noch ungefähr 14 Freischulen, die aber fast nur im Haut-Rhin sich befinden. Nach diesem summarisch gegebenen statistischen Ueberblick wollen wir versuchen, ein wenig die Organisation der Israel. Angelegenheiten zu ftudiren. Dieselbe beruht noch heute auf der Ordonnanz vom 25. Mai 1844 und dem kaiserlichen Decret von 1862. Dieses letztere wurde damals mit einer lebhaften Ungeduld erwartet. Die Gemeinden hofften, der allzu kleinlichen Vormundschaft der Confistorien endlich enthoben zu werden. Das Rabbinat schmeichelte sich, daß das geistige Element in den Confistorien stärker vertteten sein werde, da dieConsistorien, deren Mitglieder meist Laien, sich oft einen dogmatischen Charatter anmaßten. Aber alle diese Hoffnungen gingen in Rauch auf. Nach einer langen und arbeitsvollen, vondenConsistorien und den Bureaux der Ministerien angestellten Enquete kam das Decret von 1862 an's Tageslicht, und es brachte weiter nichts als eine Vermehrung des Personals der Confistorien und schuf die Institution der Unter-Rabbiner, eine Einrichtung, die aber bis jetzt noch nicht in's Leben gerufen wurde. Aber am meisten betrogen waren die Rabbinen, deren Ernennung rein und einfach nur den Confistorien, die aus sechs Laien und einem Oberrabbiner zusammengesetzt sind, zuerkannt wurde; die Regierung hielt sich nm das Recht der Einführung vor. Wir wollen nicht lange über diese Frage von so großer Wichtigkeit discutiren. Jndeffen versichern wir, daß es traurig ist, Zu sehen, daß ein junger Mann, welcher seine schönsten Jahre dem Studium gewidmet, gezwungen ist, bei sechs Personen, deren einziges Talent oft nur der Reichthum ist, um eine mehr als bescheidene Stellung demüthig zu bitten , wo er mit all seiner Intelligenz, mit all seinem Wissen vielleicht sein ganzes Leben vegetirt, ausgesetzt außerdem tausenderlei Unannehmlichkeiten von Seiten! der Mitglieder seiner Gemeinden, die ihm gerade deß-

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