Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1871)
- Date
- 1871-12-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XII Jahrgang. Beilage za Rr. 51 des Israelit. geitirngsnacbvicht^n und Gorrefpondenzen. Deutschland. «ßk" Mainz, 15. December. Wir baden heute 1739 fl. SS kr. riix die Armen, Nothleidenden, Wittwen, Waisen w. im heiligen Lande nach Amsterdam «n das dortige Ceiitral-Comitö geschickt. Die Summe der von uns'in diesem Jahre für obige Zwecke gesammelten und übermittelten Gelder beträgt nunmehr 21,078 fl. m kr. Aus Unterfranken. Noch sind wenige Jahre verflossen, seitdem sich in Lohr a. M. eine jüdische Gemeinde gebildet hat. Wiewohl dieselbe noch Zu den kleinen Gemeinden unseres Kreises zu zählen ist, so ist es ihr doch schon gelungen, für eine Synagoge, ein Schutlokal, eine Lehrerwohnung und ein rituelles Bad bestens zu sorgen. Und das Alles ist nur durch guten Willen, reine Absicht und frommen, einheitlichen «einn erzielt worden. Vor einigen Monaten ist nämlich von dieser jungen Gemeinde ein sehr geräumiges Haus zu erwähnten Zwecken angetanst worden. ni-rin 's 'n ward mm die Synagoge in sehr würdiger Feier ihrer heiligen Bestimmung übergeben -, ihre Einweihung fand in Gegenwart der Herren des Magistrats und' des Bürgermeisters statt. Herr Distr.- Rabbiner Adler aus Aschaffenburg verlieh dieser heit. Feier durch die Anordnung eines sehr gelungenen Feftpwgrammes, ganz besonders aber durch seine feurige erbauliche Festrede, die sich des allgemeinen Beifalls zu erfreuen hatte, den rechten Glanz. Mögen aber auch seine gediegeneil Worte von der israel. Gemeinde zu Lohr beherzigt und sein wohlmeinender Rath, recht bald einen tüchtigen Religionslchrer auzustelleu, befolgt werden; denn dann erst hat sie ein wahres Gotteshaus für sich und ihre Kinder gegründet, dann wird sie fernerhin nicht sein nrn cr6 ]\n Die Leitung des feierlichen Gottesdienstes wllrde von Seiten des Herrn Distr. - Rabbiner Adler und der Gemeinde. Herrn Lehrer Eschwcgc ausKarbach. der mit Herrn Adler von da, der -pi'N- Feier wegen, anwesend war, anvemaut, und erntete derselbe durch feine meisterhaften Gesangsvorträgc unb Recitativc allgemeines, wohlverdientes Lob.! Heidelberg, 5. Decbr. Der Privatdocent an! hiesiger Universität, Dr. Felir Hecht, hat den Ruf als I Director der Rheinischen Hypothekenbank erhalten und \ angenommen. Herr Hecht ist der Sohn eines armen! israelitischen Handelsmannes vom Lande in der liegend von Frankfurt a. M. Seine hervorragenden Talente erwirkten ihnl frühe schon theilnehmende Freunde, welche ihn auf Schulen und am der Universität unterhielten, wo er sich dem Sttldium der Rechtswissenschaft in allen ihren Theilen. besonders auch des Handelsrechts widmete. Zur möglichsten Vervollkommnung im letzteren Fache dienten ihm Reisen und ein Aufenthalt "in Amerika. Hier in Heidelberg hielt er seit 1869 u. A. über Handelsrecht mit Einschluß des Wechsel-, See- und Versicherungsrechts Vorlesungen und wurde als anerkannte Autorität für schwierige kaufmännische Vorkommniste von vielen Seiten um Rath angegangen. (F. I.) Aus dem Badischen. Gestatten Sie, Herr- Redakteur, daß ich Ihnen in Folgendem einige Mittheilungen über eine Gemeinde mache, deren Derhältnisse ich jüngst aus meiner Reise einigermaßen kennen gelernt. Ich würde mich nicht erkühnen, diesen Gegenstand hier zur Sprache zu bringen, wenn nicht e i n Umstand mich dazu zwange. Als eifriger Leser und Verehrer Ihrer geschätzten Zeitschrift nämlich erinnere ich mich noch recht lebhaft, daß vor ca. 3 Jahren in diesen gesch. Blättern, eine Reihe von Artikeln erschienen, welche in Lobeserhebungen über die geregelten Verhältnisse der Gemeinde Gailingcn sich ergingen und dieselbe in religiöser wie in socialer Beziehung als eine Mustergemeinde schilderten. Ich freute mich also nicht wenig, eine solche Gemeinde kennen zu lernen und lenkte meinen Reiseplan dahin, daß es mir ermöglicht wurde, einen ba zu verbringen. Ich besuchte den Freitag-Abend-Gotlesdienst und war sehr befriedigt sowohl durch den demselben innewohnenden jüdischen Geist, als durch die vortrefflichen Leistungen des Synagogen-Chors. Auch ani darauffolgenden Morgen, an welchem ich nach dem Gottesdienste mich durch den Vortrag des Bezirksrabbinen Herrn vr. Sondheimer sehr erbaute, bemerkte ich noch Nichts, das mit meinen Erwartungen in Widerspruch gerathen wäre. Wer beschreibt jedoch mein Erstaunen, als ich im Laufe des Nachmittags in das stark frequentirte Cafe Adler in Dießenhofen kam und eine Schaar junge Leute antraf, die seltsame Begriffe von einer würdigen Sabbatseier zu haben schienen. Nicht nur, daß man sich die Zeit mit Spielen allerlei Art zu vertreiben suchte, man scheute sich auch