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Der Israelit · 1871-12-13 · Heft 50 (13.12.1871) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 50 (13.12.1871)
Date
1871-12-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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932 wir cweder berechtigt sind, ein Jota über das Statut Marrszugehen,- noch dasselbe eigenmächtig zu ändern. Und dennoch scheint uns das Verlangen der Petenten ein sehr berechtigtes zu sein. Daß ursprünglich das Unternehmen nur auf Jerusalem beschränkt wurde, hat immer darin seinen Grnnd, daß die Heiligkeit dieses Orses bekanntlich die hervorragendste stiller allen heiligen Städten ist; dann aber auch, wert es von der Vorsicht geboten war, sich zu beschränken und zu concentriren. Der allgütige Vater hat nun aber in den dreizehn Jahren seit Beginn des Unternehmens, so sehr wir auch erst einen kleinen Theil des großen Zweckes rcalisirt, demselben Seinen besondern Segen und erforderlichen Schul; angedeihen lassen. Es sind Gott sei Dank gegenwärtig in Jerusalem, außer einem Pilgerhause, fünfunddreißig kleinen Wohnungen und zwei großen Häusern für je sechs Familien, Denkmäler hochherziger Spender hergestellt, und drei Cifternen, darunter eine außerordentlich große, restaurirt, so daß man wohl nachgerade auch zunächst an ein Pilgerhaus in Hebron denken können dürfte. Freilich ist diese Frage zunächst nur eine prinzipielle, da wir für die in Jerusalem hergestellten, aus verschiedenen Gründeil unausfchiel'bar'en Bauten noch in einem sehr bedeutendeil Rückstände gegen die eingegangenen Spenden find, welcher natürlich erst gedeckt werden muß. Auch würden rur Realisirung obigen Planes, wozu natürlich auch das Areal künftig erworben werden müßte, bedeutend neue Mittel gehören. Allein, theils weil wir der nie versiegenden Duelle jüdischer Wohlthätigkeit fest vertrauen, daß wir gewiß recht bald über diese Hindernisse hinaus sein werden, theils weil uns außerordentlich viel daran liegt, so bald als möglich die öffentliche Meinung über das Princip selbst zn vernehmen. treten wir schon jetzt vor die Oeffentlichkeir und bitten die geehrte Redaktion, die Spalten Ihres Blattes der Discussion hierüber gütigst zu öffnen. Jtt es uns nun auch viel erwünschter, wenn alle etwa fidi geltend machenden Stimmen dies öffentlich thun, so sind wir doch auch denen dankbar, welche sich yierin durch Privatbriefe an uns wenden, die wir an die Adresse: Aron Hirsch und Sohn in Halberftadt, für H. G. Hirsch zu senden bitten. Das Central-Comito für den Bau von isr. Ärmen- und Pltgerivohnungen in Jerusalem. I. Ettlinger, Rabb. vr. I. Hildesheimer, Rabb. G Hirsch, Kaufmann, Nreslau, 1. December. Seine Majestät, der deutsche Kaiser, haben Allergnädigst geruht, dem Semiuardirector I)r. Franket den rochen Adler-Orden vierter Klasse zu verleihen. In Altona starb den 11. November im achtzigsten Jahre Fräulein Rahel de Castro, die dort in weitem Kreise geschätzt und geliebt war. Wohlthätig und hilfreich nach vielen Seiten hin, hat sie sich besonders um die israelitischen Schulen sehr verdient gemacht. Ein zahlreiches Trauergefolge erwies ihr die letzte Ehre, und Rechtsanwalt Moritz Marburg hielt auf ihrem Grabe eine schöne Rede, in welcher er unter den vielen Verdiensten der Dahingeschiedenen auch ihre segensreiche Thätigkeit an der Altonaer Freischule hervorhob, der sie eine lange Reihe von Jahren als Vorsteherin mit Treue und Gewissenhaftigkeit ihre Kräfte widmete. Die Schülerinnen dieser Freischule folgten dem Sarge in tiefer Rührung , Blumenkörbe tragend und angeführt von allen ehemaligen und gegenwärtigen Lehrerinnen der Anstalt Angeregten und empfänglichen Geistes nahm Rahel de Castro auch an allen literarischen Strömungen ihrer Zeit lebhaften und liebevollen Antheil; sie stand mir Rosa Maria, Varnhagen von Ense, Gutzkow, Mundt, Steinheim, Zunz und vielen andern namhaften Persönlichkeiten in freundschaftlicher Beziehung, und sicher werden Alle, die sie kannten, ihr ein wohlwollendes Andenken bewahren. (F- Z-) Frankreich. Paris. Man sagt uns, schreibt der „Unio. Jsr.", daß der Gottesdienst mit dem Kaddischpompe und andern Verordnungen in der consiftorialen' Synagoge begonnen hat. Das Haus des Gottes Israel wird also in der That zu einem Hotel, wo man Geld verdienen will, zu einem Kaufladen, welcher die Aufschrift trägt: Hier verkauft man Gebete, Ceremonieu bei der Heirath und der Trauer, die Freude und die Thränen zu allen Preisen. „Rev. Isr." gibt die Mittheilung, daß in der Gemeindekasse ein großes Deficit ist und es mußten nochwendigerweise neue Hilfsmittel beschaffen werden. Dies sei der Grund der neuen Verordnungen bezüglich des Kaddisch u. s. W. Paris. In den Generalrath in Algerien wurde in Oran Herr Haim Benichon und zwei andere Israeliten in den Munizipalrath, in Algier in den Munizipalrath 4 und außerdem in den übrigen Städten 7 Israeliten in dieselbe Körperschaft gewählt. In Frankreich selbst wurde Herr Lisbonne in Montpellier zum Präsidenten des Generalrathes gewählt. In Lyon wurde Herr I. Kuppenheim vom Präfecten zum Administrator der Hospitien ernannt. Es ist dies zum erstenmale, sagt ein Londoner medicinisches Blatt, daß ein Repräsentant der jüdischen Religion i« Rathe der Hospitien sitzt und hat, sagt man, seine Ernennung auch einige Bewegung hervorgerufcn. Für uns

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