Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1871)
- Date
- 1871-12-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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927 des Inhalts, die Congreßorgane mögen dort, wo die Congreßbefchlüffe angenommen werden, Abth. n. derselben, das Schulstatut betreffend, zur Wahrheit machen —- die Organisation der jüdisch - coniessionellen Schule in die Hand nehmen. Dieser Erlaß trägt das Datum vom 10. Mai d. I. Ich erwähne dieses an sich ziemlich Lleichgiltigen Umstandes, weil dieses ministerielle Datum, zusammengehalten mit dem Datum des Präsidialcirculars und dem der nun wirklich erfolgten brieflichen Aufforderung des Herrn von Gelsche Gutmann, den ersten Widerspruch des löbl. Präsidiums mit sich selbst darthut. Das Circular versichert nämlich, daß es ihm, resp. dem Herrn Gutmann, darum zu thun sei, „die Schmach" von unseren confessionellen Schulen abzuthun, damit diese „endlich nicht mehr für Winkelschulen gehatten werden". So. Darum also haben sich die eifrigen Philanthropen beeilt, den ministeriellen Erlaß vom 10. Mai in ein Circular ddo. Oktober d. I. «ufzunehmen und dieses sodann am 18. November gestiefelt und gespornt in die lieben culturdurstigen Gemeinden zu versenden! Sehr eilig hatten es die Herren Schmachabthuer, wie man sieht, nicht. Dennoch behauptet das Circular wiederholt, „daß die israel. Bürger des Vaterlandes in ihrer Stellung zu den Congreßstatuten von einander nicht in religiöser Beziehung, sondern nur in ihren Culturbestrebungen differiren". Um diese aufgewärmte, abgeschmackte Behauptung zu erhärten, wird eine eigenthümliche Statistik zum Besten gegeben. „Es besuchen in den nichtorganisirten Marino - roser und-Bereger Comitaten - kaum 2l/3 °/o der schulpflichtigen israel. Kinder die Schule, — währenddem in den letztgenannten (Zschongräd, Zala) Comitaten, welche die Congrehorganisation angenommen haben, 80 °/0 den Schulunterricht genießen." — Ich weiß nun nicht, wo die Herren diese Statistik ausgetrieben haben. Jedenfalls muß dieselbe seit vor dem 1. Januar d. I. stammen. Denn von diesem Tage an \\t das neue ung. Schulgesetz in Kraft, welches allgemeinen Schulzwang decrctirt, und daher ganz gewiß die — nach obiger Angabe — unglücklichen 87l/2 °/0 „in Marmoros und Bereg" richtig in die Schule gebracht hat, auch ohne gütige Beihilfe der schmachabthuenden Herren Congreßler. Das „Schule" unseres Circulars wird also wohl nur confessionelle Schule bedeuten, da die fehlenden 871/2 % in den gerade in jenen Gegenden häufig creirten Simultanschulen anzutreffen sind. Daß aber, was Religionsunterricht betrisst, in jenen Gegenden ganz anders gesorgt wird, wie in all den Genwinden congreßlichen Heiles, werden wohl auch die Herren in Gr. - Kanischa und anderswo zugeben. Das wird auch eine andere Statistik, nämlich die Statistik sämmtlicher Jeschiwoth im Lande, zur Genüge erhärten. — Nicht, daß wir bei alledem prinzipielle Freunde der Simultanschule wären. Bewahre. Aber eine ansrichrichtige Statistik muß seit dem 1. Januar d. I. mit der Simultanschule, als bedeutendem Faktor, rechnen und ein ehrliches Circular, das in Folge eines Erlasses vom 10. Mai im October das Licht der congreßlichen Welt erblickt — darf diesen Faktor nicht verschweigen. Thut es das ja, so wirbelt es all den vielen Sand nnr auf, um ihn dem lieben Publikum in die Augen zu streuen. — Dann noch eins. Haben denn nur Anti-Congreßgemeinden ihre Schulen „aufgelaffen"? Zsurgd in der benachbarten Somogy that es, trotz der ausgesprochensten Congreßfreundlichkeit, und Zala-Egerßeg that es - obwohl diese Gemeinden unter der beglückenden Botmäßigkeit der Herren Circularmacher zu Gr.-Kanischa stehen. Andererseits hat z. B. die Gemeinde Tab von Anfang an in aller Demuth erklärt, vorn Congreffe und auch von G.-Kanischa nrchts wiffen zu wollen. Die Gemeindeschule dort ist aber wohlorganisirt, auch ohne die dringenden Circulare, welche auf dem ministeriellen Gebärstuhle — nach 6monatlichen Wehen richtig zur Welt kommen. — Simultan- oder confessionelle Schule geben heute keinen Maßstab ab, nicht nur für die „Culturbestrebungen". sondern auch für die Congreßfeindlichkeit. Man ist eben in Ungarn noch lange nicht so weit, das, was man prinzipiell für gut befindet, auch praktisch anzustreben — anftreben zu dürfen — und daran ist allerdings der Congreß Schuld. Das Circular hält es für ein Unglück, „daß das Gemeindeorganlsatlonsstatut das erste war, mit dessen Durchführung begonnen werden mußte. Die Gegner des Fortschritts haben . . . glauben gemacht, daß die.. Organisation einer Gemeinde, welche sich auf die Regelung der administrativen Ordnung . . . bezieht — zugleich eine Veränderung unserer (?) Glaubensprinzipien und religiösen Bräuche zur Folge hat". Weißt Du, lieber Leser, wer diese Gemeinde Gr.- Kanischa ist, die in ihrem Vertreter zu uns von u ns e r n Glaubensprinzipien und religiöseu Bräuchen spricht und die jene höhnt, welche eine Veränderung derselben befürchtet haben? das ist dieselbe Gemeinde Gr.-Kanischa, welche vor einigen Monaten in ihrer Hauptsynagoge — wenn diese mit ihrer Orgel noch diesen Namen verdient — die Beschlüsse der Augsburger Synode als zu Kraft bestehend proklamirt hat. Das ist dieselbe Gemeinde, welche die Prärogative derAhawniden abgeschafft, Chal zah abgeschafft, Fahren, Reiten am Sabbat erlaubt hat. Das ist dieselbe Gemeinde, die sich in Gedanken und Gebet — ihr v an der Spitze - von Zion und Jerusalenl losgesagt und Doppelringe bei der Trauung und andern Firlefanz erngeführt. Und diese Herren sprechen jüd. Gemeinden von unfern Glaubensprinzipien und religiösen Bräuchen, die ja keine Veränderung zu erleiden brauchen. — Freilich halle Gr. - K. geändert und verändert, noch che der Congreß sein administratives Heil gebracht. Allein damals wäre demselben alten Geistlichen, der heute nur sein süßlich saures Lächeln der Genehmigung hat und nichts anderes