Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1871)
- Date
- 1871-12-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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926 I: Ist aber die Entweihung des Sabbats in allen höheren Beziehungen des Menschen so verderblich, so ist es heilige Pflicht eines jeden treuen Israeliten, dem Umsichgreifen und Fortwuchern dieses Giftes energisch entgegen zu arbeiten. Dieses kann aber nicht durch prunkvolle Bethauser, -re nicht besucht, durch beredte Prediger, die nicht gehört, durch Religionsunterricht, dein das häusliche Leben schnurstracks widerspricht, erzielt werden. Ja, selbst wo Haus und Schule Hand in Hand gehen und einmüthig an der religiösen Erziehung der Jugend treu und mit Erfolg arbeiten, ist es schwer, die winzige Schaar der religiösen jungen Leute, diese Minorität der Minorität Nöiy’Di iM'U'v für die künftige Generation gegen die anflürmenden Verlockungen, oder anch, wie man sagt, Anforderungen des Lebens zu schützen und aufrecht zu erhalten. Denn ist auch dic religiöse Erziehung eines Knaben gelungen, ist es auch gelungen, ihn in ein Haus in die Lehre zu geben, in welchem Sabbat und Feiertage heilig gehalten werden, so steht der junge Mann nach Beendigung seiner Lehrzeit, wenn ihm nicht Verwandtschaft oder Protectionen in der merkantilischen Welt zur Seite stehen , nicht selten vor der leidigen Alternative, entweder brodlos zu sein, oder seiner religiösen Erziehung den Rücken zu kehren. Auf beibeu Seiten aber Droht ihm Gefahr, ist rv.tysj h:dd, hier für seinen Körper, dort für seine ^eele. Der junge Mann erschrickt vor dem Gedanken, mit dem göttlichen Gesetze zu brechen, wie bei der trüben Aussicht, am Hungertuche zu nagen, und zum Lohn für seine Glaubenstreue der Bespöttelung anheim zu fallen. Daß die nicht charakterfesten und glaubensstarken jungen Leute in der bezeichneten verzweifelten Lage es vorzichen, mit dem Strome D’jrwn D’Dn zu schwimmen, das sind O'v bji owyn und zwar onro ir6’nn. „Jetzt bin ich dazu gezwungen," heißt es, „wenn ich erst mein eigener Herr bin, brauche ich es nicht zu thun, und werde es nicht thun." ',3'idi denn mmn 712 rutcn n-oy din po hat der Mensch" eine Sünde begangen und sie wiederholt, so scheint sie ihn erlaubt. Ist er nun selbstständig geworden, heißt es wieder: „Warum soll ich pür mich nicht thun, was ich für Andere gethan habed" ib üb) üün din p-r. Diesem für jeden orthodoxen Israeliten fo schmerzlichen Uebelstande, diesem schrecklichen Ueberhandnehnrcn der Irreligiosität in Israel könnte aber leicht entgegeugewirkt werden, wenn streng-religiöse Geschäftsleute, deren es, Gott sei Dank, jetzt noch viele gibt/ prinzipiell nur religiöse junge Leute in ihren Geschäften placirten, wo diese nicht nur ungestört und ungefährdet ihren religiösen Lebenswandel sortsetzen können, sondern ancf) durch das Beispiel ihrer Prinzipale in ihren religiösen Prinzipien noch erstarken. Geschieht aber nicht recht bald et was aus diesem Wege, so dürste die Zeit, wo jüdisches religiöses Leben eine Seltenheit sein wird, nicht sehr fern sein. Denn o'ro'o> yx d’hj?\n oh. Darum ■69 on« -»jidn 'übt? ai'bü v'p'rr D29n, die Ihr für die Erhaltung unserer heiligen Religion so Vieles thut und keine Opfer scheut, nsyi 121 O2) an denket nach, wie das eben Angedeutete zu bewerkstelligen ist. .tz. Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Wien. Ein Jsraelite, Namens Heinrich, Zögling des hiesigen Lchrerpädagogiums, ist zum Volksschullehrer der Commune Wien ernannt worden. Die „Wahrheit" bemerkt hierzu sehr richtig: „Ist es jedenfalls als ein Fortschritt bemerkens- und anerkennenswerth, wenn einzelne, durch Talente und Leistungen ausgezeichnete Israeliten zu Ehren und Würden gelangen, während früher das Gesetz selbst dem Verdientesten den Weg dahin verschloß; so hat es doch höheren Werth, daß endlich auch die nicht über die Grenzen des Gewöhnlichen hinausrcichende Kraft durch den Glauben in ihrer Verwendung nicht behindert wird. Und so hat die Anstellung eines Juden in einem minder hohen Amte in gewisser Beziehung mehr Bedeutung, als in einem hohen, wo derselbe wenig oder nie mit dem eigentlichen Volke in Verkehr kommt und die Vorurtheile des letzteren gegen Juden schon darum nicht beseitigt werden, weil das Volk in dem besonders Hochgestellten immer nur dl ne Ausnahme sehen und die Anstellungssähigkeit der Juden im Allgemeinen dennoch nicht erkennen wird." Vor mehreren Monaten war bereits ein Jsraelite, Spitz, bei Prag zum Volksschullehrer erwählt, ist aber bis jetzt noch nicht bestätigt. (Jsr. Wochenschr.) Aus Ungarn, im November. Dieser Tage kam mir ein Circular zu Gesicht, das aus die verkehrten Religionszustände hier zu Lande ein so grelles Schlaglicht wirst, daß ich es, feiner Seltsamkeiten wegen, der Besprechung in diesen Blättern werth halte. Der congreßliche Gemeinde - Dplnctspräsident für die Comitate Zala und Somogy, Herr Heinrich Gutmann von Gelsche, Gemeindepräses zu Groß - Kanischa, versendet an die Gemeinden und Gemeindchen seines Diftricts, welche sich vom Congresse, dessen Beschlüssen und Organen noch nicht losgesagt, d. h. an alle die Gemeinden, welche die bisherigen Zuschriften und Aufträge des lövl. Districtspräfidiums nicht mit der Erklärung zurückgeschickt haben, daß sie von all dem gar nichts wissen wollen — an diese versendet nun Herr v. Gelsche gedruckte Bogen zur Ausfüllung einiger den Stand der Gemeinde- oder Privatschulc betrestenden Rubriken. Diesem Bogen ist ein gedrucktes Circular, dalirt vom October, und eine schriftliche Austorderung vom Novenlber beigegeben. An der Spitze des Circulars steht ein Erlaß des k. ungarischeil Eultusministeriums