Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1871)
- Date
- 1871-12-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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wiewohl es männiglich bekannt ist, daß unter der ein Vicrteljahrhundert währenden Amtirung dieses sogenannten Rabbinen die Kinder nicht einmal ordentlich hebräisch lesen konnten. Was Ausdauer, Muth und einmüthiges Vorgehen vermag, das haben uns unsere Brüder in Ungarn gezeigt , deren Sache vor zwei Jahren verloren schien. Kämpfen auch wir in Deutschland rüstig und vertrauensvoll gegen jeden Gewissensdruck. Die Zukunft gehört unser ns*D D'Dar Disn xvup tpdjd bj! Zeitungsnachrichten und Correspondenzerr. Deutschland. Frankfurt a. M., 24. December. Mögen die nachfolgenden Zeilen dazu dienen, das jüdische Publikum aus Etwas aufmerksam zu machen, was für viele Leser Ihrer geschätzten Zeitschrift zu wissen vom größten Interesse sein wird. Seit einiger Zeit sind nämlich Butter- Fabriken entstanden, deren Fabrikate im Handel als Kübel- oder Faß-Butter Vorkommen. Diese Bntter wird um 4 kr. pr. Pfd. billiger gegeben, weil V3 Schweineschmalz darunter gemengt und dieses Gemisch so künstlich, gefärbt wird, daß es vollständig wie uuvermischte Butter aussieht und in den Läden als solche verkauft wird. Besonders jetzt wird dieser Artikel in den Läden sehr viel verkauft, weil Schmalz weit billiger ist als Bntter. In früheren Zeiten, da Butter 15 bis 18 kr. pr. Pfd. kostete und Schmalz 20 bis 22 kr., kam solches nicht vor. Es ist noch besonders darauf aufmerksam zu machen, daß viele Bäcker Zuber-Schmalz einkaufen und anstatt Butter verwenden; daher diejenigen, welche sogenanntes Mürbes, Kuchen oder dergleichen von Nichtjuden Bereitetes genießen,, einen vollständigen -v.d’k begehen. Schließlich will ich noch bemerken, daß die erwähnte Mischung fast nur bei Faß-Butter, niemals aber, oder doch höchst selten bei frischer Butter, die man von Oekonomen oder Bauern kauft, vorkömmt. Das Obengesagte verdient um so mehr die Beachtung des jüdischen Publikums, da es nicht aus Hörensagen beruht, sondern aus den Geschäftserfahrungen des -Einsenders dieser Zeilen. Auch wird eine chemische Untersuchung die Wahrheit und Richtigkeit des Mitgetheilten ergeben. S. S. Berlin. Ein schöner Zug vom geheimen Comrnerzienrath Bleichröder wird inBerlin erzählt. Einige Repräsentanten der dortigen jüd. Gemeinde, die' gewillt ist, durch die Liberalität ihrer Mitglieder, einest' '1 neuen Flügel an ihre Alterversorgungsänftatt anzubauen, i um circa 50 Hilfsbedürftige mehr aufzunehmen, gingen | mit einer Lifte herum und zuerst zu Bleichröder. Der- -3 selbe frug, wie viel er zeichnen solle. 20—25,000 TW, war die Antwort, ist die Summe, die wir zum Baue - J brauchen. Bleichröder nahm die Liste und schriE J| „Fünfundzwanzig Tausend Thlr, zahlbar an die jüd. Ge- W meindc zur Erbauung eines neuen Flügels für deren -H Alterversorgungs - Anstatt," und. fügte lächelnd hinzu r l „Hier haben Sie, was Sie brauchen, nun gehen Sie J aber nicht weiter, ich zahle Alles!" M Detmold, Ende November. iid n2v - j niüön „Der Sabbat wiegt so viel, wie alle übri^ |j gen Gesetze." So hyperbolisch dieser Ausspruch unserer W alten Weisen auch klingt, so glänzend hat er sich be-- M währt. Durch die Sabbatruhe wird nicht nur der sie- H bente Theil der Woche ernstem Nachdenken gewidmet,' ' M sondern ein noch viel größerer Theil des Lebens der A Erbauung und Bildung des Herzens und des Geistes I gewonnen, und der Mensch ist nicht mehr ganz materiell. J| Gewohnt im Vertrauen auf den allmächtigen Herrn dev' || Welt, einen etwaigen Ausfall im Erwerb in aller Ge- H müthsnche nicht zu beachten, wird nicht nur das ükE- Z mäßige Streben nach Geldgewinn, sondern auch manche H andere Leidenschaft gemildert und für eine Idee (in der :l modernen Ausdrucksweise), für höhere Güter zu leben | erleichtert. So sehr auch der Spruch des weisen Königs: Z bnn rx „das Geld gewährt Alles," in He- J troff unserer Vorfahren eine Wahrheit war; so sehr auch früher ihre Stellung in der Welt auf Geld beruhte, mit I welchem sie nicht nur den Aufenthalt in einem Lande, "1 sondern sogar auch den Durchmarsch durch dasselbe er- § kaufen mußten, war ihnen dieses einzige Eristenzmittel f doch nicht sehr an s Herz gewachsen, daß sie nicht zu je- J der Zeit es zu humanitären und religiösen Zwecken zu % opfern bereit gewesen wären. Die alten berühmten jüdischen Tugenden, auf die wir uns noch heute etwas zu % Gute thun, mögen blos in der Heilighaltung des Sab- D bats und der Feiertage wurzeln und aus dieser heiligen | Quelle ihre Nahrung saugen. | Jetzt aber, wo selbst die, welche die Göttlichkeit des 5 Gesetzes imPrinzipe anerkennen wollen, der Meinung i sind, man könne unmöglich eristiren, wenn man nicht | die ganze Woche arbeite, beherrscht die materielle Ger winnsucht unablässig den ganzen Menschen; sein Blick, unverwandt aus das Aeußere gerichtet, gestattet ihm kei- | nen Einblick in sein Inneres, aus seine geistige Natur ) und ihre Psiege, und niedriger Eigennutz erstickt jede | bessere Regung seines Herzens; ja selbst seine Wohtthätigkeit hat, statt jener alten Opferwiüigkeit, einen Anflug eigennützig berechnender Zweckmäßigkeit.