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Der Israelit · 1871-12-06 · Heft 49 (6.12.1871) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 49 (6.12.1871)
Date
1871-12-06
Page
– (sequence 18)
Language
German
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920 KWchtheft über bie Kntstchung des Kanon. Von vr. A. Sulzbach. (Fortsetzung.) Me dm Zeugnisse, die aber Gr. anfichrt, sind nach feine*; Meinung unhiftorisch, und doch sollen sie etwas Mveisen. Meso? Gr. erläutert e§ uns: ,,Der einzige Wuflt, in dem alle drei Zeugniffe übereinstimmen, ist dgß.-zur Zeit Nehemra's oder der großen Versammlung etwas über die heilige Literatur feftgestellt wurde". Jeder der Autoren habe von der Thätigkeit der synag. magna eine dunkle Prellung gehabt und haben die Thättgkeit derselben WMrt... Wir hätten hier einen vollständigen «7 vrM .niiv.i iu.-l .17 '«12 .17 'ui, wenn man mir dem IM» riwn nun so willkürlich verfahren könnte, wie Gr. eßithut. Wenn der einzige Punkt, in welchem diese. drei Zeugnisse übereinstimmen, kein anderer wäre, als daß zur Zeit der syng. magna »etwas über die heilige tzifeyatur feftgestellt wurde,- so möchte vielleicht ein Anhaltspunkt gegeben sein, daß die syn. magna nur den Pxophetenkansn geschlossen habe, aber der nwn nun ist e^as umfangreicher, und dies scheint Gr. übersehen zu hy^n: alle drei Stellen stimmen nämlich darfst überein, daß die syn. magna nicht allein PropheLenschriften, sondern auch Hagiographen geordnet und kanonisirt habe. Dfefe drei Stellen legen also in ihrer Gesammtheit entschieden Zeugniß gegen Gr.'s Hypthese ab. Gr. , in seiner Meinung, daß die syn. magna nur den Pwphetenkanon fixirt habe, sucht einen Grund für. dieser Thätigkeit und findet dieselbe als nothwenoige Folge einer andern Einrichtung, der Einführung derHaftaroth. Es seien nämlich die Haftaroth als Opposition gegen den Samaritanismus, welcher die Heiligem .des Tempels zu Garizim gegenüber der des zu Jerusalem behauptete, eingesührt. Denr Ueberlaufen zu den Samaritanern seitens der Juden, die seit der Erbauung des Tempels auf Garizim, durch Sanballat angtzlockt, nicht selten übertraten, sollte ein Damm entgegengesetzt werden, tund so sei es nicht unwahrscheinkich, daß die große Versammlung eine Einrichtung getroffen hcche, um die Heiligkeit Jerusalems und des Tempels zum steten Bekenntnisse zu machen. „Durch die Verlesung aus den Propheten sollte dein Volke die Uebeizeuguirg eingeprägt werden, daß die Gottesmänner die Heiligkeit Jerusalems und des Tempels betont haben. Zu diesem Zwecke scheinen die Haftaroth eingeführt und zwar von der großen Versammlung eingeführt worden M sein," ä&tni aber die^ Propheten zu öffsEichek Vorlesungen dienen sollt«:, so mußte fchgefteüt sverden, welche Schriften dazu gehörten, „mit einem Worte der Propheten-Kanon mußte abgeschloffen werden. Die anderweitigen Schriften, welche damals schon vorhanden waren, konnten zu diesem Zwecke nicht dienen. Aus de» Propheten sprach Goft; daher konnte durch sie aMn die Ueberzeugung bestätigt werden, daß Gott nur Jerusalem und dessen Tempel zu feinem Sitze errichtet habe". (S. 156 ff.) Gr. ist hier auf eine glückliche Idee gerathen, die er aber nicht auszunützen und richttg anzuwenden weiß, und daher wieder in grobe Fehler verfällt. Wenn die Haftaroth die Heiligkeit Jerusalems und des Tempels den Samaritanern gegenüber betonen sollten, so hätte eine ganz andere Auswahl getroffen werden müssen. Es hätten, wenn auch nicht alle, doch die meisten der Haftaroth Hinweise auf die Heiligkeit Jerusalems und des Tempels enthalten sollen und doch ist nicht einmal in dem vierten Theil derselben der Stadt Jerusalem oder des Tempels Erwähnung gethan, und da, wo Jerusalems erwähnt wird, geschieht es wenigstens zur Hälfte, um auf das Strafgericht hinzUweisen, das die sündige Stadt treffen soll. — Die anderweitigen Schriften hätten diesem Zwecke nicht gedient? Gibt es vielleicht eine größere Verherrlichung dek Stadt Jerusalem als die bittere Klage Jeremias über den Fall der Stadt? Und verherrlichen nicht eine große Menge der Psalmen Jerusalem und den Zionstempel in den mannigfachsten Variationen? Der Kanonabschluß hat zu der Einführung der Haftaroth keine Beziehungen. Warum man aber nach der Rückkehr aus dem Exil an die Fixirung des Kanon ging — dafür gibt es eine weit einfachere Antwort, als die Gr.'s. Die Pflege der nationalen Literatur ist Lebensbedingung eines jeden Volkes, ist aber ein Volk entartet, hat es das nationale Bewußtsein verloren, so ist, wenn Schicksalsschläge die Entartung des Volkes bitter an ihm gerächt, haben, eine Regeneration nur dann möglich, wenn es zu seiner vaterländischen Literatur wieder zurückkehrt. Diese Rückkehr ist das erste Symptom des wiedererwachten nationalen Bewußtseins. Das lehrt uns jedes Blatt aus der Geschichte. Die Männer der syn. magna hatten sich die Aufgabe gestellt, den jüd. Staat wieder zu regeneriren, mußte es da nicht ihre erste Sorge sein, das nationale Schriftthum zu sammeln, und dem Volke die Bücher der gottbegeisterten Männer, die früher vom Volke nicht verstanden waren, weil das Geschick sich »roch nicht erfüllt harte, in die Hände zu geben, das aber durch bittere Erfahrung gelernt hatte, wie Gott durch den Mund jener Männer gesprochen, da das, was sie vorausgesagt, wörtlich in Erfüllung gegangen war? Die Worte der Propheten sollten trösten, ermahnen und erheben, die Psalmen sollten begeistern, die Sittenlehren eines Salomo n. s. w. sollte belehren, die Geschichte bis aus die damalige Gegenwart sollte das Andenken an.

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