Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1871)
- Date
- 1871-12-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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907 Strenge verbunden mit Menschenkenntnis sind dieFactoren, oelcke zu solch einem Vorhaben befähigen und diese Lgenschasten scheinen namentlich dem Minister Costafc in hohem Grade eigen zu sein. Wir entnehmen d's einigen Stellen aus der Beantwortung der fragliän Interpellation, in denen der Minister dieBestrebtttzen der Umsturzmänner mit scharfen Strichen kennzchnet nnd auch sein künftiges Verfahren gegen dieselbn nnverholen kundgibt. Unsere oft ausgesprochene Ansich, daß alle die großen Schreier, welche nicht ermüdet, über die Beeinträchtigung der Freiheit zu jammern,die Unterdrückung der rumänischen Nationalität zu belagen, nach Gerechtigkeit zu schreien, während sie selbst ür die Unterdrückung anderer Nationalitäten arbeitet und in ihrem dunklen Drange die Freiheit selbst tagtälich schänden, diese unsere Ansicht, daß die heulenden verwische der Opposition, meist aus brodlos gewordnen untauglichen Deamtert bestehen, die sich rächen wolla, findet in den Worten des Ministers Costafor seine bolle Bestätigung. Erst bewerben sich diese Leute um stellen, und wenn ihnen solche, auf Grund ihrer Unfhigkeit, verweigert werden, grüirden sie Journale undbeanspruchen Subventionen voll der Regierung, um ihr angeblich unter die Arme zu greifen. Wenn nun die Regierung solche Gesuche abschlägig beantwortet, so schlgen sich diese Ehrenmänner zur Opposition und rääen sich durch Verleumdung und Agitation. „Ich Hab sie alle davongejagt, die zu dieser Eligne gehören uw Subvention verlangten/' sagte Costafor und es ist um auch kein Räthsel mehr, weshalb so zahlreiche Oppoitionsblätter existiren. Herr Desliu, der von seiner Partei mit richtigem Knnerblick dazu auserlesen war, die erwähnte Jntervdcition einznbringen — denn cm Atann mit einem Qteutchen mehr Verstand, als Herr Desliu, hätte sich in Senate nicht dazu hergegeben — hat seiner Partei eilen sehr schlechten Dienst erwiesen, denn er hat sie, ab ihr Repräsentant, lächerlich gemacht. Das einzig <rille, das sie aus der großen Schlappe, die sie erlitten hct, ziehen kann, wäre die nützliche Lehre, sich bei Leiter zurückzuzichen, da ihr unter den gegenwärtigen Hup stmdcn jede Möglichkeit entzogen ist, Lorbeeren zu eriten. Selbst das schwere Geschütz, welches die Opposition inmer in's Feld zu führen pflegte, das letzte Mittel, nenn man ihr das Terraiil streitig zu machen drohte: sie Fremdennnd Juden frage, verfängt bei diesem Milisterium nicht, da es selbst den Versuch, sich durch Anseindung und Unterdrückung fremder Nationalitäten und Religionen, Popularität zu erwerben, verschmäht. Auch hierfür zeugen die Worte, die Herr Costafor dem antediluviaruschen Senator in's Gesicht schleudert, als dieser >ie Zulässigkeit der Inden als Schiedsrichter für eine Beschimpfung der Freiheit nnd für einen Verstoß gegen die Constitution erklärt: „Ich kann den Juden - — sagt der Minister — ein natürliches Recht nicht verwehren, nämlich solche Personen als Schiedsrichter zu wählen, denen sie ihrVertxauen schenken; ich kann unmöglich so ungerecht gegen Menschen sein, denen man sonst keine Schuld zumessen kann, als die, daß sie in einer anderen Religion geboren sind. Ich werde Beschränkungen gegen Niemanden, gehöre er welcher Nationalität immer an. dulden. Jedermann soll es freistehen, seine natürichen Rechte auszuüben." Solche Worte sind aus dem Munde eines nunänischen Ministers schon lange nicht gehört werden, und es ist nicht zu bezweifeln, daß ein Mann, der sich nicht scheut, so überzeugungstreu zu sprechen, seine Worte auch zur That machen werde. Während solchermaßen im Regierungskreise selbst die Initiative ergriffen wird, um zeitgemäße Reformen eiuzuführen und den Geist der Duldsamkeit feftzubanltcit, tagt in Bukarest der erste rumänische Journalistenkongreß und stellt Prinzipien auf, die künftig alten Theilnehmern zur Richtschnur dienen sollen, Prinzipien, die dem niedrigen Geiste dieser Sippe vollkommen entsprechen. Wie aber Bosheit und Unverstand niemals Anspruch auf Dauer und 'Nachhaltigkeit haben, so trug auch dieser Congreß, obschon aus Gesinnungsgenossen zusammengesetzt, die sich gegenseitig an Lobeserhebungen stets überboien, den Keim der Zersetzung in sich. Vier Artikel, die von einer Majorität angenommen wurden, veranlaßten die Minorität, welcher diese Punkte noch zu anständig uud vernünftig waren, aus dem Congreffe auszuscheiden und den zurückgebliebenen Kollegen den Krieg zu erklären. Gleichzeitig veröffentlicht auch diese Minorität ihre eingebrachten und durchgefallenen Amendements, damit das Publikum zwischen den streitigen Parteien richten könne. Während nämlich die Majorität einen Artikel adoptirt hat. in welchem es heißt, „daß die Nationalität und die Interessen der Freiheit allein zur Richtschnur dienen mögen," sieht die Minorität hierin eine heimliche Begünstigung der Juden, „denn — so argumentirt sie — die nationalen Interessen erheischen die Einbürgerung der Juden, während die Interessen der Freiheit dies verbieten." So einfältig diese Behauptung ist, so wird damit der armen Majorität noch außerdem großes Unrecht zugefügt, denn in Bezug auf die Juden versteht sie eben so wenig Spaß wie die Minorität. Zugleich verlangt diese, daß den Juden das Recht entzogen werde, in den Landgemeinden zu wohnen, Nahrungsmittel zu innlanfcn, Aerzte und Apotheker zu sein x., ja daß künftighin keinem Juden gestattet werde, die Grenze zu üverichreiten, während die Majorität die Unterdrückung der Juden im Allgemeinen verlangt, und sich wahrscheinlich Vorbehalt, den Modus je nach den Umständen, wohl auch je nach dem