Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1871-12-06 · Heft 49 (6.12.1871) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 49 (6.12.1871)
Date
1871-12-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447499-2447547--09925-2465644
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

906 die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, wenigstens für j die nächste Zukunft nicht, realisirbar sein werden. j Nun, ein solcher Verein, dem wir übrigens alles s Gedeihen wünschen, hat sich couftituirt; ein provisorisches i Comite: die Herren Rabbiner Guttmacher in Grätz, Rabbi Hirsch Kali sch er in Thorn und Rabbinats- Candidat Skutsch in Frankfurt a. M. stehen an der Spitze; dieselben haben einen Aufruf erlassen, und die politische Tagespresse hat Notiz davon genommen, freilich in ganz eigenthümlicher Weise. Durch die^ Zeitungen ging nämlich die Nachricht, daß unter den Juden eine überraschende Bewegung ausgebwchen sei; sie bezweckten , Palästina durch Juden zu colonisiren und so die Wiederherstellung des jüd. Staates anzubahnen. Diese Nachricht, auch vom „Leipziger Tageblatt" mitgetheilt. hat Herrn Wachtel in Harnisch gebracht; er erklärt die Juden, welche um die Rückkehr nach Palästina beten, mit Bewußtsein beten, für nicht „bei Sinnen"; er nennt den Wunsch der Rückkehr in das heilige Land „eine Blasphemie", „pfäffttche Gelüste für eine unfehlbare jüdische Dunaftie"; er schimpft bei diej fer Gelegenheit recht weidlich auf die „Gesetzestreuen", I nennt sie „Ableger der Pfaffen, die vor zweitausend | Jahren den Untergang des jüdischen Staates verschuldet j hätten", macht sich über die von Israel erhoffte Wiej derherstellung des alten Gottesdienstes im heiligen Tem-? pel lustig x. x. — Das ist der Mann, den der „Ge-! lneindebund" anssandte, um für iln: Propaganda zu ' machen.! Jeitungsnachrichteu und Correspondenzeu. T e u t s ch l a n b. Berlin. Berliner Blätter melden: die Sitze in der hiesigen Sunagoge werden sehr theuer bezahlt. Um sich von diesen rheucrn Sitzen einen Begriff zu machen, erwälmen wir blos. das; ein hiesiger Gläubiger fernem Schuldner den Tempelsitz für die Schuld von 200.000 Thalern in Beschlag genommen hatte. Der Inhaber dieses Sitzes ist ein russischer Jude, der nur zu bestimmten Zeiten nach Berlin kommt. Wenn rum dieser Schuldner seine Schuld nicht bezahlt, so wird der Sitz 1 licitwt werden und der Preuße wird nicht blos dre Schuld decken, sondern wird noch einen Ueberschuß auf-! zuweisen haben!!! ' Leipzig. Der Rabbiner der Brodver Synagogengemeinde, Herr Simon Hnrwitz, hielt Montag, den s 7. Äislev, einen über den so früh dahingeschiedenen R. Jos. Hirsch in Halberstadt ab. Alle Anwesenden rvaren von der bei dieser Gelegenheit gehaltenen Rede tief ergriffen. Leipzig Wir meldeten in voriger Nummer, daß ein am Leipziger Bezirksgerichte angestellter Referendar jüd. Konfession gegen die in Sachsen noch bestehende Beschränkung, daß jüd. Richter den Eid nicht abnehmen dürfen, beim königl. sächs. Justizministerium Verwahrung eingelegt habe. Da diese zu keinem Resultat geführt' hat, so ist der erwähnte Referendar, Th. Wachtel, nunmehr definitiv um seine Entlassung aus dem Staatsdienste eingekommen. Hoffentlich, schreibt die „D. Allg. Ztg.", wird in der bevorstehenden Landtagssession von der einen oder der anderen Seite Veranlassung genommen werden, den Bescheid des Justizministeriums zur Sprache zu bringen und die Abschaffung jener gänzlich veralteten Beschränkung herbeizuführen. Donaufürstenlhümer. Bukarest, 23. November. Das interessanteste Ereigniß der letzten Tage ist unstreitig die Interpellation des unseren Lesern bereits bekannten Senators Desliu. Nicht deshalb etwa, weil es dem Publikum abermals vergöunt war. sich über den Verfasser des Briefes an den Fürsten Bismarck und des Anti - Judcnprojcctes zu belustigen; nein, denn es kann nur Bedauern erwecken, meint sich im Schooße des Senates ein Mann erhebt; der durch seine Reden den unzweideutigen Beweis liefert, daß er zu jener Elaste von Menschen gehört, die man sonst nicht ohne Aufsicht frei umhergehen läßt. Das Interessante an der Interpellation war — und dafür sind wir Herrn Desliu zu besonderem Danke verpflichtet — daß er dem Minister Costafor. welchem man eben nicht nachsagen kann, er sei mit seiner Meinung zurückhaltend, Gelegenheit gegeben hatte, sich über einige wichtige Punkte ini Allgemeinen auszusprechen, sowie m die Politik, welche das gegenwärtige Ministerium verfolgt, einen tiefen Einblick zu gestatten. Di sc Politik besteht daran, mit den Traditionen der Vergangenheit unbedingt zu brechen, jede Agitation mit starker Hand niederzuhalten, dem Vorurtheile keinerlei Eoncessionen zu machen, dem Gesetze Achtung zu verschaffen, die Menschenrechte — auch der Nichtrumänen — zu wahren, sowie den geistigen und materiellen Interessen des Landes Rechnung zu tragen. Es ist eine schöne Aufgabe, ein hohes Ziel, welches sich diese Regierung gefetzt, zu besten Erreichung ein Menschenaltcr wohl kaum genügt, wenn man in Betracht zieht. daß manche Verhältnisse von Grund aus neu umgestattet werden müssen, ja daß erst sogar ein empfänglicher Boden geschaffen werden muß, damit die Aussaat nicht verkümmere. Ausdauer, Energie und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.