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Der Israelit · 1871-11-29 · Heft 48 (29.11.1871) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 48 (29.11.1871)
Date
1871-11-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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896 der letzt stattgefundenen Sitzung entschied, daß die Eltern ihre Kinder in der Religion nach Belieben unterrichten lassen können, jedoch verpflichtet sein sollen, ihre Kinder mit Ende des Schuljahres vor einem autorisirten Religionslehrer die Prüfung ablegen zu lasten. Italien. Der rühmlichst bekannte, gelehrte Reisende, Rabbi Jakob Saphir aus Jerusalem, hat unlängst Italien durchreist; derselbe berichtet in der hebräischen Ausgabe des „Israelit" über die Zustände unserer Glaubensgenosten in dem genannten Lande in ausführlicher Weise. Wir wollen hier einen Auszug aus diesem Berichte geben. Der Reifende constatirt, daß noch vor ganz kurzer Zeit, vor 20, ja noch vor 10 Jahren, unsere Glaubensgenoffen in Italien sich durch Frömmigkeit, Thorakenntniß und Gottesfurcht auszeichneten. „Noch vor zehn Jahren," ruft er aus, „waren in den meisten italienischen Gemeinden die Gotteshäuser Morgens und Abends gefüllt, alle Rabbinen und viele Hausväter waren in talmudischer Gelchrsamkeit versirt, lernten täglich und suchten ihre Kinder zur Gottesfurcht zu erziehen; fast alle Haushaltungen entsprachen dem jüdischen Religionsgefetz und die Gemeinde-Institutionen wie Mikwah k. waren nicht allein im besten Zustande, sondern sie wurden auch fleißig benutzt, lind in dem kurzen Zeittaume von zehn Jahren hat sich das Alles auf's Traurigste verändert. Selbst in den größten Gemeinden findet sich die ganze Woche hindurch kein rmpy pjo in der Synagoge ein; 'o betet man denn — selbst imir nrnp ,tsrnp ohne Minjan! Der Rabbiner, der Cantor. der Synagogendiener, einige Leidtragende und Jahrzeitfeiernde! „In einigen Gemeinden hat man prachtvolle Synagogen gebaut und dieselben mit allen Requisiten der Reform, Orgel rc. versehen, angeblich um die Leute zu veranlaffen, die Synagogen fleißiger zu besuchen. Aber die reformirten Bethäuser sind sogar am Sabbat leer, während die unreformirten sich eines bedeutend zahlreichern Besuches erfreuen. „In der großen Stadt T. gibt es drei uralte, große Synagogen; in der einen wird nach italienischem, in der andern nach deutschem, in der dritten nach sephardischem Minhag gebetet; diese Synagogen sind noch heute schr besucht und völlig ausreichend für den Gebrauch. Aber die Vorsteher der Gemeinde wollten einen neuen Tempel bauen, einen Prachtbau austühren. Viel Geld wurde gesammelt, und die neue Synagoge sollte das schönste Bethaus in ganz Italien geben. Drei Jahre lang wurde gebaut, und eine Million Francs wurde verausgabt; da stockte der hatbvollendete Bau. Seitdem dieses Project in der Ausführung begriffen, hat in T. jede Wohlthätigkeit für Einheimische. wie für Fremde aufgehört, und wird etwas Derartiges angeregt, so gibt I es nur eine Antwort; „Wir haben einen neuen Tempel | zu bauen." j „Trotzdem man mit traurigen Herzen dieses halbausgebaute Gebäude bettachtet, kann man doch nur wünschen, daß es nie vollendet wird. Der Styl, in welchem das Gebäude errichtet wird, ist der eines Theaters. Fern von dem Wohnsitz der meisten Juden, sollte es einen Reformtempel mit Orgel rc. geben und nach der Vollendung desselben sollten die alten ehrwürdigen Synagogen geschloffen werden. „In einer andern Stadt Italiens, T ... ger, ist die Ehrfurcht vor der Thora so weit gesunken, daß der Rabbiner diejenigen, welche nach alter jüdischer Sitte die Sepher Thora küssen wollten, als sie aus der heiligen Lade genommen wurde, anschrie: „Was soll das bedeuten, daß Ihr gegerbtes Kalbfell küsset!" „In der Stadt V. verlangten die Vorsteher, daß man die Sepher Thora nicht bekleide, sondern daß man , sie nackt aus der heiligen Lade nähme, da auch bei den Processionen der Katholiken ....... die Entrüstung hindert uns, den Satz zu vollenden. Der Rabbiner gewährte jedoch die Forderung nicht. „In T... verlangte der Rabbiner, daß die Besucher der Synagoge, die t bzr p^sn auf dem Rockärmel lägen, da es sich nicht schicke, in der Synagoge den Arm zu entblößen!! „Eine üble Gewohnheit, die sich nirgendwo anders findet, ist auch die, daß Frauen und Mädchen als Lchrerinnen für Knaben verwendet werden. Diese Lehrerinnen sind allerdings sehr geschickt; sie lesen und verstehen sogar die Bibel im heiligen Urtext und sind sehr. erfahren in der hebräischen Grammatik; doch ist solches Verfahren, daß Frauenzimmer halberwachsene Knaben unterrichten, gegen alle Sitte und speciell gegen das jüdische Religionsgesetz. Für den höheren jüdischen Unterricht in Mischnah, Talmud rc. findet sich in Italien keine Pflanzstätte mehr. Was soll daraus werden? 2'V'N px px ox! Auch an den heiligen Abrahamsbund hat man schon die frevelnden Hände gelegt und allerlei Aenderungen in Bezug auf Mezizah und Periah angeordnet. Gott bessere es! (Fortsetzung folgt.) P a l S ft i n a. Jerusalem. „Habazeleth" meldet, daß dieses Jahr der Regen zur rechten Zeit eingetroffen und es so stark geregnet hat, daß auf eine reiche Ernte gute Aussichten vorhanden sind. Dasselbe Blatt berichtet weiter, daß die türkische Regierung einen größeren Gütercomplex in und um Jericho verkaufen will. Jericho selbst, die frühere Palmenftadt, ist verwüstet, es befinden sich daselbst nur noch 12 Hütten, in denen 200 Personen leben. Ein Drittel von Jericho soll den jetzigen Einwohnern verbleiben und

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