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Der Israelit · 1871-11-29 · Heft 48 (29.11.1871) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 48 (29.11.1871)
Date
1871-11-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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890 4 l was Herr Dr. I. für Erhaltung der Thora positiv oder k negativ leistete, wissen wir so ziemlich, und was er Großartiges für die Wissenschaft wirkte, nicht minder, oder eigentlich wir wiffen Nichts, da sich seine ganze - literarische Thätigkeit auf Edition einiger alter oder ki= I tener Werke und einige feuilletoniftische Aufsätze beschränkt, wofür ihm Brockhaus den Morenutitel des ersten Kab- (' balisten unserer Zeit verlieh; doch um gerecht zu sein tz : und der Wahrheit die Ehre zu geben, müssen wir ge- L stehen, daß er auch das Verdienst hat, fast keine der von ihm f, gehaltenen Reden, wenn sic auch noch so gehaltlos und £ inhaltslos waren, der Nachwelt vorenthalten zu haben, l . da er auch dadurch in die Lage kommt, seinen nicht £* . etwa durch übermäßiges Wohlthun zerrütteten Finanzen, l sondern durch übertriebene Bücherleidenschaft und die Sucht, seine reichhaltige Bibliothek Luxuriös auszustatten r, - und noch zu vermehren, ein wenig aufzuhelfcn. Nach : dem bekannten Spruche din pw -osy aip on« P, . jntn iDsy O’tPD hält Herr Dr. I. sich für den ersten < -Redner und citirt oft selbstgefällig über sich Bileams - Morte: 7,82 sr^r« 'na s'vr, selbstverständlich muß er dann f seinen Amtsbruder nrD für yo b nax ns -oa gelten lasy sen, um an sich zu bewähren das ’\t ynx pn«i( § darum ergriff er auch diesmal die Initiative und forderte zuerst znr Subvention dieser hier in ihrer Art einzigen Schule auf; mit welchem Erfolge, ist bei dem selbstverschuldeten und selbsterzeugten Jndifferentismus der hiesigen Gemeindemitglieder gegen alles specisifch Jüdische? leider leicht zu errathen, denn man spendet nur gern da,; wo man öffentlich genannt wird, und auf Ehre und Ordensdecoration Aussicht hat. Gleich feinem Namens- . bruder Aron sollte sich Herr Or. I., obwohl älter, dem - Principe des Collegen wenigstens in der Praxis unterordnen, indeß will er umgekehrt auf diesen bestim-! mend einwirken, was nur Schaden bewirken mußte für das allgemeine Beste. Andererseits halten wir es für unsere Pflicht, Herrn Dr. I. darauf aufmerksam zu! machen, er möge lieber erst vor Allem vor seiner eige-! ' iteit Thüre kehren und die neben seiner Wohnung im sel- . ben Hause sich befindliche Religionsschule etwas besser . inspiciren, denn daselbst wird absolut Nichts geleistet. 1 - Die daselbst fungirenden Lehrkräfte sind wenig beliebt, [ diese kleinen Männlein spielen so gerne die großen Tyrannen; nicht als ob sie von der Jugend zu viel Hel bräisch forderten, im Gegenthcile, sie verlangen zu we-! nig; sie zerstückeln die Bibel, reichen den Unterricht wie! eine Medicin in kleinen Dosen, dp *vyi cnv -py?,! lassen die Kinder von der Himmelskost nur kosten, ohne 1 dadurch ihre geistigen Augen zu sehr zu erleuchten, so 1 daß diese kaum äs omnibus aliquid, de toto nihil 1 wissen, denn indem der Text aus dem Zusammenhänge gerissen wird, hat man vom Ganzen keinen Begriff. - Die moderne Religionsschule verfährt mit der Bibel, wie die Neuerer mit der Reform, die auch von kleinen, unbedeutenden Dingen ausging. Zuerst hieß es, man will ja nur die ungeeigneten Stellen und zu schwierigen Partien einstweilen weglaffen, und bald erklärt man fast Alles für nicht geeignet. Bezüglich des Verhältnisses der Talmud-Thora zur Religionsschule konnte man recht gut das paffende Gleichniß vom xd anwendeu; Letzterer wäre mit dem schlechten Lehrer zu vergleichen, der, um sich bei seinen Schülern beliebt zu machen, ihnen alle Freiheit erlaubt; sie brauchen nicht aufmerksam, fleißig, sittlich zu fein, brauchen nicht die Schule regelmäßig zu besuchen, keine Hausaufgaben zu arbeiten, nichts zu wiederholen u. dergl.; umgekehrt macht es der gewiffenhafte Lehrer Dn"y\ Die vernünftigen Eltern werden wohl wiffen, welchem von Beiden sie ihr Vertrauen zuwenden sollen, um das spätere Wohl und ewige Glück ihrer Kinder zu begründen. Die Nutzanwendung dieses Gleichnisses auf die beiden hiesigen Prediger überlassen wir dem Leser. Wenn man Herrn Lehrer Hammerschlag ansieht, möchte man fast nicht glauben, daß in diesem kleinen, stillen, unansehnlichen Männchen so viel Stolz verborgen sei. Durch fein schroffes, stolzes, barsches und unfreundliches Benehmen gegen Privatlehrer und Schüler sucht er die zur Prüfung Kommenden zu erschrecken; zudem hat er leider das Unglück, wenig zu hören, was die Kinder aber fühlen müssen, indem sie oft, nochmals gefragt, in der Meinung, sich corriairen zu müssen, anders und schlecht antworten. Die Religionslehrer ziehen durch ihr arrogantes Auftreten der Religionsschule das Odium des Publikums zn. und sie werden es sich selbst zuzuschreiben haben, wenn die Eltern mit der Zeit durch vereintes Vorgehen es erreichen werden, daß der Religionsunterricht unobligat werde, was auch uns viel lieber wäre, als ein Unterricht, der nicht halb, nicht ganz ist; bann würden wenigstens die wenigen Eltern, die noch auf das Hebräische Gewicht legen, sich nicht mit einem so kraftlosen Surrogat begnügen, sondern sich vielmehr auf den häuslichen Unterricht verlassen und einen in seinem Fache tüchtigen Lehrer für ihre Kinder zum Religionsunterrichte nehmen. Würden die gleichgesinnten Glaubenstreuen, wahrhafte Jehudim Wiens in dieser Beziehung sich verbinden und gemenschaftlich einen Protest und eine Petition an die Directionen der Schulanstattcn richten, so könnten sie es sicherlich durchsetzen, daß man nicht an die Religionsschule der Cultusgemeinde gebunden wäre, solange diese nicht ihr bisheriges Programm verwirft, und die Lehrer der Talmud-Thora sollten auch das Recht haben, giltige Zeugnisse über den genossenen Religionsunterricht zu ertheilen. Ueberhaupt könnte nur die Talmud-Thora diesen und andern Uebelständen dauernd abhelsen, wenn sie, wie ich es schon mehrmals zu betonen Gelegenheit hatte, ihren Zöglingen ermöglichen würde, auch die Curse des Untergymnasiums und die Unterreatschule daselbst durchzumachen, die Kinder müßten nicht, wie in der Religionsschule w*n nxia hebräisch lernen, in Bezug auf rotp mit der religiösen Erziehung im Elternhause.

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