Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1871)
- Date
- 1871-11-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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869 Trotz des hohen Atters unserer Nation sind wir zung> Lebendig, frisch, thätigund thatkroftig; trotz aüer Verfolgungen haben wir uns nichts rauben lassen. Unsere - Lehre, unsere Religion, unser Glaube, unser Gesetz — sie find unverstümmelt und unverkümmert. -Und die Thoren aus unserer eigenen Mitte, die unsere Heiligtümer zu verstümmeln und zu verkümmern trachten, sind eben nur Thoren. Was seit Antiochus Epiphanes all den großen und kleinen Tyrannen, Königen, Kaisern und den mächtigsten Nationen nicht gelungen — das sollte diesen jüdisch-unjüdischen Pfäfflein gelingen? Blicket aus die Lichtleinsie brennen jetzt zweitausend Jahre; sie haben geleuchtet in den allersürchterlichsten Leidensperioden; sie werden auch ferner leuchten und werden niemals erlöschen. Denn die von Gottes Lehre erwärmten Herzen werden die eigene Gluth übertragen den kommenden Geschlechtern bis an das Ende aller Tage. Aber diese Gluth zu bewahren, zu erhalten, zu erhöhen, fortzupflanzen, ist unsere heiligste Pflicht. Laßt uns daher den uns jetzt gebotenen Anlaß des kommenden Jubelfestes ergreifen und diesem zweitausendsten Jahrestage himmlischer Errettung eine besondere Weihe Verleihern Vereinigen wir uns an ihm sowohl in großen wie ir; kleinen Gemeinden zu frohem Beisammensein und zeichnen wir ihn aus für die kommenden Zeiten durch Stiftungen guter, auch in der Folgezeit wohlthätig wirkender Werke, die namentlich der Verallgemeinerung, der Vermehrung des Thora-Studiums, dem besseren, gründlichern religiösen Unterrichte der Jugend gewidmet sein mögen, wo» ■pw u«n fi«n d, denn die Thora ist unser Leben und die Länge unserer Tage, und ihr verdanken wir diese Jubelfeier nach zweitausend Jahren, und aber nach Jahrtausenden wird ihr das jüdische Volk stets und immer seine Lebensdauer, seine Lebenskraft, seines Lebens stete Blüthe verdanken. Zeitungsnachrichten und Coerespon denzeu. Deutschland. Mainz,21.Nov. Die isr.Lehrerbildungsanstalt in Würzburg (Direktor: Herr Diftrictsrabbiner S. B. Bamberg er) hat in diesen Tagen ihren 7. Rechenschaftsbericht ausgegeben. Die Unterstützungen sind auch in dem verfloffenen Jahre reichlich eingegangen. Ueber die Leifttmgen der Anstatt veröffentlicht der Bericht die ossiciellen Actenstücke von Seiten der hohen Bayrischen Regierung, die sich sehr ] belobend arrssjwechen. 20 Zöglinge erhielten un-SAtzeitlich: Unterricht, Kost, Wohnung, Heizungs-Beleuchtung, und ärztliche Behandlung, : Es ist diese Anstalt von ungemein großer Mdeu- | tung. Der gediegene, tüchtige, religiöse Lehrer gereicht seiner Gemeinde zum höchsten Segen. Es ist daher--die J Heranbildung solcher das Wichtigste mit, was irgendwie : zum Heile der Menschheit im Allgemeinen und 'des Judenthums im Besondern geleistet werden kann. Möge;f daher die Theilnahme des Publikums sich immer ^mehr! der Anstalt zuwenden und möge es vor Allem -ihrem ' ehrwürdigen Gründer und Vorsteher noch lauge, lange -I vergönnt sein, dre Anstalt zu stets höherer Entwickelung, $ zu stets segensreicherer Wirksamkeit zu fördern. Was Z wolle Gott! — ' 9 Frankfurt a, M , 21. November. Durch | die Niederlegung der beiden Eckhäuser in der Boruheii mer Straße hat die Judengaffe ihren ganzen seitherigen | Charakter verloren. Die früher feuchte, kothrge und enge Straße, wo sonst in 195 schmalen< Häusern über 7000 Menschen zusammeni wohnen, ist Dank der Niederlegung einer Menge von; Häusern zu einer luftigen geworden, in welche die Sonne freundlich scheint; von ihrem ganzen früheren Charakter s ist nur noch das „Schmutzige" geblieben. Möchte cmch 1 dieses bald schwinden. Uebrigens wohnen in der Inj dengaffe nur noch sehr wenigen Inden. - Oesterreichifch-Ungarische Monarchie. i Wien. Die Königswarter'sche Trauung in IM, - über die in diesen Blättern schon berichtet worden, voll- ' zog Herr vr. Güdemann, obwohl der Bräutigam 7nd die Braut (Springer) in der Stadt wohnen, weil Herr Dr. Jellinek noch grollend und schmollend sich zurü^og über die am r\“v ihm widerfahrene Zurücksetzung, daß; statt seiner der Rabbinats-Assessor Toneles zum mm^na erkoren wurde. Herr Dr. Jellinek hatte unlängst 'die aus Effect berechnete Idee, einmal zur Abwechslung, in seiner Rede zur Unterstützung der n"v-Schule anzuregen, um das Geschäft wieder in Flor zu bringen, da die Nachftage nach Proselyten seit Einführung der konfessionslosen Civilehe sehr flau ist. Gelegentlich versetzt er den Besitzern der goldenen und silbernen Krone, den Geldbaronen, auf die er gar nicht gut zu sprechen ist, ' da sie ihn, den Besitzer der m-mro, den Vertreter und Minister der jüd. Literatur, zu wenig resdec- _ tiren, einige Seitenoiebe, weil sie auf Seite der Orrho- ' doxie sich stellen, uno ruft mit erkünsteltem Pathos aus, daß er seit Beginn seiner Berufslaufbahn für Verbrei- . tung der Thora und Wissenschaft thätig war und dies auch ferner chun wolle, solange sein beredter Mund spreche, solange seine Hand sich bewegen wird. Nun, -