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Der Israelit · 1871-11-29 · Heft 48 (29.11.1871) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 48 (29.11.1871)
Date
1871-11-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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688 I, Uidben, aber sie mußten fA. .. Antiochus, dem man deH Wnek „dH Ufr starb, und sein Sohn, AntwchM G^hMes^iMrde'Mö-^' nig der Syrer und Herr von Judäa. Da fiel es diesem Könige — freilich veranlaßt durch abtrünnige, übermüthige Juden — ein, diesem Völkchen seinen Glauben an den epHgsr Mott rauben und ihm die GrWung -er GotteAgeoött verbieten zu wollen'. * VlÄe ' gchorchten und fügten sich der Gewalt, Viele widerstanden und starben den Märtyrertod. Ach, es mußte erst recht schlimm kommen, che Juda erwachte; die Edelsten und Besten mußten erst unter tausend Folterqualen enden, das heilige Haus unseres Gottes mußte erst einer Ruine gleichen, Tausende tugendhafter Frauen und Jungfrauen mußtenerstdurch ihren Tod bezeugen, daß ihnen Tugend»knd Sitte nrchr wertst waren , als das Leben — abrr^da erwachte der judäifche Löwe und stand ein für feiwe höchsten Güter, und die hasmonäischen Helden traten an dis Spitze des aus tausend Wunden blutenden Volkes? Gott, der Allmächtige, kämpfte für sie, und die stabende Welt erblickte das Wunder, daß zahlreiche, mDtlge , gutbewaffnete , wohlorganisirte Heere von geringen Haufen schlechtbewaffneter Landbewohner besiegt und auf immer vertrieben wurden. Juda hatte nicht alhün. den Kampf ausgenommen gegen das großmächtige, syHHe Reich, es führte ihn auch siegreich zu Ende, cs ertclnAe ssine Selbstständigkeit wieder. Die gotterfüllten tMesi zogen zunächst nach Jerusalem, um den heiligen eBpel und den heiligen Dienst in demselben wieder heMstellen. Da der goldene Leuchter von den Syrern gepastbt und Mit den andern Tempelschätzen nach AntiÄyia gebracht war worden und die Sieger zu arm wären,. NM einen neuen , goldenen Leuchter hcrzuftellen, so^M'äHten sie einen Luchter aus Holz; aber — da sie o»hö \voü waren, fo^pntrfteti sie acht Tage Zeit, um Oet für den Leuchter zu bereiten, denn all das heilige O^l ibär durch die Syrer unrein geworden; doch siehe ba, ein Fläschchen fand sich noch, besigelt mit dem Sigel des. Hohenpriesters, das der Verunreinigung entgangen es reichte zwar nur für einen Tag aus, aber Gott ließ das einmal angezündete Licht acht Tage lang leuchten, Und die Weisen in Israel bestimmten eine Gedenkfeier für die großen Siege, die wunderbare Rettung Israels, die Erhaltung seines Glaubens. Wie wurde nun wohl diese Gedenkfeier eingerichtet? ,,, Morgens früh, bei Tagesanbruch, Reveille und ZMenstrerch; um 10 Uhr Vormittags feierlicher Dankgottesdienst rnit Chorgesang und Predigt. Mittags große Parade mit Janitscharenmusik, dann Festessen, Couvert drei Thaler, Abends Ball? Nein, nichts von allem Dem! In die Fußtapfen der^ Thora traten die Weisen jener Zeit. Wie die Thora die gewaltigen Ereignisse des Auszuges aus ,1 :i ' n rMHUim verewiKHatzchurMÄllMinbare Dinge, durch MiUKrückchen ungMuetW BroM^ ein wenig BitterkrM, M Stückchen LckmmesbMeki und durch das Verbot des Chamez - Genusses — also führten die Weisen zum ewigen Gedenken die Chanukah- Lichtlein, das Al- Hännitzim-Gebet und die Recitirung des Hallel ein.?weitausend Jahrö sind. an dem?kome n 2 5. Tage de s lau fett fcjeitr Mo-rtats Kislew seitdem verflossen. Unser Volk wohnt nur noch in geringen Bruchtsteilen an den Ufern des Jordan; es wohnt im Norden und Süden, im Osten und Westen, diesseits und jenseits des großen Oceans; es wohnt unter Türken und Arabern, unter Deutschen und Franzosen, unter Ruffen und Polen — aber es hat feine eigene Geschichte nicht vergessen , und die Chanukah - Achter, die von der Zeit unzerstötten Monumente der Mackabäersiege, werden angezündet an den Greinen der Wüste Sahara wie in der Londoner City, in Blockhäusern amerikanischer PrairieU wie auf den Pariser Boulevards , auf den Schneefeldern Nowgorods wie unter dem Brande der australischen Sonne. Welche Ereignisse sind in diesem ungeheuren Zeiträume über unser Volk dahingegangett! Juda erlangte Selbstständigkeit und neuen Glanz, bis es in Trümmer sank unter den Fußtritten der weltbezwingenden Roma. Damals wurden alle nationalen Erinnerungstage vergessen (rwyn rk’io Tibvo) bis auf die Ereignisse von Chanukah und Purim. Zerstreut über alle Länoer der Erde, bis zur Vernichtung verfolgt, haben wir uns inmitten alles Elends, inmitten aller blutigen Verfolgungen unfern Glauben, unsere Gesetze, unsere Geschichte bewahrt. Wo lebt auf der weiten Erde noch eine Nation, die ein solches Gedenkfest nationaler Erhebung feiert, feit zweitausend Jahren alljährlich feiert? Und welche Gefahren haben wir, hat unser Glaube, unsere Lehre, haben unsere Gesetze in diesen zwei Jahrtausenden überwunden! Wie viele Antiochus Epiphanes hat seitdem das Menschengeschlecht hervorgebracht in Rom, in Deutschland, in England, in Frankreich, in Spanien, in Portugal, in Oesterreich, in Rußland? Aus dem Schooße des Jndenthums ftieg^ eine Religion empor, die sich nicht damit begnügte, einige Lehren und Sittengesetze des Judenthums den heidnischen Völkern zu üverbnngen, die uns vielmehr zwingen wollte, den Lebensbaum Israels gegen wenige, demselben Baume entstammende Blüthen einzutauschen und an diesen Lebensbaum die fällende Axt zu legen! Und kaum sieben Jahrhunderte später trat eine andere Religion auf ähnlichen Ursprungs und mit ähnlichen Prätensionen. Und da Israel sich weigerte, an sich selbst den Mord zu begehen, da verfolgte, verhöhnte, verbannte, verbrannte man seine Glieder, und siebenzig Wölfe, unter sich in stetem Kriege^ waren darin einig, das Lamm Israel zu zerreißen^ aber unser treuer Hirte im Himmel schützte uns.

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