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Der Israelit · 1871-11-22 · Heft 47 (22.11.1871) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 47 (22.11.1871)
Date
1871-11-22
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Literarischer Bericht. Urfpmng der Sagen von Abraham, Isaak und Jacob, kritische Untersuchung von A. Bernstein, besprochen von Dr. H—n. (Fortsetzung.) Es sollen aber nicht nur Simeon und Levi, sondern alle Söhne Jacobs in diesem Abschnitte angeklagt sein, denn alle haben an der Plünderung der Stadt und am Raube Theil genommen. Nur Joseph, meint der Vers., sei als der jüngste „bei Allem natürlich unbetheiliat". Wir unsererseits finden das sehr unnatürlich, daß Jemand in einer Schmähschrift geschrieben.- „Die Söhne Jacobs raubten und plünderten" und vorausgesetzt hätte, daß der Leser hier alle Söhne Jacobs mit Ausnahme Josephs angeklagt finden werde. In diesem Abschnitt, der doch ohne Zusammenhang mit den andern Erzählungen eine besondere Schmähschrift gewesen sein soll, ist nirgends auch nur eine Andeutung davon, daß Joseph zu jener Zeit noch sehr jung war. Außerdem aber ist Levi höchstens um fünf Jahre älter als Joseph, (zwischen der Geburt Röubens und Josephs sind nur sechs Jahre und einige Monate, vergl. 1. M. XXX. 25 und XXXI. 41) bei den jüngeren Brüdern ist die Differenz zwischen ihrem und Josephs Atter noch geringer, so daß einige nur um ein oder zwei Jahre älter sind als Joseph. Welchem Leser dieser vorgeblichen Schmähschrift könnte es nun in den Sinn kommen, daß alle Söhne Jacobs am Raube betheiligt waren und Joseph allein unschuldig bliebt Noch eine Absicht soll hinter dieser Geschichte verborgen sein, die nämlich „eine alte Erinnerung an eine blutige Vernichtung Sichems durch den zum König gewählten Sohn des Gideon, der zum Stamme Joseph zahlte (Richter 6, 16), aus dem Gedächtniß der Bewohner auszulöschen". Wir konnten beim Lesen dieses Satzes nicht anders denken, als der Verf. schreibe einer erdichteten Sage die Eigenschaft einer no*7.v ms zu, die dnr.0 o'kcb -».“ibö. Oben nämlich sagt der Verf., die Sage von der Schandthat Reubens sollte unter Andern auch an die Schande des Hauses Davids erinnern, da Absatom, der Sohn Davids, ebendieselbe Schandthat verübt hatte. Beim Hause Davids also soll die Sage die Kraft haben, eine ihr ähnliche Begebenheit in Erinnerung zu bringen; was Jerobeam .1 hingegen betrifft, sott durch die Sage die Erinnerung! an einen ähnlichen Vorfall ausgelöscht werden. Dazu soll hier noch Jerobeam aus dem Stamme Ephraim für die Ehre Menaicheh's einstehen, während es doch aus der Geschichte bekannt ist, daß zwischen den Stämmen Ephraim und Menascheh während der Richtcrzeit eine Eifersucht herrschte, die sogar einmal einen blutigen 885 Krieg herbeiführte. (Vergl. Richter Vlll. 1 und XII.) In jedem Falle also ist es absurd anzunehmen, das 34. Cap. des 1. B. M. sei eine Schrift von Jerobeamsch« Tendenz. Die bitterste Schmähschrift ist nach dem Verf. Cap. 38 des 1. B. M. Diese soll von Jerobeam gegen Rehabeam, seinen Hauptfeind, gerichtet sein. Die Per- ‘ sonen sollen sämmtlich fingirt und jede derselben ein Schmachbild des David'schen Hauses sein. „Die Kanaaniterin ... ist die Frau des aufDavids Befehl ermordeten Uriah Hachitti, die David selber ehebrecherisch geheirathet. Dre Bath-Schua ist die Bathseba (1. Ehr. III. 5) . . Der älteste <L>ohn stirbt . . wie der erste Sohn der Bathseba .... Dieser soll "w geheißen haben, .... weil dies rückwärts gelesen jn „schlecht", „böse" heißt. (!?) Der zweite Sohn wird . . jjtk genannt und geht in Geschlechtssünden unter. Dieser ist Niemand anderes als jjase, der Sohn Davids (?) ... Die Thamar in der Jehuda-Geschichte ist die von Amnon geschändete Thamar, die TochterDavids (?!), die trotz ihres Unglückes und ihrer Reinheit .... zu einerPersou herabgewürdigt wird, die die Rolle einer öffentlichen Dirne spielt. Und rv?s?, der nicht stirbt: man braucht nur einen Buchstaben d seinem Namen hinzuzufügen, so erhält man nD'w, Salomo (!!!).... Es ist wahrscheinlich, daß der . . . Freund „Chirah" Niemand anders als Chiram, der König von Tyrus und Freund des David'schen Hauses sein soll. (???).„Edulam," wo Juda mit seinem Freunde sich aufhält, ist zwar der Namen einer Stadt. aber hier wahrscheinlich nur eine Umschreibung von ory, was „Sitz der Wollust" (!!??) bedeutet. Alles paßt dem Verf. hier so recht, und vergnügt spottet er zum Schluß über „die große Naivität der spätem Harmonisten, die eine so bittere Schmähschrift für Geschichte annahmen". Um die Rede nicht zu unterbrechen, haben wir unser Urtheil über die Auslegung des vorliegenden Abschnittes als Pasquill, die der Verf. trotz Chassidim und Cabbalisten durch Buchstabenversetzung, Hinzufügen der Buchstaben und Buchstabenverwechselung auf die spitzfindigste Weise ausgeführt, bloß durch Ausrufungszeichen angedeutet. Wir wollen auch mit dem Verf., der an solchen „Pschettel's" Gefallen findet, hierüber nicht rechten, sondern nur durch unwiderlegliche Beweise darthun. daß der vorliegende Abschnitt unmöglich als eine Schmähschrift auf das David'sche Hans gedacht werden kann. 1) Schon wenn man die zwei von uns unterstrichenen Sätze des Vers, einander gegenüberstellt, erscheint die ganze Hypothese als ein Unsinn. Ein boshafter Pamphletift, der selbst die unschuldige und reine Thamar als eine öffentliche Dime darfteüt, hätte dem König David gegenüber so gelinde und schonend versah-

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