Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1871)
- Date
- 1871-11-22
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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884 r ßaöttewv Ttegi avct&eßauov. Gr. meint nun zwar, daß auf diese Stelle allein nicht viel zu geben wäre, h weil* „das, was der Verf. im Vorangehenden erzählt, . wie Nehemia das heilige Feuer entdeckt, uno wie Jere- Mla in einem höhlenartigcn Hause die Stiftshüttc, die | Bundeslade und den Weihrauchaltar verborgen habe — t und das Alles soll in Schriften und Denkwürdigkeiten & niedergeschrieben sein, ich sage, das ist Alles so durchweg p sagenhaft und erfunden, daß der Verf. auch in Betreff! der Nehemianischen Bibliothek keinen Glauben ver- I diente." | Nun hat allerdings die Erzählung von der Enti deckung des heiligen Feuers durch Nehemia einen sagenlhaften Schimmer, während der Bericht, daß Jeremia b die heiligen Geräthe verborgen habe, nichts Sagenhaftes b an sich trägt. Denn sicher ist cs, daß man daran gef: dacht hat, die heiligen Kleinodien des Reichs zu derber- £ gen. sicher ist es, daß die Bundesladc zur Zeit des *;■' zweiten Tempels nicht mehr da war, wo soll sie denn hingekömmen sein, wenn man nicht schon vorher für de- - rcn Sicherstellung durch Verbergen oder Vergraben ge- % sorgt hätteUnd weil nun eine Stelle in der Erzähx lung des Makkabäerbuches sagenhaft klingt, darum soll? nun die Stelle über die Bibliothek des Nehemia keinen Glauben verdienen? Seltsame Logik! Die Stelle selbst * erscheint aber auch Gr. unglaublich, weil darin gesprochen wird „von der Sammlung der Schriften Davids und der über Briefe und avaiisßcttct der Könige" und wundert sich, „wie ein besonnener Forscher wie Bleek sie zum Ausgangspunkt für die Kanon-Sammlung hat nehmen können. Mag man den letzten Passus von den Briefen und Weihgefchenkcn deuten wie man wolle, er bleibt immer absurd und folglich ungeschichtlich". Daß Bleek auf diese Stelle Gewicht legt, hätte Herr Gr. nicht in Verwunderung setzen sollen, es findet dies seine natürliche Begründung darin, weil Bl. eben ein besonnener Forscher ist; freilich corrumpirt Gr. die Stelle in dem Makkabäerbuche durch das Wörtchen „und" vor ava&TQßaru, sie erhält sogleich einen andern Sinn, wenn man das negi vor dem betr. Worte richtig mit „über" wiedergibt. Wir haben diese Stelle schon früher in einer besonderen Abhandlung ia diesen Blättern behandelt (Wifsensch. Beil, zu Nr. 2 des „Israelit" 1866), und nachgewiesen, daß hier von den Briefen des Koresch und Artachschachta (Esra VI. 3—12 und VII. 12— 26) die Rede ist, in welchen besohlen wird, die durch Nebukadnezar nach Babylon ab geführten Tempelschätze wieder herauszugeben, zum Bau des Tempels aus dem i persischen Staatsschätze beizusteuern, und zugleich die Er- | laubniß gegeben wird, im persischen Reiche Gaben und Geschenke für den Zionstempel zu sammeln. Was aber ian der Angabe über die Sammlung der Schriften Davids unglaublich klingt, ist uns unerfindlich, und kann! höchstens Gr. nur unglaublich klingen, weil es ganz dazu! geeignet ist, seine Hypothese ganz und gar umzustoßen. Die zweite Stelle, die von Gr. citirt wird, fft die in B. Bachra 14 b. angeführte Bpraicha: non . 'tem nro rmn, daß die Männer der synagoga magna die Bücher Ezechiel, Daniel, die 12 Propheten, und Esther geschrieben hätten. Die ganze Stelle, meint Gr., klinge ganz unhistorisch, das wäre schwierig zu erklären. Auch hieße es in jener Stelle ^um Schluß, daß Esra sein Buch nnd einen Theil der Chronik geschrieben habe, und somit würde Esra später als die synagoga magna gesetzt. Endlich fei auch die Angabe, daß der König Chiskia und seine Zeitgenossen Jesaia und die drei Salomonischen Schriften geschrieben hätten, „absurd". Wir hatten es aber weder für absurd noch unbistorisch, wenn angegeben wird, daß die Männer der synagoga magna frühere Schriften nach Traditionen bearbeitet und für die Aufnahme in den Kanon Hergerichtei haben (und dies bedeutet oro) und ehensowenig klingt es unhistorisch, daß das wissenschaftliche Zeitalter des Chiskia die zerstreuten Schriften des Jesaia und Salomo zusammengetragen habe. (Bergl. Spr. Sal. 25, 1.) Daß aber Esra später als die synagoga, magna gesetzt wird, können wir in den Worten der angeführten Boraicha nicht finoen. „Das dritte Zeugniß, fährt Gr. fort, klingt nicht minder unhistorifch." Es ist die in Abot di R. Nathan I. vorkommende Stelle, wo es heißt, daß die Männer der synagoga. magna die Sprüche, das Hohelied u. Koheleth „erklärt" hätten, um den anscheinend anstößigen Stellen in denselben den rechten Sinn zu geben. „Zunächst wissen wir aus einer authentischen Relation in der Mischnah, bemerkt Gr. dazu, daß die Salomonischen Schriften niemals geradezu für apokryph erklärt wurden, so daß sie verborgen worden wären. Ferner wissen wir, daß sich die Controverse über Kanonicität nur um das Hohelied und Kohelet, aber niemals um die Sprüche gedreht hat. Endlich sagt uns dieselbe authentische Quelle, daß nicht die große Versammlung, sondern die Hille l itische Schule die zwei Salomonischen Schriften zn Ehren gebracht hat. Wie unzuverlässig ist demnach das Zeugniß der Abot über diesen Punkt!" Auf die Auseinandersetzung Gr.'s über diese Stelle gehen wir hier nicht näher ein, wir wollen ihm seine Einweichungen hier ganz zugeben, indem wir uns Vorbehalten, später aus diesen Punkt wieder zurückzukommen. Wir gestehen, aber auch sogleich, daß die Abot di R. Nathan für uns keinen historischen Werth haben, wenn die Relationen mit denen der Mischnah und Talmude im Widerspruch stehen; es sind überhaupt unsere Ausgaben der Abot svincorrect und so wenig zuberläßlich, daß die Aussprüche derselben nur in Verbindung mit Parallelstellen Anspruch aus historische Beweiskraft machen können. (Fortsetzung folgt.)