Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1871)
- Date
- 1871-11-22
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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886 w. *•- Len, einer „Mord und Ehebruch" durch den ganz un- L' verfänglichen Satz: „Juda sah daselbst eine Tochter ei- |; nes Kanaaiters, Namens Schua, und heirathete sie," Idlotz in verhüllter Weise anzudeuten? 2) Es könnte dies kein Vernünftiger voraussetzen, ) -aß ein Leser die Namen ix und ir«, die doch aucf) anderwärts Vorkommen (vergl. Genesis XXXIV. 23; : 1. Ehr. I. 40; II. 28; IV. 21) und einfach „der Muntere" und „der Kräftige" bedeuten, für jn und mdn halten werde. Hat denn Jerobram seine Schmähschrift nur für äußerst spitzftndige Leser geschrieben d 3) rhar ist nach den; Vers, nur eine singirte Person, die nobur Vörstetten soll. Nun fragen wir: was wird der Verf. mit allen den Abschnitten der heiligen Schrift änfangen, in welchen die Familie Schelah nnvVv unter den Geschlechtern des Stammes Juda aufgezahlt ist und die Nachkommen des ndv ^namentlich %' aufgeführt werden d Wird er auch alle diese Stellen für tendentiöse Erdichtungen erklärend I 4) Der ganze Ton, der in dieser Erzählung herrscht,!| beweist es bis zur Evidenz, daß hier gar nicht beabsichtigt wird, Juda zu schmähen. Der Abschluß der Get schichte gereicht vielmehr Juda sowohl als auch seiner ^Schwiegertochter zum höchsten Lobe. Thamar will lie- £' ber den Feuertod erleiden, als daß sie ihren Schwieger- Vater öffentlich beschäme. Juda ist so bescheiden, offent- §*, lich das Geständniß abzulegen: „Sie (Thamar) ist ge- L rechter als ich". Die Haupthelden in diesem Stücke r-' erscheinen jedem Unbefangenen bei ihren nienschlichen Z Schwächen dennoch als Muster in Bezug auf ihren Biei. . dersinn und ihre Gerechtigkeitsliebe. I 5) In dem sehr alten, nach dem Urtheile der i meisten Kritiker zur Ehre des David'schen Hauses very faßten Buche Ruth befindet sich in dem von dem Volke | und den Aeltesten dem wackern Boas ertheilten Segen f auch der Wunsch: Möge dein Haus sein, wie das ( Haus des Perez, den Thamar dem Juda ge- | bar (Ruth IV. 12). Hieraus ersehen wir a) daß zu l jener Zeit die Geschichte von Juda und Thamar bekannt war und b) daß man hierin keinen Schimpf für x das David'sche Haus erblickte. Die Annahme des Bert., daß das 38. Cap. der Genefis eine von Jerobeam ver- -' faßte Schmähschrift mit lauter fingirten Personen sei, " ergibt sich nun als eine nicht von Jerobeanl, sondern 'i' vom Vers, mit Verhöhnung der Wahrheit „ausgesonnene Unsauberheit". Nachdem es sich bisher klar gezeigt hat, daß alle Hypothesen des Verf. einer auch nur geringen Prüfung nicht Stand zu halten vermögen, sondern sich als falsch nnd undenkbar erweisen, wollen wir noch einige besonders, komische und lächerliche Ansichten, die sich in diesem Büchlein finden, unfern Lesern vorführen, um zu zeigen, welche Absurditäten man heutzutage als Kritik auszugeben wagen darf. Auf Grund der schan oben von uns beleuchteten Annahme, daß der Stamm Benjamin von David blutige Verfolgungen erlitten, behauptet nun der Vers., Jerobeam habe durch Anfettigung von Sagen den Stamm Benjamin auf seine Seite zu bringen sich bestrebt. So weit steht der Veiff. blos mit allen den Beweisen, die wir oben gegen diese und dergleichen Ansichten geführt, in Collision: aber der Verf. versucht hierdurch eine Frage in Bezug auf das Grab Rahel's zu lösen und da hat er eine Ansicht ausgesprochen, die jedem gesunden Menschenverstände Hohn spricht. Diese Frage wird schon im Midrasch Rabba einem Min in den "Mund gelegt, wie cs nämlich komme, daß in der Thora das Grab Rahel's nahe bei Beth-Lehem angegeben wird, während nach l. Sam. X. 2 dasselbe auf Benjamins Gebiet zu suchen ist, wofür auch Jeremia XXXI. 15 zu sprechen scheint. Auf diese Frage find schon verschiedene Antworten von unfern Weisen gegeben worden (man vergl. Rabbi Joseph Schwarz, das heilige Land S. 81), auch wir haben eine Lösung für diese Frage gefunden. Es ist jedoch hier nicht der Platz, alle die alten und neuen Lösungen dieser Frage anzuftihren, wir wollen hier nur zeigen, auf welche lächerliche Weise der Ven. diesen Widerspruch lösen will. Nach seiner Annahme wäre Rahel's Grab . eigentlich im Gebiete Benjamins gewesen; Jerobeam habe jedoch eine Sage angefertigt, daß sich das Grab der Slammuter in Juda befinde, um Benjamin hierdurch zu bewegen. mit ihm gemeinschaftlich einen Kriegszug gegen Juda zu unternehmen, um dieses heilige Grab von der Herrschaft Juda's zu befreien. Sollen wir noch unsere Verwunderung ansdrncken über die neuen Erfindungen, die der Verf. gemacht, wie, daß nach dem ursprünglichen Texte Jacob gar nicht zu Chebron begraben lag und daß alle diese widersprechenden Stellen vonl Harmonisten eingeschoben sind f Wer im Stande ist anzunehmen, das Grab Rahel's sei von Samuel bis Jeremia als im Lande Benjamins befindlich bekannt gewesen, da sei ans auf einmal Jerobeam gekommen und habe gesagt: „Ihr Alle seid im Jrrthnm, dies ist nicht das Grab Rahel's, sondern dort bei Beth-Lehem befindet sich dieses Grab nnd noch dazu ein Denkmal ^rn rrs^p Jerobeam habe nun gehofft, durch diese für Jeden offenbare Lüge das damals mit Juda vereinigte Benjamin zu einem Kriege wider Juda zu bewegen — wer so Etwas anzunehmen im Stande ist, bei dem ist nichts mehr unmöglich. (Fortsetzung folgt.) Verantwortliche Redaction: Or. Lehmann. — Verlag der Le Rou rächen 4>oshuchhan-krrrg. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz.