Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1871)
- Date
- 1871-11-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Xn Jahrgang. WissrnschaMchr LnlagtM Ar. 47 des Israelit. Kräh' Hypothese über die Entstehung des Kanon. Von Dr. A. Sulzbach. (Fottsetzung.) Ein klassisches Zcugniß, wie weit es die Manie, genial und originell sein zu wollen, treiben kann, gibt uns Gr. endlich noch am Schluß seiner O'^>rv-Hypothese; „daher (weil die Propheten eine einzige Rolle bildeten) stammt der häufig in der Mischnah vorkommende Terminus: JOJ2 s'N'DLO, „man lieft zum Schlüsse aus dem Propheten," d. h. aus der Propheten- Rolle. Nicht von uns rührt die Vocalisation des Wortes nher, es ist Herrn Gr.'s höchsteigenes Werk; woher Her? Gr. weiß, daß das Wort den Artikel haben muß, dürfen wir uns wohl nicht unterfangen, untersuchen zu wollen, denn erstens gehört es zum „Pschättcl" und zweitens hat es der Meister so gesagt, und wir nirissen es glauben. Wir allerdings würden in nnserm unkritischen Sinne gar nichts Besonderes in den» Worte gefunden, wir würden gelesen und uns gesagt haben, daß, da man doch nur in einem der Propheten die Haphtara lesen kann, deßhalb die Einzahl stünde; wir würden aber um so weniger einer: Hinweis aus Kanonlammlung n. dergl. in diesem Worte erblickt haben, als wir gerade dann den term. technicus cw'dj erwartet hätten. Es ist doch merkwürdig, der Plural S'-S'D die Prophetenrolle, der Sing. K’SJ auch die Prophetenrolle, und das nennt sich Kritik!! Der schlichte Wortsinn jerrer Stelle in Daniel nöthigt uns vielmehr zu der Ansicht, daß verschiedene Bücher von namhaften Autoren, von Propheten und Nichtpropheten, im Volke als von einander unabhängige Schriften cursirtcn, aber noch nicht unter einem Gesammtnamen als zusammenhängend gekannt waren, darum gerade der unbestimmte Ausdruck cnsDn, Bücher, die durch Tendenz und Autor anerkannt und bekannt, aber unter sich geschieden waren. Ein Gesammtnamen bestand fiir dieselben zur Zeit Daniels noch nicht, da die synagoga magna erst später die Schriften ordnete und zu einem Ganzen verband. So nach uns, die wir Daniel früh setzen. Nach Gr. hingegen, der Daniel in die Zeit des jüngeren Sirach setzt, wird gerade der erwähnte Ausdruck in Daniel doppelt schwierig. Der jüngere Sirach kennt ja schon den lerm. teehn. ot jxQoyfjtca, warum gebraucht denn rücht auch Daniel das bestimmte owa: statt des unbe- | stimmten onsDn % — Nun soll aber merkwürdiger Weise! der jüngere Sirach auch den Beweis liefern, daß es zu! seiner Zeit nur zweierlei heilige Schriftsammlungen ge-? geben habe: 6 vötuog xal ol TtQotfijxai. „Es gab zwar," j fügt Gr. hinzu, „neben diesen noch andere Schriften : religiösen Inhalts; aber diese hatten noch keinen allgej meinen Titel. Sirach bezeichnet sie daher mit xd dXXa j Tcctxqict ßißXia oder xd Xomd xmv ßißXicav. Der Name ooirü, ygayaf, war damals in der ersten Hälfte > des zweiten Jahrhunderts ante noch nicht gebildet." | Dies soll nun erklären, daß Daniel nicht unter die Propheten ausgenommen worden, da diese Sammlung zur Zeit der Entstehung dieses Buches bereits abgeschlossen oder kanonisirt war, und Niemand Daniel derselben anzureihen wagte. Ich bedauere sehr, diese Beweisstelle gerade als eine solche ansehen zu müssen, die ihre Spitze gegen Gr. lehrt. Als ob nicht vielmehr die beiden Stellen, in denen der jüngere Sirach vom „Gesetz und den Propheten" spricht und nicht hinzuzufügen vergißt xd d'KXa rrdxQia ßißXia resp. xd Xomd xmv ßißXitov, den Beweis liefern, daß derselbe drei Theile der heiligen Schriften gekannt habe^ Aber er hat nicht YQc<(f ai; — exiftirte denn überhaupt die Bezeichnung ygccyai für? Ist ja die Bezeichnung der als Hagiographen erst viel jüngeren Datums, eine Nachbildung des mischnaitischen tsnp '3 na. Ist .nicht vielmehr die Bezeichnung xd dXXct ndxQia ßißXice und noch mehr das xd Xomd x dH v ßtßXtfov eine viel prägnantere Bezeichnung für den dritten Theil der heil. Schriften als das unbestimmt scheinende O’aira*? | Gr. wendet sich nun der Frage zu, wann der Propheten-Kanon abgeschloffen wurde d Drei Zeugen find es, die für die Entscheidung dieser Frage aufgernfen werden: II. Makk. 2, 13., B. Bathra f. 14 b. und Abot di Rabbi Nathan. I.; Gr. sagt zwar von ihnen, daß sie nicht klassisch seien, „aber trotz ihres unzuverlässigen Charakters eben wegen ihrer Einstimmigkeit Beachtung verdienen." (S. 152.) Prüfen wir nun den „nnznverläffigen Charakter" dieser Zeugen sowohl als auch andererseits ihre „Einstimmigkeit" und sehen wir, in welcher Weise Gr. für sich aus der Zusammenstellung dieser Stellen Capital zu schlagen versucht. Im Makkabäerbuche (II. 2, 13.) wird erzählt, daß Neheniia eine Bibliothek ausgestellt habe, in welcher sich befanden xa tixqI xmv ßaütXetor xal (xd rwv)*) 7roo(fTfC(ov xal xd xor Jav'iö xal imOxoXdg *j Hebet die Berechtigung dieser tzmendation s. unsere Monogr. über diese Stelle in der Wissensch. Beilage zu Rr, 2 d. Bl. 4866,