Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1871)
- Date
- 1871-11-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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673 zendste. Der LlosZ." hat aus den veröffentlichten Listen in der Tagespreffe die Gaben der New- Aorker Israeliten ausgezogen und sie namentlich aufgeführt. Wir haben die einzelnen Zahlen, unter denen einzelne Posten von 1000, 2000 und 10,000 Dollar siguriren, zusammengezählt und gefunden, daß dieselben bis jetzt die Summe von 70,426 Dollar gegeben haben. In San Francisco sind 7000 Dollar eingegangen. Die Bnai Berith (Logen) daselbst haben 3350 Dollar gespendet. Aus allen Städten senden die isr. Frauenvereine Kleidungsstücke nach Chicago. Feuilleton. Agnes. Y. Als Frau Honigmann ganz erregt nach Hause im und Agnes alles Vorgefallene erzählte, war es diese, welche ihre mütterliche Freundin beruhigte. „Ich bin froh," sagte sie, „daß ich nunmehr weiß, was den Umschwung in der Gesinnung meiner bisherizen Freunde hervorgerufen hat. Es ist also ein kleines Martyrium für unsere heilige Religion, das ich zu erdulden habe. Gelobt sei Gott, der mich würdigt, für sein heiliges Gebot leiden zu dürfen." „„Mein liebes Kind,"" rief Frau Honigmann, „„ich bewundere Sie. Sie sind ja ein Enget an Milde und Sanftmuth, eine Heilige durch Ihre gottergebene Gesinnung! Sie sollen sehen, es wird Ihnen noch einmal gut gehen."" Ein Wagen hielt vor dem Hause, und Kapellmeister Blumenstein kam herauf. „Mein liebes Fräulein Bärwald," sagte er nach den üblichen Begrüßungen, „ich habe von den kleinlichen Verfolgungen gehört, die man gegen Sie losgelassen hat, Sie wissen, ich gehöre nicht zu den Frommen; ich bin schon als Kind durch meine Erziehung dem pracrischen Judenthume entfremdet worden. Als ich in spätent Jahren dasselbe kennen lernte, merkte ich wohl, welch ein Schatz mir durch fremde Schuld war geraubt worden; allein, cs war zu spät für mich; ich konnte mich — noch dazu in meiner Stellung — von bereits eingewurzelten Gewohnheiten und Anschauungen nicht mehr frei machen. Desto größere Hochachtung hege ich Ar diejenigen, welche so glücklich sind, dem alten, echten Judenthume erhalten geblieben zu sein. Die Erzählung der kleinlichen Jntriguen, die man gegen Sie, mein Fräulein, in Scene gesetzt, hat mich wahrhaft empört. Erlauben Sie mir nunmehr, Ihnen vor allen Dingen von Herzen Glück zu wünschen." „„Darf ich fragen, wozu, Herr Kapellmeister f “ „Dazu, daß Sie den Antrag des Herrn Tempelhoff so entschieden zurückgewiesen haben. Dieser junge Künstler ist ebenso leichtsinnig wie talentvoll, und ich glaube kaum, daß einer Gattin an seiner Seite ein glückliches Loos wird beschieden werden. Aber ich habe eine ganz besonders erfreuliche Nachricht für Sie: es ist mir gelungen, cs durchzusetzen, daß Sie berufen werden, beim nächsten Hofconcerte mitzuwirken." Der Eindruck, den diese Mittheilung auf Frau Honigmann machte, war unbeschreiblich. Bei Hof, vor König und Königin, sollte ihr Liebling sich hören lassen! Für Agnes war die Nachricht eine inehr beängstigende. „„Herr Kapellmeister,"" sagte sie, nachdem Frau Honigmann ihre überschwenglichen Danksagungen beendet hatte, „„auch ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre außerordentlich liebevolle Bemühung, — allein, werde ich es denn wagen können, bei Hof zu spielen?"" „Seien Sie darüber ganz ruhig, liebes Kind, ich weiß, daß Sie meiner Empfehlung Ehre machen werden." Und so geschah es; freilich hatte Agnes sich zusammen zu nehmen, um ihre Angst und ihre Scheu zu überwinden, da sie zum ersten Male vor dem Königspaare, den Prinzen, vielen fremden Fürsten und den Großen des Reiches spielen sollte; allein sie dachte an den Allerhöchsten, vor den sie täglich im Gebete trat, und ihre Befangenheit war verschwunden. Sie erntete allgemeinen Beifall, und selbst der König ließ sich herab, ihre einige Worte der Anerkennung zu sagen. Von diesem Augenblicke an schien ihr Glück gemacht zu sein; sie kam in die Mode; bei keinem Hofconcerte, bei keiner musikalischen soiree, welche die Großen des Reiches veranstalteten, durfte Agnes Bärwald fehlen, und, das Honorar floß reichlich genug, um ihre geringen Bedürfnisse zu befriedigen und sie des Unterrichtgebens ganz zu überheben. Jetzt hätte auch gern die haute finance die in den höchsten Gesellschaftskreisen so beliebt gewordene Clavierspielerin wieder an sich gezogen; aber Agnes verschmähte es standhaft, mit den Leuten wieder in Berührung zu komme», die ihr so wehe gethan hatten. Um diese Zeit ging die Nachricht durch die Zeitungen, daß der berühmte Violinvirtuose Aloys Tempelhoff sich mit einer reichen, aber nicht mehr jungen russischen Fürstin vermählt habe, nachdem er vorher zum griechisch-katholischen Glauben übergetreten. Agnes dankte Gott in ihrem Herzen, daß er sie davor bewahrt hatte, ihr Geschick an einen so leichtsinnigen, gewissenlosen Menschen zu knüpfen. Eines Tages ließ sich ein vornehmer Herr, ein Freiherr von Blankenstein, bei Agnes melden; diese empfing ihn in Gegenwart der Frau Honigmann.