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Der Israelit · 1871-11-15 · Heft 46 (15.11.1871) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 46 (15.11.1871)
Date
1871-11-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XU Jahrgang. Beilage z« Rr. 46 des Israelit. Leitender Artikel. gilt Wachtrag zur IranKet-Iseier in Wreslau. Anknüpfend an unsern Artikel in Nr. 43, die Frankel-Feier betreffend, halten wir es für angemessen, unsern geehrten Lesern die nachstehende Correspondenz vorzn legen: Breslau, 9. -November Herr Redakteur'. Ich erhielt heute zufällig von einem Artikel in Nr. 43 des „Israelit" Kenntniß, in welchem Sie einige Glossen zur Frantelseier zum Besten geben. Sie selbst werden es vielleicht am besten begreifen, daß es tief unter der Würde des Seminars ist, darauf auch nur mit einem Jota zu antworten. Auch mir wird in diesem Aufsatz etwas „Lüge und Heuchelei" angeheftet. Nun kann es mir natürlich im Traume nicht einfallen, mit Ihnen in eine Polemik einzutreten. Und doch ist es wiederum einem jungen Mann nicht ganz gleichgültig, was Sie der größtentheils urtheilslofen Masse Ihrer Leser von ihm erzählen. Ich mache Ihnen deßhalb folgenden Vorschlag: Zwei anerkannt religiöse Männer, die Herren Rabbiner vr. Meyer in Hannover und I)r. Feilchenfeld in Düsseldorf — beide kennen mich nicht persönlich und stehen in keiner Beziehung zu mir — mögen Ihre Worte und die meinigen prüfen und entscheiden, ob Sie nicht für Ihre Vorwürfe wir einfache Abbitte zu leisten haben. Dieser Entscheid muß unverkürzt und ohne Glosse im redaktionellen Theil des „Israelit" zum Abdruck kommen. Ich erwarte in Bezug auf diesen Vorschlag Ihre Antwort innerhalb acht Tagen; sollte diese ausbleiben, so werde ich mich vielleicht zu dem höflichen Ersuchen an die Richter Ihrer Heimath veranlaßt sehen. Sie in faßlicher Weise über die Begriffe „Heuchelei und Lüge" aufzuklären. Dr. Benjamin Rippner. Breslau, Wallstr. 1, jüdisch-theologisches Seminar. Mainz, v“n 's pw"o, 5632. Herrn Dr. Rippner, Wohlgeboren. Breslau. Sehr geehrter Herr! Aus Ihrem an mich gerichteten Schreiben, welches ich soeben empfange, ersehe ich zu meinem Erstaunen, daß Sie vermeinen, ich hätte Ihnen in dem die Frankel- Feier betreffenden Referate „etwas Lüge und Heuchelei angeheftet"; ich bedaure, daß Sie den betreffenden Passus vollkommen mißverstanden haben. Nicht Sie werden darin der Lüge und Heuchelei bezüchtigt, sondern die in Ihrer Festrede gegebene Interpretation einer Midrasch-Stelle wird als solche bezeichnet. Kein Mensch wird darin eine Beleidigung Ihrer werthen Person, die „wie Sie wohl am Besten wissen," mir vollständig unbekannt ist, finden; denn, was können die bedauernswerthen Schüler des Breslauer Seminars dafür, daß man sie lehrt, die Worte unserer Rabbinen in solch beklagenswerther Weise aufzufaffen? Nein, mein lieber Herr, Sie haben sicherlich bons. Me gesprochen, und nur das System, nach welchem das Breslauer Seminar die unglücklichen Schüler, die ihm anvertraul waren, heranbildet, verdient jene harten Bezeichnungen, welche Ihr Mißfallen in so hohem Grade erregt haben. Den Vorschiag den Sie mir zu machen so gütig sind, finde ich — nehmen Sie es ja nicht übel — im höchstenGrade kindisch. Wie tönen Männer, die dem Breslauer theologischen Vereine angehören, zu Schiedsrichtern bestellt werden, ob ich, von m einem Standpunkte aus, Recht daran thue. die Franketsche Richtung in solcher Weise zu bekämpfen oder nichts Würde es Ihnen gefallen, in dieser Angelegenheit das Uttheil der Herren Rabbinen von Würxburg und Preßbürg anzurufen, so bin auch ich gern bereit, mich dem Ausspruche dieser Herren zu fügen. Die souveräne Verachtung, mit der Sie es mir anheim geben, zu begreifen, wie tief es , unter der Würde des Seminars (qu'est-oe que ce?) sei, mir zu antworten, verzeihe ich Ihnen gern. Die Entrüstung eines Breslauer Seminaristen darüber, daß ein obscurer Sterblicher wie ich sich weigett, vor dem kaiserlich königlichen Rath, Oberrabbiner und Semirardirector anbetend im Staube zu liegen, wie die „größtentheils urtheilslose Masse'- seiner Schüler und Nachbeter, muß — um mit Kladderadatsch zu reden— pyramidal sein! Begreiflich finde ich es auch, daß Ihr seminaristischer Hochmuth selbst Ihre Träume von Einfällen in Bezug auf meine geringe Persönlichkeit rein hält; begreiflich finde ich ferner Ihre Besorgniß, jener Artikel möchte Ihnen bei etwaiger Bewerbung um eine Stelle hinderlich sein; das Lefepublicum des „Israelit" jedoch scheinen Sie, bester Herr, wenig zu kennen. Dieses Publicum umfaßt so ziemlich die ganze jüdische Orthodoxie, und da ich viele Tausende der Leser des „Israelit" theils persönlich, theils aus deren Briefen zu kennen das Glück habe, so kann ich Ihnen die Versicherung geben, daß man in

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