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Der Israelit · 1871-11-15 · Heft 46 (15.11.1871) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 46 (15.11.1871)
Date
1871-11-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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851 trinken so gut wirs haben und singen und springen so gut wir können, sagen hübsche „Wörtchen" und bringen rauschende Toaste aus, und so befaßten wir uns mit der nso mwo bis spät in die fßaifyt fyineiit. Die Hauptsache ist und bleibt bei diesem ono die dV'bm die Vertheilung der einzelnen Tractate des Talmuds auf die lernenden Mitglieder, und so haben denn in diesem Jahre nicht nur alle Tractate auf 34 Personen bertheilt werden können, sondern cs sind auch noch außerdem manche Tractate zwei- und dreifach belegt worden. Selbstoerständlich wird dieser Verein bloß von russischen, hier seßhaften Glaubensgenossen gebildet; die deutschen Gemeiudemitglieder haben nicht einmal eine Ahnung vom Wesen und Bestände dieses Vereines, der mitten unter ihnen tagt, und das verdienstlichste Wirken im Glauben zum Zwecke hat. Sehet, das ist ein edler Volksverein in des Wortes verwegenster Bedeutung, denn er besteht meistens aus Männern der geringsten Votksklasse: ganz kleine Handelsleute, auch Handwerker, Schuster und Schneider, bilden seinen Grundstock. All den Massen von Vereinen und Vereinsmassen , welche als eine der geistigen .Hauptsignaturen der Zeit hervortreten, darf ein solcher Verein getrost zur Seite gestellt werden. R. Dresden, im Nov. Der Ruhm der Berliner Reformer hat ihre hiesigen Nachäffer nicht schlafen lassen. Bekanntlich wurde vor einigen Jahren in der Berliner Synagoge ein Concert gegeben. Dasselbe hat hier vor einigen Tagen stattgesunden. Während es aber in Berlin zu einem woblthätigen Zwecke geschah, während in Berlin noch andere Synagogen exiftiren, so daß die Gottesfürchtigeu das Opern- und Schauspielhaus in der Oranienburger Straße vermeiden können, so war das Concert in der hiesigen einzigen Synagoge lediglich dem Ohrenschmause gewidmet. Es wurden Compositionen von getauften Juden vorgetragen. So reift die Saat, die Frankel gesäet hat und die dessen Intimus und Nachfolger, Landau, sorgsam pfleget; denn Frankel war es, der hier die „Verjüngung" des Judenthums angebahnt hat und Früchte, wie Ädvocat Emil Lehmann, sind hier gezeitigt worden. Wie es hier in religiöser Beziehung aussieht, davon macht man sich anderswo wohl kaum eine Vorstellung. Am heiligen Versöhnungstage wandern die jungen Leute in die Kaffeehäuser und spielen Billard' am Sabbat gibt es Viele, die — die brennende Cigarre im Munde — in die Synagoge gehen und daun in derselben zur Thora gerufen werden; am Rosch Haschanah sah man eine Equipage an der Synagogenthüre galten, um jüdische Besucher eines jüdischen Gotteshauses abzuholen. Das ganze Jahr über ist die Synagoge leer; um Beiucher heranzulocken, läßt man von hübschen nichtjüdischen Choristtnnen das „Schema" singen; allein auch dieses Zugmittel verfängt nicht mehr. — Unlängst hat hier ein Frauenzimmer, das mit koscherem Geflügel handelt, einen Christen geheirathet; dieser Umstand thut ihrem Geschäfte keinen Eintrag.'! Wie raffinirt man hier in der Verhöhnung der Religion unserer Väter ist, mag folgendes Beisplel beweisen: Einem Arzte wurde ein Söhnchen geboren; am Brith-Milah-Tage wurde in der jüdischen Restauration ein solennes Frühstück veranstaltet, der Gemeinde-Cantor machte Mischaberach und wurde das Beschneidungsfest auf's Fröhlichste gefeiert, ohne daß die Beschueidung selbst ftattfand und während der Vater des Kindes auf's Entschiedenste erklärte, es sei nicht seine Absicht, das Kind beschneiden zu lassen!!! Und zu sochenDingen gibt sich der Gemeinde-Cantor her, einen solchen -io’s si'bp haben wir! Was aus unserer Religionsschule geworden, die während Frankel's Amtirung noch Etwas leistetet Lassen Sie mich davon schweigen! Es ist zu traurig. Gott bessere es! Schweiz. Zürich, 30. Oct. Im Laufe der nächsten Woche wird zur Berathung der schweizerischen Bundesverfassungsrevision die Bundesversammlung zusammentreten. Unter den wesentlichen Abänderungsvorschlägen der Revisionscommission des Rationalrathes und des Ständerathes nennen wir: Gewährleistung der Glaubens- und Gewissensfreiheit; Befreiung von Steuern für eigentliche Cultuszwecke einer Confession oder Retigionsgenossenschaft, welcher der Betreffende nicht anzugehören erklärt. (Also keine Landeskirche mehr.) Berechtigung des Bundes und der Canto ne zur Abwehr von Eingriffen kirchlicher Behörden in die Rechte der Bürger und des Staates; Aufhebung des bisherigen Ausschusses der Geistlichen aus dem Nationalrath. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Peslh, Nov. Dem „Pefther Journal" wird von hier geschrieben: „Die Wahlen in die Pefther isr. j Gemeinde-Repräsentanz, welche am 21. d. M. stattftnden sollen, beschäftigen bereits jetzt die betheiligten Kreise, und zwar weit lebhafter, als dieses sonst bei ähnlichem Anlaß der Fall zu sein pflegte. Die natürliche Erklärung hiesür darf wohl zunächst in dem Umstande gesucht werden, daß während bisher nur Juden wählten, nunmehr Parteien einander gegenüber stehen. Die Fortschrittspartei und ihre Gegner haben bereits ihre Candidatenlisten ausgestellt und in beiden Lagern kämpft man schon mit Argumenten, die — aus dem Rahmen der Objectivität herauszutreken drohen. Während die Fortschrittspartei sich das Verdienst zuschreibt, ihren Gegnern, sowohl was die Vertretung derselben in der Ge-

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